Es gibt sie noch, die kleinen Horrorfilme, die auf Teenager in Hütten verzichten können, die mehrheitlich keine Computereffekte benötigen, die die Monster dosiert einsetzen und die einen blinden, alten Mann in den Fokus rücken. „Late Phases“ ist eine kleine Perle. Ein Film, der sowohl als Horrorstreifen als auch als Drama funktioniert – letzteres sogar so gut, dass man die etwas kurios anmutenden Werwölfe am Ende sogar gerne verzeiht. Weil der Film so gut ist, dass das Aussehen der Kreaturen keine Relevanz mehr hat.

Late Phases - Official Trailer

Ambrose (Nick Damici) ist ein alter Veteran, der seit Jahren blind ist. Sein Sohn Will (Ethan Embry) bringt ihn in die Crescent Bay Retirement Community, einen Ort, wo die alten Leute im Endeffekt zum Sterben hingehen. Und auch Ambrose erwischt es fast schon in seiner ersten Nacht.

Ein Werwolf attackiert seine Nachbarin und hat es dann auch auf ihn abgesehen. Aber sein Hund schützt Ambrose, auch wenn er das mit dem Leben bezahlt. Ambrose ist klar, dass dies kein wildes Tier war. Er ist sich sicher, dass er es mit einem Werwolf zu tun hat – und dass ihm ein Monat bleibt, um sich auf die Rückkehr der Bestie vorzubereiten.

Late Phases - Womit wir zuletzt gerechnet hätten: ein ernsthafter Werwolf-Film!

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Der Film erscheint am 09.06.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Die Stärke eines Dramas

Nick Damici, der als Autor unter anderen „Cold in July“ zu verantworten hat, aber auch ein feiner Schauspieler ist, legt Ambrose als wortkargen, klugen, auch grimmigen Typ der Marke Charles Bronson an. Zugleich ist er fast mythisch überhöht, ein moderner Zatoichi, der zwar blind ist, aber dank Geruch, Gehör und dem Vertrautmachen mit der Umgebung auch mit Werwölfen kämpfen kann.

Die Werwölfe selbst sieht man so häufig gar nicht. Am Anfang des Films gibt es die Attacke, bei der nur Teile der Bestie gezeigt werden. Danach folgt der weit längere Teil des Films, der sich mit Ambrose und seiner Vorbereitung befasst, aber auch damit, wie er herauszufinden versucht, wer der Werwolf ist. „Late Phases“ gestaltet sich hier als dichtes Drama mit durchaus subtilen Untertönen. Immerhin sind die alten Leute in dieser Gemeinde, um zu sterben. Ob an hohem Alter oder durch einen Werwolf, was macht das schon noch? Diese Frage stellt zumindest der Film.

Late Phases - Womit wir zuletzt gerechnet hätten: ein ernsthafter Werwolf-Film!

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Die Werwölfe sehen nicht so toll aus. Das macht das Drehbuch aber wieder wett.
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Dabei zieht er den Zuschauer auf Ambroses Seite. Man findet Sympathie für den alten Haudegen, der mit seinem Sohn nur schwer zurechtkommt. Als „Late Phases“ schließlich ins große Finale einmündet, und man die Kreaturen in ganzer Pracht sehen kann, da ist die Wirkung des Films bereits so stark, dass die etwas albernen Gesichter der Werwölfe allenfalls noch einen Moment irritieren, aber ansonsten nicht weiter stören.

Eine echte Perle: Horror, der ernsthaft erzählt ist und Wert auf die Charakterzeichnung legt.Fazit lesen

Handgemacht

Eine Stärke des Films ist, dass er auf CGI weitestgehend verzichtet. Das liegt auch daran, dass das Budget überschaubar war, aber man macht das Beste daraus. Damit einher gehen schöne handgemachte Effekte. Sicherlich, das Werwolf-Design hätte man auch ruhig mehr in Richtung eines „Dog Soldiers“ bringen können, aber es tut seinen Dienst.

Phantastisch sieht die Transformation aus, die ebenfalls handgemacht ist und clever mit dem Schnitt arbeitet, um die Entwicklung vom Mensch zum Monster zu illustrieren.

Gut besetzt

Damici ist der unumwundene Star des Films, die Produktion von Larry Fessenden kann jedoch auch ein paar bekanntere Namen bieten. Er selbst spielt auch mit, dazu kommen Erin Cummings („Spartacus“) und Ethan Embry („The Guest“) als Schwiegertochter und Sohn, Tom Noonan als Priester, den Ambrose für den Werwolf hält, und Lance Guest („Halloween 2“).

Sehr schön ist auch die Inszenierung von Adrián García Bogliano, der jüngst mit „Here Comes the Devil“ schon einmal bewiesen hat, dass er es versteht, ein Drama mit Horror-Elementen zu versehen. Bei „Late Phases“ gelingt es ihm zudem aber auch, an der Spannungsschraube zu drehen.

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