Vor drei Jahren begeisterte das schwedische Horrordrama „So finster die Nacht“ hierzulande die Besucher des Fantasy Filmfests und kurz darauf auch ein vergleichsweise breites Kinopublikum. Besonders international erregte die Romanverfilmung Aufmerksamkeit, ihr seither gefragter Regisseur Tomas Alfredson stellte mit dem umjubelten „Dame, König, As, Spion“ jüngst seinen ersten englischsprachigen Film in Venedig vor. Keine Frage also, dass das skandinavische Vampirmärchen vorher noch für untertitelfaule US-Zuschauer neu aufbereitet werden musste.
So finster die Neuverfilmung: Keimfreie Nacherzählung eines Meisterwerks, allerhöchstens für Nichtkenner des Originalfilms von Interesse. FazitDie Geschichte blieb erhalten, ihr Kern nicht. Angesiedelt nun im New Mexico der Früh-80er (diesmal extra mit Zeiteinblendung), erzählt das Remake noch einmal von der Annäherung des schüchternen Jungen (Kodi Smit-McPhee) und dem ewig zwölfjährigen Mädchen (Chloë Grace Moretz aka. Hit-Girl). Zwischen Schulhänseleien und adoleszenten Gewaltfantasien, triebhaftem Blutdurst und stiller Sehnsucht nach Liebe entwickeln die ungleichen Kinder eine tiefe Beziehung zueinander. Und im Fernsehen läuft Ronald Reagan.
Glücklicherweise verschwendete Alfredson weder Zeit noch Talent, das Remake seines Erfolgsfilms selbst zu inszenieren. Mit ähnlichen Versuchen, ein Bein in die Hollywoodtür zu setzen, scheiterten schließlich kommerziell und künstlerisch zuvor schon nordeuropäische Kollegen wie Ole Bornedal („Nightwatch“). Vielleicht wäre „Let Me In“ ein interessanterer und sinnfälligerer Film, hätten tatsächlich Alfredson und sein Autor John Ajvide Lindqvist ihren Stoff spezifisch amerikanisch neu interpretiert, aber das muss Spekulation bleiben.
Trotz weniger stimmungsvoller Momente: An das Original kommt der Film nicht heran.Natürlich darf erst einmal jeder Film noch mal gemacht werden, kann jede Geschichte wieder und wieder erzählt werden. Grundsätzlich spricht gewiss nichts dagegen, ein Meisterwerk wie „So finster die Nacht“ neu zu verfilmen. Selbst oder vielleicht gerade in den makellosesten Höhepunkten des Kinos verbergen sich immer noch neue Blickwinkel, durch die sie gesehen werden können, und im besten Falle ja eben auch eine Mehrdeutigkeit, die andere Perspektiven geradezu herausfordert.
Alfredsons erschütternd profunde Coming-of-Age-Horrorstudie hätte durch einen ergänzenden (kulturell anders verorteten) Ansatz theoretisch gar noch gewinnen können. Im Idealfall. Matt Reeves jedoch scheint vom Film so angetan gewesen zu sein, dass er ihn einfach noch mal selbst drehen wollte, die eigene Unzulänglichkeit mit fremdem Können gedeckelt. Sogar das könnte ja, in einem ideellen Sinne, noch von gewissem Reiz sein, als präzises Shot-by-Shot-Remake beispielsweise, um schlicht hervorzuheben, was besser eben nicht mehr möglich sei.
Dem Regisseur der ulkigen Wackelkamerainvasion „Cloverfield“ aber will einfach nicht viel einfallen, von den beschriebenen Konzepten ist Reeves weit entfernt. Manches stellt er eins zu eins nach, anderes verschlimmbessert er, und die Wesentlichkeiten der Vorlage hat er sogar überhaupt nicht verstanden. Seine Adaption des Drehbuchs (nicht des Romans) tilgt fleißig die Subtilitäten der Vorlage und bügelt sie in einer Mischung aus Nachstellungsgestus und Weichspülung des Materials glatt und geschmeidig. Die sonderbare Abgründigkeit des Originals weicht den irritierenden Überbleibseln einer US-Konvertierung.
