Nach Final Fantasy XIII schwor ich mir, nie wieder einen Teil der FF-Serie vorzubestellen, den ich nicht zuvor anspielen konnte, um mir im Vorfeld selbst eine Meinung dazu bilden zu können. Der 15. Teil der Reihe hatte zwar eine spielbare Demo, aber das ist nicht der Grund, warum ich mich selbst hintergangen habe. Die Trailer haben völlig ausgereicht, um meine Willenskraft zu brechen. Meine Selbstvorwürfe – erneut so blindlings ins Fanboylager zu wechseln – endeten, nachdem ich Kingsglaive: Final Fantasy XV gesichtet habe. Jetzt verstehe ich mein Handeln …

Kingsglaive: Final Fantasy XV - Japanischer TrailerEin weiteres Video

Für Werbezwecke verdreht

Square Enix hat 2001 mit "Die Mächte in dir" eine harte Lektion gelernt. Die Welten und Hintergrundgeschichten von Spiel zu Spiel zu ändern, hat einen großen Reiz. Diese in einer Verfilmung zu ignorieren und hier abermals neue Kost auf den Tisch zu stellen, kann jedoch zu großer Unzufriedenheit führen. Ohne Bezug zu einem Universum, das wir liebgewonnen haben, werden lauwarme Erzählkunst und Ungereimtheiten vom Fan nicht ignoriert, sondern gnadenlos attackiert.

Man hat aus seinen Fehlern gelernt und wenn heute Final Fantasy im Titel steht, dann bekommen wir etwas, auf das wir bereits fixiert sind; eine sichere Einnahmequelle, sofern man die Produktionskosten im Auge behält. Aber warum den Spieß nicht umdrehen? Warum nicht einen Film zu einem Titel umsetzen, der noch gar nicht auf dem Markt ist? Werbung quasi, die Geld in die Kassen spült, statt nur welches zu verbrennen. Nichts anderes ist mit dieser Produktion getan worden. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Das Ergebnis ist nämlich äußerst sehenswert.

Kingsglaive: Final Fantasy XV - Die beste Zwischensequenz des Jahres

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Kingsglaive spielt während der Ereignisse von Final Fantasy XV und soll der Welt mehr Tiefe verleihen.
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Kingsglaive zeigt uns die Ereignisse, die die Handlung des Videospiels einleiten und stellt die wichtigsten Eckpfeiler dieser Welt vor. Zwei Königreiche in einem immerwährenden Krieg. Magie und Technologie treffen aufeinander, Menschen leiden, Gut und Böse beziehen Position. Es folgt ein greifbarer Frieden, überschattet von einem finsteren Plan. Typisch Final Fantasy also. Leidende Helden, zwielichtige Figuren und abgrundtief böse Antagonisten. So weit, so gut.

Zu lang? Zu kurz? Käsekuchen?

Dieser Film leidet jedoch nicht darunter, dass er das bietet, was man im Grunde schon erwartet hat, sondern dass er eine enorm komplexe Welt einführt, aber unterm Strich nur eine Einleitung für das Spiel darstellt. Was wir also bekommen, ist auf der einen Seite viel zu kurz, weil so viel Geschichte nicht in so "knapper" Zeit abgefrühstückt werden kann. Und auf der anderen geht er mit fast zwei Stunden auch viel zu lang, weil ohne echten Bezug zu dem, was da noch kommen mag, zu viele Passagen uninteressant sind. Es entstehen unangenehme Längen in der Erzählung und gleichzeitig werden einige Szenen viel zu schnell verarbeitet.

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Ein Paradoxon. Das aber nicht unbedingt wehtun muss. Denn im Grunde ist Kingsglaive: Final Fantasy XV unterhaltsames Popcornkino und ein durchaus gut gemachter Fantasyfilm. Vor allem biedert er sich vielen verschiedenen Gruppierungen der FF-Fangemeinschaft an, da er genau das liefert, was sich viele schon immer gewünscht haben – letzten Endes ist dies auch der Grund, warum ich mich jetzt noch mehr auf das Spiel freue als ohnehin schon. Das Ganze wirkt nämlich wie eine kleine Fusion aus Final Fantasy VI und Final Fantasy VII.

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Die Welt, Parteien, Technologie/Magie und einige Charaktere zeigen deutliche Parallelen zu diesen beiden Titeln. Charakterdesign und Ausarbeitung der einzelnen Persönlichkeiten lassen ebenfalls diesen Schluss zu. Keine Frage, dass Freunde der berühmten Videospielreihe sich hier sofort angesprochen fühlen, sind diese beiden Exemplare doch die beliebtesten Vertreter des Gesamtpakets.

Einfach nur wow

Ganz stark ist Kingsglaive: Final Fantasy XV ebenfalls im Bereich der Animation. Der Film sieht einfach fantastisch aus – auf entsprechenden Endgeräten hat man das Gefühl, einen der schönsten Animationsfilme dieser Tage vor sich zu haben. Vor allem die Hauptfiguren brillieren mit einem Design, dass fast jegliche Konkurrenz in den Schatten stellt. Details, Mimik, kleine Fältchen, ausgebeulte Hemdtaschen … Und die Welt raubt einem fast den Atem. Hier wurde sich nicht einfach nur viel Mühe gegeben. Hier wurde pingelig genau versucht, der Perfektion nahezukommen.

Popcornkino mit Bildgewalt. Als Film zu lang, als Vorgänger zu kurz, aber für Fans genau richtig.Fazit lesen

Doch wo immer saftiges Gras wächst, muss auch eine Kuh gekackt haben. In diesem Fall sind es zwei dicke Fladen, die dem pingeligen Zuschauer den Appetit verderben. Zum einen gilt die gerade hervorgehobene Qualität nicht für Nebenfiguren und vor allem nicht für alle Bewegungsanimationen. Erstere haben oft das Niveau eines 08/15-Rendertrailers von Spiel XY. Und wenn schnelle Actionsequenzen auf dem Plan stehen, sieht man das Limit des Budgets, das zur Verfügung stand.

Kingsglaive: Final Fantasy XV - Die beste Zwischensequenz des Jahres

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Die Animationsqualität ist, bis auf wenige Ausnahmen, über jeden Zweifel erhaben.
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Einige Szenen wirken abgehackt, fast stockend. Im nächsten Moment sind sie viel zu schnell und an einigen Stellen haben es die Animationskünstler ganz aufgegeben und zeigen überhaupt nicht was passiert, sondern wechseln schnell zu einem anderen Bild. Das reißt enorm aus dem Fluss heraus und sieht auch nicht gut aus. Bei einem Film, der generell nicht der schönste Vogel im Käfig ist, wäre das vielleicht gar nicht weiter aufgefallen. Bei einem Kunstwerk wie Kingsglaive sticht es jedoch hervor wie eine Nadel im Auge.

Und zu guter Letzt: Schaut euch den Film bitte, bitte im Original an. Die deutsche Synchronisation ist zwar nicht unbedingt miserabel aber … doch. Doch, das ist sie. Bei den meisten Figuren auf dem Level von "lustlos und unmotiviert" und bei Nebencharakteren im Bereich von thailändischen Kung-Fu-Filmen. Die englische Version ist um Längen besser als das, was Synchronisationskönig Deutschland hier zu bieten hat. Ich will es nicht als unterirdisch bezeichnen, aber noch etwas tiefer und wir wären im Keller …