Manche Comic-Verfilmungen sind so weit abseits der Vorlage, dass der altgediente Fan rotiert und wie ein Kreisel, mit puterroten Kopf, gen Himmel aufsteigt. Der gemeine Kinogänger versteht den Rummel nicht und meidet den Kinosaal, der Film wird ein Flop und die Studiobosse geben irgendwem die Schuld, nur nicht sich selbst. Das Gleiche kann aber auch passieren, wenn man sich zu sehr an das Original hält und damit die breite Masse verschreckt. Was also tun? Kopf in Sand und Erde drauf?

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Nein!

Ganz und gar nicht. Der Trick ist es, die wichtigsten Elemente und Gesetze der Vorlage zu nehmen und mit dem Flair von Hollywood zu verbinden. Alte Fans und durchschnittliche Kinobesucher müssen gleichermaßen befriedigt werden. Einige wenige werden dann immer noch in Wutanfällen über dies und das ausbrechen, aber es allen Recht zu machen ist, wie mit einem Gummihammer auf eine solide Ziegelmauer einzuschlagen, um die andere Seite zu erreichen. Ein unsinniges und vor allen unmögliches Unterfangen.

Ein Film hat geschafft, was vielen anderen nicht gelungen ist. „Kingsman – The Secret Service“ hat sich einer Welt und ihrer Figuren bedient und mehr daraus gemacht, als viele für möglich gehalten hätten. Die besten Elemente des Comics nehmen, alles was mies war (Ich meine, wer heißt denn bitte Jack London?!) oder nicht fürs Kino geeignet abändern und mit eigenen Ideen spicken, bei denen Kenner der Vorlage mit einem Nicken sagen können: „Ja, dass könnte so auch im Comic stehen (Tut´s aber nicht!).“.

Kingsman: The Secret Service - Weil Comicverfilmungen manchmal gar nicht originalgetreu sein dürfen!

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Eggsy will ein Kingsman werden. Dafür fehlt der Anzug.
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Ein junger Agent

Die Geschichte des Kinofilms dreht sich um den jungen Rebell Eggsy (Taron Egerton), der von dem britischen Geheimagenten Harry Hart (Colin Firth) die Möglichkeit bekommt, ein Kingsman zu werden. Ein Agent im Dienste ihrer Majestät, wie es bereits Eggsys Vater war. Der Ablauf folgt einigermaßen den gängigen ersten Teilen von Actionfilm-Reihen.

Der junge Mann wird vorgestellt, der alte Mann begegnet ihm und gibt ihm die Chance sich zu ändern, danach kommt die Ausbildung mit verschiedenen Abschnitten, der dramaturgische Höhepunkt und schließlich der Endkampf in der Basis des größenwahnsinnigen Irren, der die ganze Welt vernichten will (dieses Mal sogar mit Grund). In der ganzen Zeit muss der Junge das werden, was schon immer in ihm steckte. Bis hier nicht sonderlich aufregend.

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Der Film läuft bei uns am 12.03.2015 in den Kinos an.
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Abgedreht und Spaß dabei

Auch wenn das Grundgerüst des Films nicht sonderlich einfallsreich anmutet, so ist die Fassade und das Baumaterial jedoch von oberster Güte. Rasante Action, guter Humor, der zwischen recht albern und britisch schwarz wechselt und coole Kampfeinlagen machen diesen Film rasanter, witziger und interessanter, als die meisten Agentenfilme der letzten zehn Jahre.

Rasant. Lustig. Mit eigenen, guten Ideen. Was will man mehr?!Fazit lesen

Auf eine klare Trennlinie zwischen gut und böse wird natürlich auch hier gesetzt, wobei den Part des Verbrechergenies hier Samuel L. Jackson übernimmt, der lispelnd und leicht trottelig trotzdem eine tolle Leistung abliefert und sich in keine rechte Form quetschen lässt. Was übrigens auch für den Film gilt. Denn trotz der eben angesprochenen Linie und obwohl einige Figuren scheinbar direkt in eine Schublade gesteckt und ordentlich durchgeschüttelt wurden, entzieht sich „Kingsman“ doch vielen Vorurteilen und Erwartungen.

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Eine der besten und abgedrehtesten Szenen seit Jahren: Colin Firths Kampf in der Kirche.
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Der ganze Streifen nimmt sich selbst und seine Figuren nur halb ernst. Genug, um in tragischen und actionreichen Szenen nicht ins Lächerliche zu driften, aber doch so wenig, dass genug Platz für Selbstironie und Albernheiten bleibt, die die Stimmung immer wieder auflockern.

Trotz allerlei Logikfehlern verliert der Film fast nie an Fahrt. Coole Kampfszenen folgen auf rasante Wortduelle, auf interessante Storywendungen und lustigen Einlagen. Dadurch vergeht der Film viel schneller, als man bewusst merkt und lässt dem Zuschauer kaum Zeit, sich zu langweilen oder zu sehr über den Plot nachzudenken.

Das große Finale leidet jedoch stark darunter, dass kurz vor dem letzten Viertel des Films eine der eindrucksvollsten, coolsten und vor allen Dingen abgedrehtesten Kampfszenen in der Geschichte des Films dargeboten wird. Der Rest ist zwar immer noch actionreich und sehr gut gemacht, steht jedoch im Schatten von Colin Firths Amoklauf in einer Kirche...