„Hütet euch, wackere Krieger, vor einem Film, der so viel sein will, aber nur so wenig ist.“ Obwohl schon im Jahr 2010 gedreht, hat es nun doch fast vier Jahre gedauert, bis man Joe Lynchs „Knights of Badassdom“ sehen kann. Eine deutsche Veröffentlichung ist noch nicht angekündigt, das sollte aber nur eine Frage der Zeit sein. Im englischen Original kann man den Film sehen, womit sich nun auch die Frage beantworten lässt, ob fast vier Jahre des Wartens überhaupt gelohnt haben. Das lässt sich mit einem ganz klaren „Naja“ beantworten.

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„Knights of Badassdom“ ist schon halbwegs amüsant, aber das in rauen Mengen vorhandene Potenzial kann er nicht abrufen. Allerdings bleibt offen, ob die nun vorliegende Fassung auch die bevorzugte von Regisseur Joe Lynch ist.

Der wurde 2011 von dem Film entfernt, während die Nachproduktion und den Schnitt ein Produzent übernommen hat. 2013 hieß es dann, man wollte eine 70-Minuten-Fassung veröffentlichen, nun ist es aber doch immerhin ein gut 90-minütiger Film geworden. Das Geld für die Nachproduktion, das anfangs noch fehlte, wurde wohl gefunden, so dass man mehr als nur den 70-Minuten-Rumpf präsentieren konnte.

LARPer gegen das Böse

Joes (Ryan Kwanten) Freundin hat sich von ihm getrennt, weswegen seine beiden Kumpels Eric (Steve Zahn) und Hung (Peter Dinklage) ihn abfüllen, in ein Kostüm stecken und mit zum großen Live-Rollenspiel nehmen, das im Wald abgehalten wird. Eigentlich hat Joe keine Lust drauf, lässt sich aber breitschlagen, da zu seiner Gruppe immerhin auch die attraktive Gwen (Summer Glau) gehört, deren Cousin Gunther (Tom Hopper) „in game“ ist und niemals die Spielrealität verlässt.

Eric hantiert mit einem uralten Buch, das er im Internet erworben hat. Damit beschwört er nur dummerweise einen Sukkubus herauf, der sich daran macht, einigen LARPern den Garaus zu machen. Auch Joe verliert Freunde, weswegen er die anderen animiert, nicht zu fliehen, sondern im wahren Leben dem nachzueifern, was sie sonst immer nur spielen: Als heldenhafte Krieger stellen sie sich dem Dämon.

Knights Of Badassdom - Ist dieser Film der Heilige Gral aller Geeks?

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Der Film hat durchaus seine witzigen Momente, aber...
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Schon recht enttäuschend

Die Idee, die hinter „Knights of Badassdom“ steht, ist das eigentlich Interessante an diesem Film. Über die Jahre hinweg hat man einiges gehört und natürlich auch Vorstellungen entwickelt, wie dieser Film sein sollte. Das Problem mag nun eine überhöhte Erwartungshaltung sein, letzten Endes ist es aber tatsächlich auch so, dass Joe Lynchs Film nicht so recht weiß, was er eigentlich will.

Packshot zu Knights Of BadassdomKnights Of Badassdom

Er soll als Horrorkomödie vermarktet werden, aber witzig ist er eigentlich nicht. Hier und da mag man mal schmunzeln, mehr ist aber nicht geboten. Dabei hätten einige Szenen durchaus das Potenzial gehabt, sie so zu trimmen, dass ein paar Gags zünden. Stattdessen nimmt sich „Knights of Badassdom“ so ernst, dass man mehr als einmal das Gefühl hat, dem Film wäre es vielleicht besser bekommen, wenn der ganze übernatürliche Mumpitz rausgeflogen wäre. Das Konzept hätte sehr viel simpler sein können: Ein Killer, der das LARPen etwas zu ernst nimmt.

Vor allem hätte die Konzentration aber auf dem LARP liegen müssen. Weil das der Aspekt des Films ist, wo das Comedy-Gold wirklich enthalten ist. Stattdessen gerät „Knights of Badassdom“ immer mehr zu einem x-beliebigen B-Horrorfilm, der noch dazu das Problem hat, dass das Man-in-Suit-Monster ziemlich mager aussieht. Das gilt für die Effekte aber generell, alle CGI-Einlagen sind ausgesprochen günstig umgesetzt. Da wäre es dem Film noch besser bekommen, die Splattereinlagen handgemacht umzusetzen.

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...profitiert auch sehr von der Präsenz der wunderbaren Summer Gall
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Die Tragik verschenkten Potenzials

Angesichts des namhaften Ensembles und der Prämisse hätte „Knights of Badassdom“ eigentlich der Stoff sein müssen, aus dem Kultfilme gemacht sind. Das ist der Film, den jeder, der auch nur ein Jota Geektum im Leib hat, eigentlich lieben will. Darum ist es umso bedauerlicher, dass der Film nicht dem gerecht wird, was er sein könnte.

Hütet euch, wackere Krieger, vor einem Film, der so viel sein will, aber nur so wenig ist.Fazit lesen

Einige Passagen funktionieren dabei deutlich besser als andere, im Gros ist der Film jedoch zu unausgewogen und setzt seine Akzente vollständig falsch. Da hilft es dann auch nicht mehr, wenn sich Summer Glau als wahrgewordener Geek-Traum präsentiert oder die eine oder andere Szene mit ihrer Metafiktion für ein bisschen Stimmung sorgen kann.

Aus heutiger Sicht ist darüber hinaus bemerkenswert, dass der größte Star dieses Films schon zur Hälfte aus dem Spiel genommen wird. Und dies nur, weil er im Jahr darauf mit einer Erfolgsserie durchstartete, deren Fans durchaus auch an diesem Film interessiert sein könnten.