Chris Pratt als Dino-Flüsterer in einem Film von Steven Spielberg und Colin Trevorrow, der so viel Hollywood-Action-Blockbuster mit XXL-T-Rex wie Kapitalismus-Kritik sein will und an die Sea-World-Skandal-Doku „Black Fish“ erinnert.

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Chris Pratt, der 800 Millionen-Dollar-Starlord aus „Guardians of the Galaxy“ und jetzt Dino-Dompteur in „Jurassic World“, ist sicherlich derzeit einer der spannendsten Typen Hollywoods. Erst mit 37 wurde er zum Star, spielte vorher in Nebenrollen „erst den bösen Ex-Freund und dann das lustige Pummelchen“, wie er auf einem Termin in einem Nobelhotel in Beverly Hills verrät. Als muskulöser Chris drehte er in einer Porno-Parodie namens „Deep in the Valley“ mit Kim Kardashian. Als dicker Chris mimte er für Megan Fox den Clown in Jennifer’s Body“. Megan dreht heute eigentlich nur noch Werbespots, dafür hat Chris jetzt ein Sixpack, ein paar Millionen mehr auf dem Konto und die Rolle, für die in Hollywood wohl jeder töten würde – die von Owen Grady, dem Dino-Flüsterer von „Jurassic World“. Einem Tierfreund, der Raptoren von ihrer Geburt an aufzieht, versucht, sie zu verstehen und ihnen Tricks beibringt.

Jurassic World - „Die Dinosaurier sind nicht einfach nur das blutrünstige Monster“

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Dieser Mosasaurus reicht irgendwann nicht mehr als Mega-Show für Isla Nubar. Deshalb züchten die Wissenschaftler ein Tier, das noch ein bisschen gefährlicher als ein T-Rex ist.
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So wild wie die Karriere von Chris Pratt war auch das Schreiben des Drehbuchs zu „Jurassic World“: eine Achterbahnfahrt. Noch 2007 drohte aus „Jurassic Park 4“ ein Schlachtfest zu werden, in dem vom US-Militär ausgebildete Raptoren die Armee eines mexikanischen Drogenbarons angreifen und zerfetzen. Steven Spielberg reichte Veto ein, das Projekt wurde gestoppt, die Suche nach der richtigen Idee ging weiter. Spielberg will heute aus uns unbekannten Gründen nicht mehr in den Regiestuhl und ins Rampenlicht, er begnügt sich mit der Position des Executive Producer, des Strippenziehers im Hintergrund. Spielberg liebt Indie-Filme und lernte über die Mid-Budget-Produktion „Safety Not Guaranteed“ Colin Trevorrow kennen. Einem Film über drei Journalisten, die einen Mann interviewen, der über eine Anzeige Zeitreisende sucht.

Das Roadmovie beeindruckte ihn so sehr, dass er Trevorrow einfach mal anrief und bevor der auflegen konnte, stand bereits ein Privatjet für ein zweistündiges Meeting mit Spielberg bereit. Trevorrow hatte die klassische „Jurassic Park“-Geschichte zu erzählen, in der er als Kind Kissen unter die Bettdecke stopfte und sich aus dem Haus schlich, um mit Freunden heimlich den Film zu sehen. Doch er hatte auch eine Idee für „Jurassic World“. In seinem Kopf entwickelte sich ein Hightech-Jurassic-Park, ein Disneyland mit den gefährlichsten Dinosauriern, die man sich vorstellen kann.

