Gegenüber den beiden radikal infantilen letzten Filmen mit Adam Sandler schlägt „Kindsköpfe 2“ vergleichsweise gemäßigte Töne an. Das macht ihn aber keinesfalls weniger schön, der Verzicht auf allzu schamlose Derbheiten ist eigentlich nicht der Rede wert. Die Fortsetzung vollzieht, was sich in den jüngsten Sandler-Produktionen bereits andeutete: Den Exzess des Sinnlosen so zu begehen, dass nicht einmal mehr versucht werden muss, dabei irgendwelche Konventionen zu wahren.

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Ein Tag im Leben der Kindsköpfe

Wie in den Kritiken zu Jack & Jill und Der Chaos-Dad beschrieben, ist im Kino von Adam Sandler eine schrittweise Entwicklung zum nur noch ultimativen Quatsch zu beobachten. Ein Quatsch, der selbst Freunden seines ja schon immer recht eigenwilligen Kinos mitunter unbegreiflich erscheint. Zumindest hat sich das Gros des zahlenden Publikums zuletzt von ihm verabschiedet: „Der Chaos-Dad“ spielte in den USA nicht einmal die Hälfte seiner Kosten ein.

Kindsköpfe 2 - Unsinn mit Methode: Was Sie schon immer über pinkelnde Hirsche wissen wollten...

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Die Kindsköpfe stellen sich verpeilten College-Studenten – anschließend ist unfreiwilliges Nacktbaden angesagt.
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Als erstes Sequel in Sandlers Karriere ist „Kindsköpfe 2“ offenkundig der Versuch, mit einem zumindest im Vorgänger bewährten Erfolgsrezept wieder an die einstige kommerzielle Zugkraft anzuknüpfen. Gemeinsam mit Stammregisseur Dennis Dugan sowie der bis auf Rob Schneider vollständig wiedervereinten Besetzung des ersten Films wird sich entscheiden, ob der mit 80 Millionen US-Dollar Produktionskosten finanziell äußerst großzügig veranschlagte Humor aus der Happy-Madison-Schmiede noch einigermaßen wirtschaftlich sein kann.

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Die breite Filmkritik weiß mit Adam Sandler hingegen längst nichts mehr anzufangen, zu absonderlich, kurios, wohl auch primitiv mutet der nunmehr endgültig verselbständigte Ulk seiner Truppe an. „Kindsköpfe 2“ endet, wie auch zuvor „Der Chaos-Dad“, mit Feierlichkeiten im heimischen Vorgarten, und das trifft konsequent den Kern der neueren Sandler-Filme: Sie wirken wie Privatveranstaltungen, deren ausgelassener Blödsinn zuallererst sich selbst – und dann, ganz vielleicht, auch das Publikum bespaßen soll.

Da ist es dann eigentlich nur logisch, dass der Film keinerlei Struktur mehr vorzutäuschen braucht. Zwar lösten sich auch die beiden letzten Sandler-Komödien schon von der Vorstellung, ein Film könne nur über seine Handlung erzählt werden, doch ihr hemmungsloser Quatsch wurde durchaus noch von bestimmten „Ereignissen“ im Plot gerahmt. „Kindsköpfe 2“ verzichtet nun komplett auf eine Story, auf eine bloße Geschichte, die es mithilfe irgendwelcher Gags voranzubringen gilt.

Ein wunderbar debiler, aber auch sehr warmherziger Unsinn, der für viele gegenwärtige US-Komödien Vorbild sein sollte.Fazit lesen

Anders als im Vorgänger, der die Kind gebliebenen Ehemänner und Väter mitsamt ihrer Familien noch in einen abenteuerlichen Wochenendausflug an den See beförderte, bildet die Fortsetzung ganz profan lediglich deren Alltag ab. Dieser mag vor absurden Zwischenfällen strotzen, wirkt sonst aber eigentlich recht gewöhnlich. Ein schlichter Ausschnitt aus dem Leben der Kindsköpfe, die morgens mit der Familie frühstücken und abends bei einem Bier zusammensitzen – und zwischendurch eben ein bisschen rumblödeln.

Diese Kinder!

Der Rückzug ins Rudimentäre ermöglicht dem Film eine faszinierende Gelassenheit. Statt einer mit Witzen angehäuften Handlung wird der Unsinn selbst zum Plot. Adam Sandler erwacht gleich in der ersten Szene mit Salma Hayek im Ehebett, neben dem aus unerfindlichen Gründen ein Hirsch steht und ihm ins Gesicht pinkelt. Der Hirsch spielt während des gesamten Films keine Rolle mehr, ehe er im Finale erneut auftaucht, um „Twilight“-Schnuckelchen Taylor Lautner zu kastrieren.

Andere Situationen und Verhaltensweisen erscheinen ähnlich unplausibel bzw. herrlich idiotisch. David Spade bekommt Besuch von seinem unehelichen Sohn, der als Figur ein Kuriosum bleibt und eigentlich nichts zu tun hat, aber trotzdem immer wieder ganze Szenen für sich vereinnahmt. Chris Rock ärgert eine alte Frau, die auf ihren Kabelanschluss wartet, ohne dass das irgendeine Relevanz für das Geschehen hätte (außer eben, dass es schön absurd ist). Und Kevin James verzweifelt unentwegt an seinem grenzdebilen Sohn.

Überhaupt: Diese Kinder! Wurde der Spaß im ersten „Kindsköpfe“ noch gelegentlich durch leicht spießige Familiensülze und einem eher verklemmten Umgang mit dem Abseitigen vereitelt, richtet sich in der Fortsetzung fast jeder Witz gegen die Sympathiefiguren und ihren Anhang selbst.

Die Kinder der verpeilten Taugenichtse sind übergewichtig, zurückgeblieben oder hyperaktiv. Sie laufen mit Leuchtstiefeln oder vollen Windeln umher, brechen sich wegen ihrer Väter die Knochen und werden von besagtem Hirsch unter der Dusche beim Masturbieren gestört.

Kindsköpfe 2 - Unsinn mit Methode: Was Sie schon immer über pinkelnde Hirsche wissen wollten...

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Taylor Lautner muss nach dem Ende von Twilight schauen, wo er unterkommt. Als beschränkter Bad Guy macht er eine ausgesprochen gute Figur.
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Das Klischee der schönen Frau, die in US-Komödien selbst den unansehnlichsten Nerds erliegen muss, wird ebenfalls zaghaft gebrochen. Salma Hayek, Maria Bello und Maya Rudolph stehen zwar hinter ihren Männern und Familien, schwärmen aber offensiv für einen schwulen Gymnastiklehrer (Oliver Hudson, Bruder von Kate und Sohn von Goldie Hawn). Dieser wiederum wird nicht für den üblichen homophoben Witz der US-Comedy zum Abschuss freigegeben, sondern erteilt schlussendlich sogar einem der Kindsköpfe eine Abfuhr.

Die rätselhafteste Figur aber wird von Nick Swardson gespielt, einem der langjährigen Sandler-Weggefährten und hier augenscheinlich Ersatz für Rob Schneider. Als zugedröhnter Schulbusfahrer manövriert er sich von einem unerklärlichen Nonsens zum nächsten. Mit dieser Figur wird das Groteske ganz und gar zur (innerfilmischen) Normalität, fast so wie einst bei Divine in den Filmen von John Waters. Und von deren großartigem Wahnsinn sind Sandlers letzte Komödien wahrlich nicht mehr weit entfernt.