„Knock Knock“ ist das Paradebeispiel für einen Film, der zwar durchgängig unterhaltsam ist, dem man deswegen sogar seine narrativen und figurenbezogenen Schwächen nachsieht, der dann aber mit einem solch unbefriedigenden und albernen Ende daherkommt, dass aller gute Wille mit dem Dampfhammer zerlegt wird.

Knock Knock - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Was bleibt, wenn der Nachspann läuft, ist die Erkenntnis, dass Eli Roth schon verdammt lange keinen guten Film mehr gemacht hat. Und das Keanu Reeves bei seiner Rollenwahl auch nicht gänzlich geschmackssicher ist.

Evan (Keanu Reeves) ist Architekt, der das ganze Wochenende über arbeiten muss. Seine Frau fährt mit den Kindern in den Kurzurlaub, während er bis spät in die Nacht tüftelt. Dann klopft es an der Tür. Evan öffnet sie und sieht die jungen Frauen Genesis und Bel, die sich verirrt haben und gerne seinen Computer benutzen würden.

Knock Knock - Sexy Psychospiele mit Keanu Reeves

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Der Film erscheint am 10.12.2015 in den deutschen Kinos.
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Hilfsbereit, wie Evan ist, lässt er die beiden vom Regen durchnässten Frauen herein und ruft ihnen ein Taxi. 45 Minuten dauert es, bis es kommt. In der Zeit machen sich die zwei Frauen an ihn heran. Evan erwehrt sich der Annäherungsversuche, erliegt aber dann doch den Reizen des dynamischen Duos. Doch, dass er mit ihnen schläft, muss er teuer bezahlen, denn am nächsten Tag zeigen die zwei Damen ihre wahren Gesichter – und für Evan beginnt ein Kampf ums Überleben.

Ein Remake

Der Film basiert lose auf „Tödliche Spiele“, in dem 1977 Sondra Locke und Colleen Camp die Hauptrollen spielten. Beide produzierten nun diesen in Chile gedrehten Film, was auch erklärt, wieso fast nur spanische Akzente zu hören sind. Es mag in Los Angeles viele Einwanderer geben, überzeugend wirkt die Besetzung aber nicht, wenn Keanu Reeves fast der Einzige ist, der akzentfreies Englisch spricht.

Packshot zu Knock KnockKnock Knock

Aber egal, daran muss man sich nicht stören. Schließlich gibt es reichlich anderes, was an diesem Film übel aufstößt – und das sogar noch lange vor dem Ende.

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Ein Remake, das man sich hätte sparen können.
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„Knock Knock“ krankt vor allem daran, dass Keanu Reeves‘ Figur nicht sehr überzeugend gestaltet ist. Dabei fängt alles so gut an. Als die zwei Frauen in seinem Haus warten und die Gespräche immer stärker sexuell aufgeladen werden, ist es schön gemacht, wie Evan wieder und wieder versucht, Abstand zwischen sich und die Frauen zu bringen. Man sieht, wie er sich ihrer Avancen erwehrt – das ist schauspielerisch, inszenatorisch und narrativ gut gemacht.

Aber dann entgleist das Ganze, denn als Eli Roth den Marschbefehl für seine Version von „Funny Games“ gibt, wird die Logik brachial über Bord geworfen. Fast jede Handlung von Evan ist unglaubwürdig oder schlichtweg dumm. Die Kämpfe zwischen ihm und den Frauen entbehren nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Wieso? Weil Keanu „Neo“ Reeves von einer Gabel, die in seiner Schulter steckt, kampfunfähig gemacht wird!

Fängt gut an, lässt stark nach und endet ganz, ganz mies.Fazit lesen

Alle Männer sind Schweine

Die Grundaussage ist so simpel wie plakativ. Egal, wie die familiären Umstände auch sind, wenn man mit ein paar Brüsten vor einem Mann wedelt, dann wird der schwach. Das ist so undifferenziert wie dumm – und wird noch nicht mal von der Geschichte dieses Films getragen. Es gibt sogar die wirklich gute Szene, in der Keanu Reeves gefesselt an einen Stuhl sich den Ärger von der Seele schreit, denn immerhin ist seine Figur nach allen Regeln der Kunst verführt worden.

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Wer kann da schon widerstehen? Keanu Reeves hat es zumindest versucht.
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Das ist in etwa so wie ein Polizist, der jemanden zum Diebstahl anstiftet und danach verhaftet. Darum funktioniert auch das selbstgerechte Gehabe – inmitten eines Anfalls puren Wahnsinns nach dem anderen – der beiden weiblichen Protagonisten nicht. Aber das ist längst nicht alles.

Das Ende möchte dann besonders kreativ sein, ist jedoch in extremer Weise antiklimatisch, weil der mutmaßliche Plan der Terror-Frauen nicht im Mindesten aufgehen kann. Dafür haben sie mit reichlich Beweisen selbst gesorgt. Es ist dieser Moment, in dem der ganze Film implodiert. Was zuvor noch als dümmlich-alberne Unterhaltung funktioniert hat, verliert den Boden unter den Füßen – weil das Finale alles auf den Kopf stellt, aber nicht darauf achtet, ob das mit dem Vorhergekommenen noch harmoniert.