Manchmal passiert bei Pressevorführungen Kurioses: Im Namen des gesamten Filmteams bat die Pressebetreuerin vor Beginn der Vorführung darum, das Publikum nicht zu spoilern. Man solle doch bitte keine Überraschungen des Films verraten. Nicht, dass wir uns diesem Wunsch widersetzen würden. Nur: Es gibt keine Überraschungen, die man ausplaudern könnte. „Spectre“ verläuft genauso, wie man das erwartet hat. Wenn überhaupt gibt es eine Mini-Überraschung, aber die ist auch im Verlauf der Geschichte so nichtig, dass man darüber nicht lange reden muss.

James Bond 007 - Spectre - Deutscher Trailer #28 weitere Videos

Wichtiger ist sicher die Feststellung, dass nach den Höhen von „Skyfall“ der ganz tiefe Sturz folgt. „Spectre“ kann an dessen Klasse nicht heranreichen. Er ist, wenn man so will, der drittbeste Bond-Film mit Daniel Craig – oder eben der zweitschlechteste.

Ein Mann gegen Spectre

James Bond ist mal wieder auf eigene Faust unterwegs, diesmal in Mexico City, wo gerade der Tag der Toten gefeiert wird. 007 macht einen Auftragskiller kalt, was in einem Kampf in einem Hubschrauber über Menschenmassen gipfelt. Sieht schön aus, leidet aber darunter, dass die Leute, die den wild herumwirbelnden Hubschrauber sehen, nicht in Panik verfallen.

Egal, die Titelsequenz beginnt – diesmal mit viel nacktem Daniel Craig, dem zum Ausgleich ein paar ebenso nackte Damen zur Seite gestellt werden, aber alle natürlich in Schatten getaucht.

James Bond 007 - Spectre - Der drittbeste Daniel-Craig-Bond – oder der zweitschlechteste

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Der Film läuft am 05.11.2015 in den deutschen Kinos an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dass Bond ohne Sanktion agiert, sorgt natürlich für Probleme mit M, der das ganze Doppel-Null-Programm in Gefahr sieht, denn der Emporkömmling C plant die Zukunft des Geheimdienstes – ohne die Dinosaurier mit der Doppel-Null. Das stört Bond nicht sehr, der sich auf macht, einer Spur zu folgen. Italien, Österreich, Tanger, die afrikanische Wüste – all das sind Stationen des neuesten globalen Abenteuers, bei dem das Bond-Girl natürlich nicht fehlen darf. Mit dem huckepack geht es also gegen die Bösen – und auch gegen ein Phantom, mag doch kaum jemand glauben, wer wirklich bei Spectre die Zügel in der Hand hält.

Der Zuschauer weiß es natürlich sofort. Zum einen, weil er nicht blöd ist, zum anderen, weil Christoph Waltz nun mal als neuester Bond-Schurke angekündigt wurde. Und da Spectre nur von einem Mann geleitet werden kann, ist die Frage, wen er spielt, auch obsolet.

Packshot zu James Bond 007 - SpectreJames Bond 007 - Spectre

Verschwendung im großen Stil

Als Monica Bellucci einen Anruf erhielt und man ihr eine Rolle in „Spectre“ anbot, da war sie überrascht, weil sie für ein Bond-Girl viel zu alt sei. Naja, sie spielt ja auch keines. Bei einem Namen ihres Formats hätte man aber erwartet, dass sie eine nennenswerte Rolle spielt. So mancher spekulierte gar, sie könnte der wahre Schurke im Hintergrund sein. Ihre nur wenige Minuten Screen-Time habende Figur ist an Irrelevanz jedoch nicht zu überbieten.

James Bond 007 - Spectre - Der drittbeste Daniel-Craig-Bond – oder der zweitschlechteste

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Ein Film, der auf ganzer Linie enttäuscht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Obwohl: von einem schon. Dave Bautista als stoischer Killer Mr. Hinx, der den Terminator alt aussehen lässt, macht auch keine gute Figur. Action ist ja schön und gut, die Auseinandersetzung im Zug zwischen Hinx und Bond ist aber völlig überzogen und erinnert nur daran, dass es früher weit bessere Zug-Action gab. Man erinnere sich nur an den grandiosen „Liebesgrüße aus Moskau“.

Zu Christoph Waltz mag man wiederum stehen, wie man will, eines kann aber nicht wegdiskutiert werden. Seine schauspielerischen Möglichkeiten sind limitiert, zumindest dann, wenn er Schurken spielt, was er in Hollywood fast ausschließlich tut. Seine Manierismen, das Grinsen, all das kennt man zur Genüge. Nichts an seinem Spiel ist überraschend, allenfalls der Umstand, dass er irgendwie ziemlich müde aussieht.
Was die Originalität seines Hauptquartiers betrifft, sei wiederum gesagt: Man fühlt sich an „Ein Quantum Trost“ erinnert. Eine schöne Assoziation ist das beileibe nicht!