Natürlich hat der Verleiher Splendid die Veröffentlichung von „Last Bullet – Showdown der Auftragskiller“ so terminiert, dass das Ganze von „Expendables 2“ profitiert. Fans von Dolph Lundgren, die vielleicht durch seinen Kinoauftritt angefixt sind, könnten dann ja ab dem 31. August auch zur DVD oder Blu-ray dieses kleinen B-Actionfilms greifen.

Die Rechnung wird vermutlich sogar aufgehen. Dolph-Fans werden aber eine herbe Überraschung erleben: Er spielt in diesem Film nicht die Hauptrolle. Tatsächlich taucht er sogar nur sehr selten in dieser Geschichte auf.

Auftragskiller Ray (Cuba Gooding Jr.) soll im Auftrag eines Mafiabosses dessen Konkurrenz ausschalten. Das gelingt ihm auch fast, doch eines der Führungsmitglieder der Familie geht ihm durch die Lappen, da der Mann eine Frau als Schutzschild benutzt und Ray keine Unschuldigen erschießt. Da er seinen Auftrag vergeigt hat, heuert Mikhail einen anderen Killer an, um den Job zu beenden: Aleksey „der Wolf“ Andreev (Dolph Lundgren).

Derweil erhält Ray einen neuen Auftrag: Er soll seinen ehemaligen Auftraggeber Mikhail und dessen Bruder töten. Beim Bruder gelingt ihm das auch, aber damit zieht er sich Mikhails Zorn zu, der nun den Wolf auf ihn hetzt.

Viel Geballer, keine Emotion, keine Geschichte, aber zwei stoische Mimen, die darum wetteifern, wer teilnahmsloser in die Kamera gaffen kann.Fazit lesen

Viel Cuba, wenig Dolph

Erst nach geschlagenen 25 Minuten taucht Lundgren auf. Nach gut einer weiteren halben Stunde ist er aus dem Film auch schon größtenteils verschwunden. Vom im Untertitel beschworenen Showdown der Auftragskiller ist in „Last Bullet“ nichts zu sehen. Tatsächlich gibt es den auch gar nicht, da Dolph und Cuba nur in zwei Szenen aneinandergeraten – und das sehr lange vor dem Finale des Streifens.

Last Bullet - Showdown der Auftragskiller - Alle Killer sind schon da... Dolph Lundgren gegen einen Oscar-Preisträger

alle Bilderstrecken
Gut gehalten hat er sich. Irgendwie. Sagt zumindest die Männerbrust.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 7/91/9

Ansonsten herrscht zwischen den beiden Auftragskillern professionelle Höflichkeit. In dieser Welt des Abschaums haben Killer halt doch noch den höchsten Moralkodex. Seltsam, aber so ist es nun mal.

Packshot zu Last Bullet - Showdown der AuftragskillerLast Bullet - Showdown der Auftragskiller kaufen: ab 8,81€

Sollen die Unsympathen sich doch abknallen

Das größte Problem von „Last Bullet“ ist nicht, dass die etwa sechs Millionen Dollar teure Produktion, die in Bukarest gedreht wurde, vergleichsweise schäbig aussieht, sondern dass einem alle Figuren am Allerwertesten vorbeigehen.

Das liegt daran, dass keiner von ihnen Sympathiewerte besitzt. Zwar versucht das Drehbuch Ray zur Identifikationsfigur zu machen, scheitert dabei jedoch grandios. Zu seiner Vermenschlichung fiel den Autoren nichts Besseres ein, als ihn sich um eine Frau kümmern zu lassen, deren Vater er vor Jahren ermordet hat.

Soll ihn wohl sympathisch machen, ändert aber nichts daran, dass er ein eiskalter Killer ist. Dabei ist er noch der netteste im Figurenkader dieses Films. Wer von den russischen Mafiafamilien ins Gras beißt, ist völlig irrelevant, handelt es sich doch samt und sonders um widerliche Subjekte.

Lundgrens Figur wird wiederum als Antagonist eingeführt, folgt dann aber natürlich doch dem eigenen Ehrenkodex. Aber auch das hilft genauso wie bei Ray kein Stück, metzelt er sich hier doch auch reihenweise durch seine Opfer. Das bringt zwar nette Actionsequenzen mit sich, hilft aber nicht, die Figur auch nur ein Jota angenehmer erscheinen zu lassen.

Last Bullet - Showdown der Auftragskiller - Alle Killer sind schon da... Dolph Lundgren gegen einen Oscar-Preisträger

alle Bilderstrecken
Gehalten hat er sich. Wenigstens was.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 7/91/9

Wenn er stirbt, dann stirbt er eben

Das Einzige, was an „Last Bullet“ originell ist, ist Lundgrens Kluft. Der läuft nämlich mit Hawaiihemd und Fedora-Hut herum und sieht eher wie ein dümmlicher Tourist denn wie ein beinharter Auftragskiller aus. Daraus kann der Film ein klein wenig Amüsement beziehen, etwa wenn der Wolf seinen ersten Auftritt hat und natürlich von allen unterschätzt wird.

Im englischen Original darf Lundgren mal wieder mit russischem Akzent sprechen und erinnert so an seine Paraderolle des Boxers Ivan Drago in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“. Leider erinnert er damit aber auch daran, dass der Schwede gut ein Vierteljahrhundert später schon in recht günstigen B-Filmen mitspielen muss.

Filme wie „Last Bullet“ sind im Grunde noch immer das, was in den 80er-Jahren im Actionkino groß war, nur dass die Umsetzung mittlerweile deutlich kleiner ausfällt. Irgendwie ist aber auch irritierend, dass die Helden von einst, die wieder und wieder dieselbe Rolle spielen, mittlerweile ganz schön alt geworden sind.