Eine Kinokette will ab 2018 ein neues Bezahlmodell ausprobieren, bei dem Film-Flops günstiger und Hits teurer werden.

Kino News - Kinokette testet neues Bezahlmodell: Hits werden teurer, Flops günstiger

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Ob ein Flop wie Josh Tranks Fantastic Four von diesem Bezahlmodell profitiert hätte?
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Man kennt die Situation: Ein Film fällt eventuell in die Kategorie "Würde mich interessieren, muss ich aber nicht im Kino schauen" oder die Kritiken sind so schlecht, dass man zögert und lieber auf die Heimkinoauswertung bzw. eine Auswertung über Streaming-Dienste wartet. Die Folge eines solchen Denkmusters beim potenziellen Kinopublikum: Der Film spielt weniger an den Kinokassen ein als er könnte oder wird sogar zum Flop. Das ist schlecht für das Studio und schlecht für das Kino.

Wie könnte man dieses Publikum doch noch mitnehmen? Indem man mit Preisnachlass lockt. Das zumindest ist der Plan einer großen US-Kinokette, die ein Nachfrage-basiertes Bezahlmodell testen will. Die Kinokette der Regal Entertainment Group ist die zweitstärkste in den USA. Von daher ist dieser Vorstoß ein enorm wichtiger. Schon Anfang kommenden Jahres will das Unternehmen gemeinsam mit dem App-Entwickler Atom Tickets einen Testlauf starten.

Während bei Flops und weniger besuchten Filmen und eventuell auch zu besucherschwachen Zeiten ein Preisnachlass lockt, soll das Publikum bei enorm erfolgreichen Filmen wie den Marvel- und Star-Wars-Streifen stärker zur Kasse gebeten werden. Hier spekuliert man also darauf, dass der Wunsch, den Film sofort und im Kino zu sehen, überwiegt und ein Besucher, der eventuell ohnehin kaum ins Kino geht, darüber hinwegsieht.

Als aktuelles Beispiel sei an dieser Stelle etwa Geostorm genannt. Der Katastrophenfilm (in jeglicher Hinsicht) von Dean Devlin könnte so vielleicht für 5 bis 7 Euro geschaut werden, während bei Thor: Ragnarok zwischen 16 und 18 Euro Eintritt verlangt wird, Aufschläge wegen Überlänge oder Logenplätzen nicht einberechnet.

Veraltete Bezahlstrukturen aufbrechen

"Änderungen am historischen Bezahlsystem wurden immer wieder diskutiert, aber kaum getestet in unserer Branche", so Amy Miles, CEO des Kino-Unternehmens. Es ist ohnehin höchste Zeit, den immer teurer werdenden Preisen entgegenzutreten. Denn während der Kinobesuch an sich immer mehr zu einem Luxus wird, den man sich nur noch selten zu gönnen vermag, boomt der Streaming-Markt. Die Leute bleiben einfach zuhause und schauen sich über Netflix und Co satt.

Die Entscheidung dazu entstand aus der Not heraus: Die Regal Entertainment Group hat die Woche ihre Zahlen offenbart und einen Umsatz von 716 Millionen Dollar vorgelegt - 12 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. "Wenn wir die Besucher dazu bewegen können, nur einmal mehr im Jahr ins Kino zu gehen, könnte ein Ruck durch die Kinolandschaft gehen", hofft Matthew Bakal, Mitbegründer und Vorsitzender von Atom Tickets.

Damit ein echter Ruck durch die Industrie geht, müssten allerdings alle Kinobetreiber mitziehen. Denn so besteht schließlich die Gefahr, dass sich Kinobesucher bei garantierten Hitfilmen einfach für die Konkurrenz entscheiden, wo der Film dann günstiger gezeigt wird.

Was meint ihr? Wäre das ein Modell, das auch in Deutschland auf Anklang stoßen könnte?