Dass es sich bei “Kick-Ass” um keine gewöhnliche Comicverfilmung handelt, merkt man schon gleich am Anfang. Da steht nämlich ein strahlender Superheld mit einem drachenförmigen Cape auf einem Hochhausdach, springt elegant in die Tiefe...und knallt frontal auf ein am Boden parkendes Taxi. Aua, und weiterhin auch huch – sollten seltsam behoste Crimefighter nicht eigentlich heroisches Staunen hervorrufen?

Zumindest bei “Kick-Ass” wird diese kausale Verbindung immer wieder außer Kraft gesetzt, was aufrechte Marvel-Fans, also die mit den Spandex-Anzügen in XXL, wahrscheinlich entsetzen dürfte, doch allen anderen einen äußerst vergnüglichen Kinoabend beschert. Nichts bei diesem Film entspricht den gängigen Superhelden-Regeln, selbst wenn sie des öfteren mit haarsträubenden Riffs zitiert werden, und alles dafür zielt ständig darauf ab, dem Zuschauer knallbuntes Staunen abzuverlangen.

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Eigene Gesetze

“Kick-Ass” handelt von Superhelden, die eigentlich keine Superhelden sind und deswegen öfters einmal Reibungen zwischen Ansprüchen und Ergebnissen erzeugen. Der Hauptcharakter hier ist z.B. ein nerdiger Teenager namens Dave (Aaron Johnson), der mit einem Neoprenanzug und zwei Stöcken auf größenwahnsinnige Verbrecherjagd geht und dabei wahlweise Lacher oder satt blutende Messerstiche einfängt. Superhelden müssten eigentlich schon ernst genommen werden, ansonsten schrumpfen sie nämlich zu ganz, ganz erbärmlichen Losern.

Jung, gestört und hart drauf: Kick-Ass will es wissen.

Wer Kick-Ass, wie sich der Knabe fortan nennt, tatsächlich ernst nimmt, ist ein schmieriger Mafiaboss (Mark Strong), doch auch das führt wieder zu erheblichen Problemen. Kick-Ass soll um die Ecke gebracht werden und benötigt deswegen die Hilfe von zwei weiteren Möchtegern-Comichelden, Big Daddy (Nicholas Cage) und Hit-Girl (Chloe Moretz). Unterstützt von allerlei Gadgets und verflucht vielen Waffen beginnt zwischen diesen Herrschaften ein sowohl reichlich schräger als auch reichlich blutiger Kampf, an dessen Ende der nackte König der Anarchie das Zepter in Comichausen übernehmen darf.

Wessen Geistes Kind dieser Film ist, verrät z.B. die erste Szene zwischen Big Daddy und Hit-Girl, in der der liebende Papa seinem Mädel eine Kugel in die Brust jagt und sie danach auf ein Eis einlädt. Regisseur Matthew Vaughn, bekannt z.B. durch “Layer Cake” und “Stardust”, verzichtete bei “Kick-Ass” auf straffe Studio-Zügel und nützt die so gewonnene Unabhängigkeit für eine rotzfreche Abrechnung mit ehernen Superhelden-Gesetzen. Ein süßes Mädel mit rosa Haaren könnte ja schon als Vorbild für zahllose Merchandise-Ideen herhalten, doch wenn dann eben jenes Mädel auf einmal reihenweise Leute abschlachtet, ist’s leider wieder Essig mit dem erhofften Kindermenü.

Erhebt sich Kick-Ass über Genrekonventionen - oder taucht es eher drunter durch?

Die Gesetze, die “Kick-Ass” schreibt, sind durchaus eigener Natur, doch im Grunde schweben sie alle auf der ersten Meta-Ebene über “Spider-Man” & Co. Genauso wie Superhelden ohne Kräfte Reibung erzeugen, können auch weitere Abwandlungen bekannter Standards, wie z.B. die Verbindung einer ruchlosen Killer-Amazone mit dem Körper einer Zwölfjährigen, für nachhaltiges Hallo sorgen. Statt einer völligen Dekonstruktion von Comic-Regeln stehen also eher weitergedachte Kommentare an, statt einem völlig eigenständigen Weg, wie z.B. bei “Watchmen”, geht es hier um Vorwissen, Erwartungshaltungen und durchaus breit angelegte Überhöhung.

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Pop as Pop-Art can

Auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner ist “Kick-Ass” ein sehr eigenwilliger Film, der auf geradezu unverschämt selbstbewusste Art unterhält und dabei alles in die Pfanne wirft, was quiekt oder lustige Farben absondert. Besonders deutlich wird diese Stoßrichtung bei den wirklich furios inszenierten Actionszenen, die nicht nur satte Kinetik bieten, sondern auch hyperbrutal sind, allerlei wilde Akrobatik beinhalten und des öfteren von plärrenden Songs kommentiert werden.

Hit-Girl ist quasi jetzt schon Kult.

Die Krönung ist hier sicherlich der “Matrix”-mässige Splatterlauf von Hit-Girl zu “Banana Splits” von den Dickies, doch auch die Verquickung des “Für ein paar Dollar mehr” Themas von Maestro Morricone mit der furztrockenen Exekution diverser Mafiosi zündet als erhebendes Pop-Art Gebräu.

“Kick-Ass” vermischt ganz viele Einflüsse, huldigt referenziellen Dialogen, setzt stark auf die Strahlkraft von youtube, ist ein großer Freund des schwarzen Humors und schenkt seinem jugendlichen Helden sogar ein paar vollgewichste Taschentücher. Dass man sich hier langweilt, ist eher keine Option, selbst wenn im Mittelteil einige Hänger passieren, und solange man einfach nur schräge Unterhaltung einfordert, bleiben die Zeiger gerne auf Grün.

Schräge Charaktere und freudige Schauspieler - eine gelungene Mischung.

Mensch, selbst der olle Nicholas Cage gibt sich endlich mal wieder so debil wie in seinen Anfangsjahren, und die gute Chloe Moretz ist ja sowieso eine Schau. Hit-Girl wird unter Garantie eine neue Kultfigur, die einfach so bretterhart auf die Tube drückt, dass der Spin Off-Film eigentlich schon beschlossene Sache ist.