Kein Jahr ohne neue Zombiefilme. Die meisten ähneln sich, echte Neuerungen gibt es selten. Bei „Juan of the Dead“ ist das nicht sehr viel anders, zwei Merkmale gibt es aber doch, die bemerkenswert sind: Das Herstellungsland und der desolate Zustand desselbigen. Denn „Juan of the Dead“ ist der erste kubanische Horrorfilm. Dass der Titel an „Shaun of the Dead“ erinnert, ist kein Zufall.

Juan of the Dead - Zombies in Kuba - TrailerEin weiteres Video

Das Leben ist in Havanna, wie es immer ist: Nichts funktioniert richtig und alles geht vor die Hunde. Eigentlich könnte es kaum schlimmer kommen, aber natürlich tut es genau das. Das muss auch Juan feststellen, der sich urplötzlich in einer Stadt der Toten befindet.

Wandelnde Tote erheben sich, aber anfangs weiß keiner so recht, was diese Gestalten eigentlich sind. Von staatlicher Seite aus heißt es, es handele sich um von den USA unterstützte Dissidenten, aber merkwürdig ist, dass diese einen unglaublichen Hunger auf menschliches Fleisch entwickelt haben.

Juan denkt jedoch gar nicht daran, die Stadt zu verlassen. Mit seinem Kumpel Lazaro, dessen Sohn Vladi und der eigenen Tochter Camila eröffnet er ein Gewerbe: Juan of the Dead, wir kümmern uns um die Entsorgung ihrer Liebsten. Der geniale Plan sieht vor, den Menschen bei der Beseitigung ihrer toten Verwandten zu helfen und dafür abzukassieren.

Juan of the Dead - Zombies auf Kuba

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Sehen so regimekritische Dissidenten aus?
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Schon bald finden sich weitere wackere Burschen, die Juan bei seinem Unternehmen helfen wollen. Das Geschäft floriert, allerdings kommt es immer mal wieder zu Schwierigkeiten, etwa sterbende Auftraggeber, die noch nicht bezahlt haben. Und natürlich wird die tapfere Gruppe der Totenbeseitiger immer stärker dezimiert. Man hat als Orchester begonnen und ist plötzlich nur noch eine Band, wie Lazaro feststellt. So stellt sich Juan und den Seinen irgendwann die alles entscheidende Frage: Bleiben oder gehen, Kuba verlassen oder gegen die Zombies kämpfen?

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Die Endzeit war schon vorher da

„Juan of the Dead“ spielt in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Das Faszinierende, irgendwie aber auch Verstörende, ist jedoch, dass die Stadt einen solch derart heruntergekommenen und abgerissenen Eindruck macht, dass man problemlos meinen könnte, die Zombie-Apokalypse hätte schon vor Jahren stattgefunden.

Low-Budget-Horror aus Kuba, der zwar oberflächlich Genre-Konventionen kopiert, aber mit soziokulturellem Kommentar punkten kann.Fazit lesen

Die Stadt selbst erscheint wie ein lebender Toter, der sich noch nicht darüber im Klaren ist, dass das Leben längst aus seinem Leib gewichen ist. Das Leben der Menschen ist ähnlich düster gezeichnet. Nichts funktioniert, noch nicht einmal die Aufzüge, Geld hat man sowieso nicht und die Medikamente sind in der Regel schon lange abgelaufen, wenn sie verabreicht werden.

Juan of the Dead - Zombies auf Kuba

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Havanna wirkt, als habe die Zombieapokalypse schon längst stattgefunden.
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Autor und Regisseur Alejandro Brugués nutzt die Möglichkeiten des Genres zur Gänze aus. Schon immer war es innerhalb der Grenzen des Horrorfilms möglich, auf soziale und politische Missstände hinzuweisen, ohne dass Zensoren daran Anstoß genommen hätten. Das gilt auch für „Juan of the Dead“, der ein recht trauriges Bild einer Gesellschaft zeichnet, die in Zerfall begriffen ist. Havanna ist schon vor der Ankunft der lebenden Toten ein Ort der Hoffnungslosigkeit. Das Auftauchen der Untoten ändert kaum etwas.

Juan, Bruder im Geiste von Shaun

Die Inspiration für „Juan of the Dead“ war sicherlich „Shaun of the Dead“. Die Ähnlichkeiten sind vorhanden. Hier wie dort sind es Normalos, die plötzlich mitten zwischen Zombies stehen, aber irgendwie doch ruhig bleiben. Einfach, weil sie wissen, dass sie schon überleben werden. Juan ist ein Überlebender, schon immer, und mehr als einmal. Alles, was er braucht, ist eine Chance. Darin unterscheidet er sich nur unwesentlich von Shaun.

Deutlich größer sind die Unterschiede schon in technischer Hinsicht, denn anders als die britische Produktion gibt es bei „Juan of the Dead“ nicht so elaborierte Gore- und Splattersequenzen. Ein paar sind schon vorhanden, hauptsächlich jedoch mit dem Computer gebastelt und nie langwierig breitgetreten.

Der auffälligste Unterschied ist jedoch, dass der kubanische Film nie so lustig ist wie sein britisches Vorbild. Sicher, es gibt ein paar lakonisch-humorige Dialoge und auch die Situationskomik wird nicht außer Acht gelassen, aber in ihrer Gesamtheit ist die Gag-Quote eher niedrig ausgefallen.

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Juan ist nicht zufällig namensverwandt mit Shaun of the Dead.
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Nicht nur die Toten leben gefährlich

Es fällt ein wenig schwer, mit den Protagonisten warm zu werden. So richtig sympathisch ist eigentlich keiner von ihnen. Am besten kommt dabei noch Juan weg, der zumindest versucht, jedem zu helfen, auch wenn er Geld sehen will. Andere wie sein Kumpel Lazaro sind da deutlich skrupelloser und meucheln sogar Lebende. Die Integrität der Figuren – immerhin sollte man annehmen, dass die Haupthandlungsträger normale Menschen sind und nicht in Windeseile verrohen – wird hier zugunsten halbgarer Gags geopfert.

Etwa dann, als Lazaro bei einem Typen, der ihm noch Geld schuldet, mit der Machete abrechnet. Oder Lazaro und Vladi, die einem alten Kerl im Rollstuhl helfen sollen, dann aber nur mit dem Rollstuhl zurückkommen, mit dem sie Alkohol transportieren. Da meint der eine „Der Alte ist tot, wir mussten ihn zurücklassen“ und der andere ergänzt: „Nicht notwendigerweise in der Reihenfolge“.

Mag man über den Humor urteilen, wie man will, sympathisch werden einem die Figuren durch derartiges Verhalten wirklich nicht.