Millionen Menschen verschwinden spurlos vom Erdboden. Haben sich offenbar in Luft aufgelöst, von einem Moment zum nächsten. Panik für die Verbliebenen, Chaos in der Welt. Und mittendrin: Nicolas Cage. Treuloser Ehemann, schlechter Vater, vor allem aber ungläubiger Christ. Ausgerechnet er nun muss ein Passagierflugzeug sicher zu Boden bringen, das nach göttlicher Intervention abzustürzen droht.

Left Behind - Official Trailer #2Ein weiteres Video

Dem Untergang geweiht

Schon viele Jahre, bevor die „Leftovers“ auf HBO einen erfolgreichen Serienstart bestritten, erzählten zwischen 1995 und 2007 insgesamt 16 Bücher der „Left Behind“-Serie eine ähnlich apokalyptische Geschichte. Im Unklaren verblieben die zu irdischem Durcheinander verdammten Protagonisten dort allerdings nur für kurze Zeit: Geblieben ist, wer keinen Glauben hat. Und deshalb nun dem Untergang geweiht scheint.

Left Behind - Himmlische Aussichten für Nicolas Cage

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Tighter Anzug, frisch gefärbtes Haupthaar: Pilot Rayford Steele (Nicolas Cage) wird die Offenbarung des Johannes in luftigen Höhen meistern müssen.
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Jene biblische Prämisse der ins Paradies umgesiedelten Gotteskinder inspirierte die „Left Behind“-Autoren Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins dabei nicht allein zu haufenweise Romanbestsellern, sondern auch Comics, Hörbüchern und sogar einer vierteiligen Videospielreihe. Gleich drei Spielfilme gab es obendrauf, mit dem ehemaligen Kinderstar und wiedergeborenen Christen Kirk Cameron in der Hauptrolle. Kirk wer? Genau.

„Left Behind“ nun ist die Kinoneuauflage einer augenscheinlich umfangreichen Franchise-Maschine, von der hierzulande bisher noch kaum ein Mensch gehört haben dürfte. Das immerhin Bemerkenswerte solch protestantischer Unterhaltungsimperien ist, wie rücksichtsvoll der entsprechende Output stets unter sich bleibt. Kein „Battlefield Earth“, kein „Noah“, man behelligt einzig die religiöse Peergroup, nicht gleich die ganze Menschheit.

Crazy Cage passt da jedenfalls wie die Faust aufs Auge, seine Besetzung weist das Projekt von vornherein in angemessen unernste Schranken. Tatsächlich auch macht er im Rahmen dieses offenherzig neutestamentarischen Endzeitthrillers noch die beste Figur, obwohl er 90% der Spieldauer im Cockpit hinter Schaltknüppeln zubringen muss. Und dort schließlich das Geheimnis der verschwundenen Menschen an Bord wie auch am Boden lüftet.

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Rennt zwei Stunden lang wie von Sinnen durch die Welt, um schließlich auch mal hinzufallen: Pilotentochter Chloe (Cassi Thomson), stets am Rande des Wahnsinns.
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Paradiesische Bilder bleibt uns der Film allerdings schuldig. Wir müssen nun leider wirklich ausnahmslos Zeit mit den Hinterbliebenen verbringen, insbesondere der Pilotentochter Chloe (Cassi Thomson). Die ist von Daddy Cage schwer enttäuscht, weil er seinen Geburtstag lieber in luftigen Höhen und Begleitung der Stewardess Hattie (Nicky Whelan) feiert. Chloes Mutter Irene (Lea Thompson) verweilt währenddessen betend daheim, erst kürzlich hat sie zu Gott gefunden.

Zünftige Bibelunterhaltung, die zwar angemessen doof, aber leider auch sterbenslangweilig ist. Nicolas Cage hat trotzdem unseren Segen!Fazit lesen

Ab in die Kirche

Irene zählt nun ebenso zu den urplötzlich Verschwundenen wie auch ihr kleiner Sohn, den Schwester Chloe fortan verzweifelt sucht. Schnitt ins Flugzeug: TV-Reporter Buck Williams (Chad Michael Murray) möchte die aufgebrachten Passagiere beruhigen. Schnitt zurück auf die Erde: Chloe grast Krankenhäuser ab. Wieder Schnitt in die Luft: Der Treibstoff wird knapp. Und Schnitt zu Chloe: Bruder immer noch weg, also erstmal ab in die Kirche.

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Soll süß und einfühlsam sein: Star-Reporter Buck Williams (Chad Michael Murray), der an Bord die aufgebrachten Passagiere in Schach halten muss.
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So geht das etwa zwei Stunden lang. Nicht gerade spannend, aber keineswegs frei von durchaus faszinierendem Schwachsinn: Umgehend in plündernde, mörderische Untergangsstimmung versetzte Menschen, die gottloser Barbarei anheim fallen. Prominent ins Bild gesetzte Tickets für ein U2-Konzert, das Cage und seine Affäre unbedingt besuchen wollten. Und eine allmählich todessehnsüchtige Chloe, die sich von der Brücke schmeißen will.

Was aber folgt, und natürlich muss das den Verbliebenen buchstäblich dämmern, sind Gewissensbisse, Reue, Bußetaten: Habe ich mein Leben richtig gelebt? Hätte ich nicht einfach nur glauben müssen? Kann mir das paradiesische Exil doch noch in Aussicht gestellt werden? Chloe springt jedenfalls nicht, obgleich der dazu eingespielte Christenpopsong ihr eigentlich den letzten Stoß hätte geben müssen.

Überhaupt: diese Musik. Eigentlich ja interessant, in einem einigermaßen kostspieligen US-Mainstream-Film nicht das übliche Dröhnen aus der Score-Retorte vernehmen zu müssen. Aber der wie aus debilen Schulungsvideos von Bibelgruppen oder geschmeidig-fiesen Callcenter-Warteschleifen vor sich hin dudelnde Soundtrack dieses Films ist dann leider auch keine Lösung.

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Für Romantik bleibt in der nahenden Apokalypse keine Zeit. Flugbegleiterin Hattie (Nicky Whelan) versucht dennoch ihr Glück. Währendessen: Nicolas Cage denkt nach.
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Chloe jedenfalls schickt sich an, für Papa Cage und dessen Flugzeug eine Landebahn aus Feuer zu zeichnen. Einigermaßen sicher gelandet, ist der Film auch schon wieder vorbei. Das sei nun erst der Beginn, heißt es – und so unverschämt kündigte sich ein Sequel selten an. Ob es das angesichts der ausnahmslos hämischen Kritiken zu „Left Behind“ wirklich geben wird, steht wohl außer Frage. Unterschrieben haben einige der Beteiligten zumindest schon.