Manchmal wundert man sich, dass sich deutsche Verleiher überhaupt die Mühe machen, einen Film ins Kino zu bringen. Nicht weil er besonders schlecht wäre, einfach weil er in seiner Heimat untergegangen ist wie ein Stein. „Kiss the Coach“ war einer von zwei Gerard-Butler-Flops im Jahr 2012.

Er spielte nicht einmal ein Drittel seiner Produktionskosten ein. Dennoch hofft der deutsche Verleih, dass der Kinoeinsatz sich lohnt. Vielleicht hätte man aus „Mavericks“ lernen sollen, der startete unter ähnlichen Voraussetzungen und schlug seinem Thema zum Trotz keine Wellen.

„Kiss the Coach“ – das ist ein Titel, der auf eine knallhart kitschige romantische Komödie schließen lässt. Zum Teil ist er das auch, aber der Film ist so gestaltet, dass er einerseits aus den Konventionen des Genres ausbricht, andererseits auch Männer anspricht.

Immerhin geht es um Sport, um Fußball noch dazu. Das mag man hierzulande mehr als in den USA, dementsprechend sollte es Freundinnen leichter fallen, ihre fußballbegeisterten Freunde ins Kino zu lotsen.

George Dryer (Gerard Butler) war mal ein erfolgreicher Fußballspieler. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Heute ist er geschieden, immer noch nicht richtig erwachsen und versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Das ist leichter gesagt als getan, denn finanzielle Probleme machen ihm auch zu schaffen.

Kiss the Coach - Gerard Butler vor, noch ein Tor

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Die Hauptdarsteller funktionieren halbwegs, aber der Film ist nach Formel gemacht.
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Er hofft auf einen Job als Sportmoderator im Fernsehen. Stattdessen arbeitet er jedoch ehrenamtlich als Coach der Fußballmannschaft seines Sohns. Während er immer noch seiner Frau nachtrauert, die längst eine neue Beziehung hat, muss er sich der Avancen einiger geschiedener Frauen erwehren, deren Kinder er trainiert. Dabei will er nur seine Ex Stacy (Jessica Biel) zurückgewinnen …

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Eventuell hätte es dem Film in den USA geholfen, wenn eine dort beliebtere Sportart gewählt worden wäre. All dem Fußballgerede zum Trotz geht es aber natürlich in erster Linie nicht darum. Fußball bildet jedoch einen guten Hintergrund, auch und besonders, weil man Butler, einem Fußballfan mit besonderer Vorliebe für die Celtics, ansieht, dass es ihm Spaß macht, einen Ex-Spieler darzustellen. Tatsächlich lebt der Film fast ausschließlich vom immensen Charme des Hauptdarstellers.

Streng nach Formel

Ihm ist es auch zu verdanken, dass der Film einen durchschnittlichen Unterhaltungswert nie unterschreitet. Er ist bei weitem kein großer Film, auch kein sehr guter Film, aber wirklich Schlechtes lässt sich darüber auch nicht sagen, wenn man davon absieht, die Formelhaftigkeit, die mit dem Subgenre einhergeht, als Makel anzuführen.

Unspektakuläre Mixtur aus Komödie und Drama, die man besser zu Hause als im Kino sieht.Fazit lesen

Wenn überhaupt, dann muss man attestieren, dass man von dem Italiener Gabriele Muccino mehr erwartet. „Kiss the Coach“ fühlt sich an wie die gezuckerte Version seines „Das Streben nach Glück“. Das echte Drama dieses Films kann er jedoch in „Kiss the Coach“ nicht hinüberretten, er verliert sich im ganz und gar mediokren Skript von Autor Robbie Fox. Umso kurioser, da der Film eigentlich nur wenige Gags hat und tatsächlich mehr die Dramaschiene bedienen will.

Fehlende Chemie

Ein Problem des Films ist, dass zwischen Gerard Butler und Jessica Biel keine Chemie vorhanden ist. Man fühlt nie, dass er sie unbedingt zurück will, und das gilt umso mehr, da in Butlers Zusammenspiel mit Judy Greer und Catherine Zeta-Jones weit mehr Funken sprühen. Man ertappt sich dabei, dass man sich eigentlich wünscht, die emotionale Reise der Hauptfigur würde nicht den geraden, sondern einen Umweg nehmen. Aber das erlaubt die etablierte Formel nicht.

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Catherine Zeta-Jones hingegen macht eine bessere Figur.
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Namhafte Besetzung

Für einen Film dieses Genres ist „Kiss the Coach“ erstaunlich gut besetzt. Neben Butler und Biel in den Hauptrollen gibt es auch in den Nebenrollen bekannte Gesichter zu sehen. Die Rollen sind nicht besonders gut ausgebaut, aber die Schauspieler holen das maximal Mögliche aus der Vorlage heraus.

Aber das ist bei Mimen wie Dennis Quaid, Uma Thurman, Catherine Zeta-Jones und Judy Greer auch zu erwarten. Sie alle helfen, dass der Film nach dem Baukastenprinzip Schlaglöcher umfährt und sauber ins Ziel kommt. Aber natürlich war allen Beteiligten klar, dass hier keine große Kunst, sondern im besten Fall passable Unterhaltung erschaffen wird.