Na, auch von der Deal-Mentalität erfasst? Dann ist „Legend“ auf jeden Fall ein Knallerangebot, denn mit einer Eintrittskarte bekommt man zwei Tom Hardys. Nämlich als Reggie und Ronnie Kray, ein Zwillings-Brüderpaar, das zusammen die Londoner Unterwelt der sechziger Jahre aufgemischt hat. Ein bisschen wirkt das wie Wiedergutmachung für „No Turning Back", in dem nur ein Tom Hardy in seinem Auto ein paar Telefongespräche führte und der einzige sichtbare Schauspieler blieb.

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Die Krays, das sind in England ähnliche Legenden wie Bonnie & Clyde in Amerika: Zwei zu allen Schandtaten bereite Glamour-Boys, die die Swinging Sixties als gesetzesfreie Partyzone begreifen. Gerade durch diese Art rufen sie ein mediales Echo hervor, das an den Ruf von Popstars grenzt. Der „klassische“ Gangster der beiden ist Reggie, der geplagt ist von dem Zwiespalt zwischen Kohle Scheffeln und einem gesitteten Leben mit Frances (Emily Browning). Ronnie hingegen gibt den offensiv schwulen „bad boy“. Da wundert es auch nicht, wenn er mit einem im Smoking steckenden Affen ein improvisiertes Stand-Up-Set hinlegt und dabei die Zuhörer als Wichser tituliert.

Legend - Zweimal Tom Hardy zum Preis von einem

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Ein sehr, sehr vielversprechendes Bild.
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Aber natürlich hat Tom Hardy bei „Legend“ zugesagt, denn so eine saftige Doppelrolle kann sich eigentlich kein Schauspieler entgehen lassen. Zu schlagen gilt es hier vor allem „Die Krays“, mit Martin und Gary Kemp von Spandau Ballet. Aber natürlich auch alles zwischen „Die Unzertrennlichen“ und „Geballte Ladung“ - all die Splitscreen-Versuche, die immer dann besonders interessant sind, wenn sich die Hauptperson selber eine Kopfnuss verpasst. Eine schauspielerische Herausforderung zwischen Kraftakt, Parodie und XXL-Egotrip. Eigentlich spielt Tom Hardy so etwas immer, auch wenn er nur in einer Rolle auf der Leinwand auftaucht.

London Confidential

Und natürlich, der Mann ist fantastisch in „Legend“, vor allem als Ronnie. Und am besten in der deutschen Fassung, denn im Originalton ist mal wieder steinerweichendes Genuschel mit deftigem Brit-Slang angesagt. Kein Wunder also, dass das britische Poster vor allem ihn präsentiert, und dann noch ganz viele Sterne, natürlich inklusive dem zu einiger Berühmtheit gelangten The-Guardian-Verriss. Dessen magere 2-Stern-Bewertung ist einfach so zwischen den beiden Hardy-Köpfen platziert worden, dass man annimmt, es dürften ähnlich viele wie bei allen anderen in der Reihe sein, nur eben verdeckt von Tom Hardy. So wird der Anschein erweckt, als wäre der Film ein unisono gelobtes Meisterwerk. Und nicht das seltsam unrunde und geradezu langweilige Gangster-Süppchen, das tatsächlich herausgekommen ist.

Legend - Zweimal Tom Hardy zum Preis von einem

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Ronnie Kray auf der Bühne. Könnte man stundenlang zusehen.
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Die Hauptschuld hierfür trägt ausgerechnet Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland, der einst einen Oscar für sein „L.A. Confidential“-Drehbuch bekommen hat und seitdem unter dieser Latte bleibt. Das ändert sich auch mit „Legend“ nicht, was vor allem an der so offensichtlichen wie langweiligen Entscheidung liegt, den Fokus auf Reggie zu legen. Damit auch auf Frances, die den Film kommentiert und über den ewigen Zwiespalt zwischen Auftragsmord und heiler Familie das weibliche Publikum anlocken soll. Das doch eigentlich sowieso da ist, weil Tom Hardy zu sehen ist. Wahrscheinlich haben aber die Frauen wie auch die Männer im Publikum eigentlich gar kein Interesse an einem weiteren dramatischen Bogen aus der Mottenkiste.

Seiner Frau zuliebe möchte Reggie ehrlich werden. Frances wird sauer, weil Reggie es nicht so ganz schafft. Frances' Mama findet es gar nicht gut, dass Reggie diese Schwierigkeiten hat. Und der Zuschauer, egal welchen Geschlechts, fragt sich schon bald, wann endlich mal wieder Ronnie auftaucht. Der ist einfach wesentlich interessanter und würde als Mittelpunkt der Handlung einen wahnsinnigen Film möglich machen. Am besten mit dem gleichen Ausstattungsaufwand wie hier und gerne auch mit einer ähnlich episodenhaften Struktur. Die ist bei solchen facettenreichen „true crime“-Themen sowieso fast unvermeidbar. Dafür kann man dann auch in Kauf nehmen, dass der Einstieg in die Handlung schwer fällt, da der Anfang des Films den Aufstieg der Brüder nicht zeigt.