Dem Volk ist langweilig. Es verlangt nach Gewalt. Es sehnt sich nach Gemetzel. Eingeweide sollen fliegen. Augäpfel sollen platzen und Gehirnmasse die Wand verschönern. Mordet, schlachtet, lauft Amok. Sägt, schneidet, hackt, stecht, schießt, prügelt und massakriert! Dem Michel die Kehle ist so trocken. Lasst Blut an ihr wie Honig runterlaufen...“. Ach, ja. Und bewerbt jeden Horrorfilm auf diese Weise, damit wir auch ordentliche Einnahmen haben.

Let Us Prey - Official Trailer

Blöd nur, wenn der Film auf seiner Verpackung und in den Trailern diesem Beispiel folgt und mit Blut und grausamen Bildern nur so um sich wirft. Wenn jede Sekunde, jedes Bild und jede Szene „Horror, Massaker und Massenmord“ schreien. Aber der Film selbst keines dieser Versprechen halten kann. Denn „Let Us Prey“ ist reinblütiger, psychologischer Horror. Kein Schocker und kein Slasher...

Let Us Prey - Der Zwiebel-Ritter auf satanischen Pfaden

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Der Film erscheint am 27.03.2015 auf Blu-ray und DVD.
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In einem kleinen Ort in Schottland tritt eine junge Polizistin ihren Dienst zur Nachtschicht an. Sie hat es noch nicht einmal bis zur Polizeiwache geschafft, da beobachtet sie, wie ein junger, betrunkener Tunichtgut einen scheinbar verwirrten Mann anfährt. So kann der Job ja nur noch lustiger werden. Sie nimmt den Täter mit und steckt ihn in eine Zelle.

Bis jetzt nicht weiter gruselig. Nur, dass das Opfer nirgendwo zu finden ist. Kein Opfer, also auch keine Tat? Mitnichten. Denn in dieser Stadt sind offensichtlich alle durchgeknallt. Erst geben sich die Figuren in der Handlung alle als unfassbare Arschlö**** zu erkennen und später dann als Mörder, Psychopathen und gemeingefährliche Irre.

Das wird spätestens dann klar, wenn das vermeintliche Opfer auf dem Revier auftaucht und die Täter mit ihren Taten konfrontiert. Die Anwesenden beginnen einer nach dem anderen Amok zu laufen. Mord, Selbstmord, Verstümmelung. Das volle Programm. Doch wieso hat dieser Mann so viel Macht? Wer ist er und was bezweckt er mit seinem Besuch?

Let Us Prey - Der Zwiebel-Ritter auf satanischen Pfaden

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Zwiebelritter Liam Cunningham leistet einen sehr guten Job.
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Na, ja. Die meisten von euch werden es bereits erraten haben. Und auch wenn der Film versucht, den Zuschauer erst in eine andere Richtung zu schicken, so war der erste Gedanke doch der richtige und die große „Überraschung“ des Films bereits nach durchlesen der Filmbeschreibung obsolet.

Was jedoch wirklich überrascht ist der Aufbau des Films. Denn entgegen der Verpackung, dem Trailer und der Art der Werbung, handelt es sich hier nicht um einen Slasher oder Horror-Schocker, sondern um psychologischen Horror in Reinkultur. Wer hat was gemacht und warum? Wie tief sind die Abgründe der menschlichen Seele und wie viel tiefer sind manche bereit zu graben?

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Ein bisschen Blutkram gibt´s ja schon.
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Dabei gestaltet sich der Streifen teilweise leider etwas zähflüssig und träge. Was durch die mittelmäßigen bis wirklich miserablen Schauspieler noch verstärkt wird. Die deutsche Synchronisation tut ihren Teil und zieht das ganze Niveau noch einmal ein bisschen weiter runter.

Trotz allem bleibt die Geschichte in sich interessant und der mysteriöse Fremde, der die einzelnen Figuren wie auf einem Schachbrett zu bewegen scheint und wie der berühmte Puppenspieler die Fäden zieht, übt einen gewissen Charme aus. Er ist interessant. Man möchte mehr von ihm hören, mehr über ihn wissen und ihn öfter sprechen hören.

Das liegt in erster Linie an dem ausgezeichneten Schauspiel von Liam Cunningham, der Zwiebel-Ritter aus „Game of Thrones“. Er spielt eine charismatische, interessante Figur. Und er spielt sie ruhig, gewissenhaft und mit einem gewissen Flair... So wie die schlechten Synchronsprecher die unterirdische Performance einiger Darsteller in „Let Us Prey“ negativ abrunden, so sticht bei Cunninghams Charakter ebenfalls seine Synchronstimme hervor. Jedoch äußerst positiv.

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Douglas Russell dreht zum Ende noch einmal gut am Rad.
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Zum Ende wird es dann tatsächlich etwas blutiger, aber die brutalen Szenen halten sich arg in Grenzen und rechtfertigen die „ab 18“-Freigabe nur bedingt. Wenn überhaupt. Wenn das Geheimnis um die Person in Zelle 6 endlich gelöst wird, verliert der Film jedoch sein restliches Mysterium und jeglichen Wiederguckwert. Die letzte Szene selbst schrammt haarscharf am „Was zur Hölle..!?“-Bahnhof vorbei und bietet in den allerletzten Minuten noch einmal einen fiesen Nachgeschmack.

Der Zwiebel-Ritter macht seinen Job sehr gut. Der Rest nicht so.Fazit lesen

Bis zu diesem Zeitpunkt macht es jedoch Spaß, Cunninghams Spiel zu beobachten und an seinen Lippen zu hängen. Was man von allen anderen Figuren leider gar nicht oder nur bedingt behaupten kann. Alle anderen Anwesenden haben hier ihre Höhen und Tiefen. Am ausgeprägtesten wohl bei Douglas Russel, der den Sergeant des Reviers spielt. Die erste Hälfte des Films treibt er unmotiviert und lustlos im seichten Wasser seiner Rolle dahin. In der zweiten Hälfte, wo seine Figur plötzlich ganz neu erfunden wird, erlebt er jedoch einige starke Höhepunkte, die ihn in Erinnerung bleiben lassen. Was man von seinen Kollegen und den Insassen nur schwerlich behaupten kann.

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Dafür sieht der Film vom Bild her fantastisch aus und auch die Effekte brauchen sich nicht zu verstecken. Den einzigen Abzug gibt es hier für das Blut, welches noch nie dünnflüssiger und heller war als in diesem Film. Aber hey. Der Film hat größere Probleme, also was soll´s.