Auch das Mädel rettet den Film nicht.Fast alles an diesem Film ist unecht, die zurechtgestutzte Freundschaft der Kinder ebenso wie der Schnee, in dem sie spielen. Das Vampirmädchen hüpft nun wie Computerspielfigur über Bäume und Dächer, und die Geschlechterfrage spielt sowieso keine Rolle mehr – die Großaufnahme eines jugendlichen Schambereichs mag man prüden US-Zuschauern schon gar nicht zumuten. Zur Eindeutigkeit verdammt letztlich auch die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern: Des Mädchens greiser Freund ist eben ganz klar nur ein solcher, der Vater des Jungen wiederum spielt sogar fast gar keine Rolle.
Und weil die amerikanische Angleichung/-passung auch bildästhetisch „funktionieren“ muss, wurde das kühle Blau des Originals durch ein saftiges Braun-Orange ersetzt, das die Geschichte mit vertrautem Colorgrading an den Rand der sehgewöhnlichen Banalität visualisiert. Klar auch, dass künstliche Linsenreflexionen da dann nicht fehlen dürfen, Reeves hat die J.J.-Abrams-Schule schließlich nicht grundlos als Jahrgangsbester absolviert. Dem offenbar einzig auf eine Konventionalisierung der Vorlage abzielenden Simplifizierungskonzept des Films wird somit immerhin optisch entsprochen – auch (k)eine Leistung.
Regie: Matt ReevesGenre:HorrorFilmstart: Darsteller:Richard Jenkins, Chloe Moretz, Kodi Smit-McPhee
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Erschwerend kommt
Erschwerend kommt dazu, dass Nicht-US-Produktionen über Inhalt und Anspruch verfügen - damit kommt da drüber niemand zurecht *rfg*
Loide, Loide, Loide... geht's noch ein bisschen pauschaler? Aber Ok, dann mal 180 Grad dagegen: Die besten Filme kommen aus Amerika. Punkt.
Dazu vielleicht noch ne kleine Zahl am Rande: "So finster..." hatte in D (leider!) keine 40.000 Zuschauer...
Wer braucht schon ein schrottiges Remake.... lest lieber Bücher ;)
(GROOOOOSS SCHREIBEN XD)
Bezieht sich die Frage generell auf DIESES Remake oder speziell AUF "So finster die Nacht". Denn dann würde die Vampirzeitrechnung erst spät beginnen, genauergesagt ab 1999, kurz nachdem "Blade" *schwärm* auf die Leinwand kam. DAS ist und BLEIBT nämlich der BESTE und COOLSTE Vampirstreifen der letzten Jahre(zehnte). (wiederrum zurückgerechnet Biss zum guten alten Dracula jedenfalls). Bite me wenn`s sein muß, aber is so. v-v
richtig, aber man merkt den Filmen seine Handschrift an. ;)
Wobei Sie Alexandre Aja für sich entdeckt haben. ;)
Erschwerend kommt dazu, dass Nicht-US-Produktionen über Inhalt und Anspruch verfügen - damit kommt da drüber niemand zurecht *rfg*
naja, das kommt daher weil Amis (angeblich) keine Syncronisationen mögen
und anstatt machen die dann miese Filme aus guten
Aber keine Angst, ich bin nicht gefährlich. Ich bin ultra gefährlich! *surrrr* ;)
Hm, ich fand Priest ultra langweilig (die Vampire sind da für mich keine Vampire, die sehen eher aus wie irgendwelche Licker aus Resident Evil).
Welcher Bauer hat eigentlich dieses DVD-Cover designed? Oder soll das ein Poster sein? Sieht ja zum abgewöhnen aus...
Aber keine Angst, ich bin nicht gefährlich. Ich bin ultra gefährlich! *surrrr* ;)
Wir brauchen einen dritten Button zur Bewertung. Ich musste lachen und wollte auf Daumenhoch drücken. Aber überall wo Twil... äh... "Jehova" steht drück ich eigentlich immer den roten Daumen. Tja, und nu?
@Lyasa
Genau mein Gedanke. ;)
(die hollywood fassung können sie behalten)
Das war jetzt aber eine Überdosis Sarkasmus, ich war sicher für 10 Minuten benommen jetzt! Ist ja gesundheitsschädlich die Kommentare hier ;)
@Topic So finster die Nacht ist ein erstklassiger Film, gerade weil es keine große und schon gar keine amerikanische Produktion war. Ich gönn ihnen die Lizenzgebühren (hoff ich doch), aber mehr als eine Werbung für den Original Film kann dieses Remake nicht sein...
Er hat Jehova gesagt! *geht Steine sammeln*