Tarantino-Rip-offs haben keine Lobby, jeder greift da lieber zum Original. Die hohe Welle an zahllosen Nachzüglern ist bereits in den späten 90er-Jahren abgeebbt, bis auf ein paar Ausnahmen wie Guy Ritchie haben das auch eigentlich alle verstanden. Entsprechend aus der Zeit gefallen wirkt daher eine Gangsterkomödie wie „Kill Me Three Times“, die im Jahr 2015 einfach noch so tut, als sei „Reservoir Dogs“ der neueste Shit.

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Quell der Einfallslosigkeit

Bereits die Vorspannsequenz (Hauptsache Vintage) ist mit großen gelben Lettern, also vermeintlichen Tarantino-Insignien zugepflastert. Kurz darauf sehen wir Charlie Wolfe, der einen Namen nach Vorbild trägt, aber immerhin vom sichtlich gutgelaunten Simon Pegg gespielt wird. Charlie Wolfe ist Profikiller, unterwegs im australischen Outback und auf Menschenjagd. Er könne nicht glauben, dass er hier sterben werde, verrät sein Voice-Over.

Kill Me Three Times - Man stirbt nur dreimal - Simon Pegg als Profikiller in Down Under

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Verschmitzte Mörderlaune: Profikiller Charlie Wolfe (Simon Pegg).
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Plötzlich bremst der Oldsmobile Toronado. Charlie steigt – was sonst – in lässiger Pose aus dem Wagen, prüft das mobile Waffenarsenal, packt sich ein Snipergewehr. Der Kamerablick in den Kofferraum ist „Pulp Fiction“ pur, die auf der Tonspur eingespielten Surfrock-Klänge bemühen Dick Dale und Ennio Morricone. Zwei Minuten Laufzeit und schon ein Quell der Einfallslosigkeit.

So beginnen keine Tarantino-Filme, so beginnen allenfalls Filme von Menschen, die zu viele Tarantino-Filme gesehen haben. Charlie Wolfe erledigt den Job, erhält noch währenddessen einen Anruf zum nächsten Auftrag. Der Brite soll eine Frau (Alice Braga) töten, deren eifersüchtiger Ehemann (Callan Mulvey) nicht verkraftet, dass sie mit einem Tankwart fremdgeht (Auftritt Luke Hemsworth, schon wieder ein Bruder von Chris).

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Die Rechnung ging nicht auf: ein Zahnarzt (Sullivan Stapleton) in Schwierigkeiten.
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Problem an der Sache: Auf die Frau haben es auch ein Zahnarzt (Sullivan Stapleton) und dessen Praxisgehilfin bzw. Freundin (Teresa Palmer) abgesehen. Sie werden vom örtlichen Sheriff (Aussie-Altstar Bryan Brown) erpresst, schulden ihm angeblich eine hohe Summe Geld. Also kommt ihnen die Idee, besagte Frau zu töten, es wie einen Unfall aussehen zu lassen und den Betrag der Lebensversicherung zu kassieren.

Verknotet und versetzt

Das alles geht natürlich grandios schief. Verhängnisvolle Irrtümer und unerwartete Planänderungen sind wesentliche Handlungsbausteine von Tarantino-Geschichten und Neo-Noir-Plots, die gern Tarantino-Geschichten wären. Immer geht es in ihnen um misslungene Überfälle/Erpressungsversuche/Mordvorhaben, um blutige Abweichungen vom Kurs und eine sich daraus ergebende Komik.

Schwarze Komödie vom Reißbrett, deren Mangel an Witz und Eigenständigkeit ein gut aufgelegter Simon Pegg kaschieren muss.Fazit lesen

Quentin Tarantino und die Coen-Brüder haben das in den vergangenen drei Jahrzehnten Filmgeschichte zu einem Klischee auf sehr hohem Niveau gepflegt. Auch Sam Raimi drehte einen solchen schwarzhumorigen Film über kriminelle Energien und blutige Verstrickungen, dessen Figuren die eigene böse Unbedarftheit zum Verhängnis wird („Ein einfacher Plan“ hieß er, und er war großartig).

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Teresa Palmer als Femme Fatale mit meerblauen Augen.
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Tatsächlich ist der Plot von „Kill Me Three Times“ bedeutend simpler, als er zunächst behauptet. Ganz im Zeichen der Vorbilder steht daher auch die Strategie des Films, seine übersichtlichen Handlungsfäden ein bisschen zu verknoten und zeitversetzt anzuordnen. Das soll die Spannung erhöhen, vor allem aber den sehr absehbaren Twist gegen Ende weniger absehbar erscheinen lassen.

Nicht-lineares beziehungsweise in der Ereignisabfolge durcheinander gebrachtes Erzählen kann sehr reizvoll sein, man denke an Akira Kurosawas „Rashomon“ oder Stanley Kubricks „Die Rechnung ging nicht auf“ (zwei Filme, denen auch Tarantino zu Beginn seiner Karriere Tribut zollte). Wenn solche Erzählabsichten allerdings nur einfallsfreie Drehbücher maskieren sollen, wird daraus schnell ein öder Gimmick.

„Kill Me Three Times“ hat seinen Krimiplot offenbar nur deshalb in drei Titel gebende Einzelteile zerlegt, weil es langweilig wäre, ihn gradlinig zu erzählen. Das offenbart der Film spätestens dort selbst, wo die Fäden erneut zusammenlaufen müssen, im blut- und bleihaltigen Finale also. Kann man natürlich machen, machen ja auch viele. Aber um die vergeudete Zeit ist es trotzdem einigermaßen schade.