Trevorrow: „Jurassic World ist ein Kommerz-Park, der Dinos ausbeutet“

„Es geht mir darum, den Dinosauriern Charakter zu geben“, erklärt der Regisseur, weshalb auch jeder einen Namen hat, das T-Rex-Weibchen heißt Rexy. „Diese Tiere wurden gekreuzt und genetisch verändert, viele von ihnen leben in absoluter Isolation. Es ist mir wichtig zu zeigen, dass diese Kreaturen nicht einfach nur das Böse darstellen, die wildgewordenen, bluthungrigen Bestien, sondern dass wir sie dazu gemacht haben.“

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„Ich drehe die meisten Stunts selbst, dann müssen die Make-Up-Artists nicht so viele Wunden aufmalen“, scherzt Chris Pratt. Er wird wohl Ford als Indiana Jones beerben.
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Er spielt damit auf die zentrale Killer-Figur an, den Indominus Rex: „Es geht um den Exzess, den wir als Gesellschaft so lieben. Auf Isla Nubar frisst täglich ein Mosasaurus Weiße Haie, aber den Leuten wird das zu langweilig, deshalb kreuzt man die gefährlichsten Arten, die man sich vorstellen kann. Er lebt alleine, ohne Familie, ohne sozialen Kontakt. Das macht ihn aggressiv.“ Trevorrow hat sich laut eigenen Aussagen durchaus von „Black Fish“ inspirieren lassen, einem Film, der die Machenschaften von Sea World in den USA aufdeckte.

Die Ausschnitte, die wir bisher gesehen haben, wirken wie ein Spiegel der Ereignisse dort. Denn Sea World hat früher Baby-Orcas von ihren Familien aus dem Ozean entrissen, um sie für die Shows zu trainieren. Einer dieser Orcas namens Tilikum wurde in Island gefangen, währenddessen verletzt und musste dann in einem viel zu kleinen Bassin in Orlando arbeiten. Er griff mehrere Trainer an und fraß während einer Show seine persönliche Trainerin Dawn Brancheau. Weil er für Sea World als größter lebender Orca in Gefangenschaft zu wichtig ist, um ihn in die Freiheit zu entlassen, lebt er mittlerweile isoliert und darf nur noch für die Shows ins große Becken. Während gerade der erste „Jurassic Park“-Film die Dinosaurier sehr blutrünstig darstellte, ist es dem neuen Produktionsteam und Cast wichtig, deutlich nuancierter zu arbeiten.

Chris Pratt: „Diese Raptoren sind wie Kids, aber eben nicht wie menschliche Kids“
„Es gibt da diese interessante Szene, wo sich meine Raptoren weigern, ein lebendes, fröhlich quiekendes Schwein zu fressen. Weil sie es nicht gewöhnt sind, weil sie von Menschenhand aufgezogen wurden“, erklärt Pratt. „Mein Charakter Owen ist eigentlich der Einzige, der sich wirklich für das Wohlergehen der Dinos interessiert und sie als Tiere sieht.“ Er ist es dann auch, der der weiblichen Hauptrolle Claire Dearing, gespielt von Bryce Dallas Howard (The Village, Terminator: Die Erlösung), die Welt der Dinos näherbringt.

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Ein bisschen Romantik muss auch sein: Dino-Flüsterer Owen Grady zeigt seiner kühlen Chefin, das ihre Tiere mehr sind als nur Show-Attraktionen.
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Claire verkörpert die klassische Business-Frau, die mit High-Heels im Kittel durch die Gänge rennt, den Park leitet und sich viel mehr für Zahlen als ihre Tiere interessiert. Ohne zu viel spoilern zu wollen, Owen nimmt sie mit auf eine Tour durch ihre Jurassic World und ermutigt sie, ein Dino-Baby zu streicheln, wodurch sie zum ersten Mal merkt, das ihre Attraktionen echte Lebewesen sind. Claire spielt eine starke Frauenrolle, die nicht weniger Screentime bekommt als ihr männlicher Gegenpart.

Das liegt auch daran, das sich die Geschichte recht stark um die Rettung ihrer Neffen Zach und Gray dreht, die beiden Jungs, die immer wieder in den Trailer-Shots zu sehen sind. Dabei spielen auch Owens Raptoren-Kids eine gewisse Rolle, wobei die mitunter nicht ganz genau wissen, wen sie denn nun angreifen sollen. In der einen Szene schützen sie Owen auf dem Motorrad, in der anderen ... nun, das verraten wir mal lieber nicht. „Wir haben die Raptoren nicht zu Pussykätzchen erzogen, sagen wir es mal so“, feixt der Regisseur.