Peter Jackson eröffnete 2012 seine Hobbit-Trilogie, Christopher Nolan schloss mit The Dark Knight Rises seine Batman-Trilogie ab, und Skyfall bescherte uns ein grandioses Widersehen mit James Bond. Disney setzte den Videospielen mit Ralph reicht’s ein Denkmal und Ridley Scott kehrte mit Prometheus nach über 30 Jahren zu seinen Alien-Wurzeln zurück.

Was war dein Film-Highlight des Jahres 2012? Wähle den Film des Jahres und gewinne einen Widescreen-Monitor von LG. Als kleine Hilfestellung verraten euch unsere Filmredakteure, was ihre Tops und Flops und magischen Momente 2012 waren

Peters Film-Highlights 2012

Platz 5: Ace Attorney
Mit Takashi Miikes Filmen kann ich eigentlich nur wenig anfangen, aber dieser verrückte Sci-Fi-Trip hat mir zwei der schönsten Kinostunden des Jahres 2012 beschert. Die entfesselte und gänzlich abstruse Gerichtswelt kommt mit geballter Theatralik daher und ist so überbordend mit Details ausgeschmückt, dass noch viele Sitzungen notwendig sind, um alle Einzelheiten in sich aufzunehmen. Mit seiner surrealen Optik mag „Ace Attorney“ nicht für jedermann sein, aber mich hat er umgehauen.

Der Hobbit: Das Film-Ereignis des Jahres? Was meint ihr?

Platz 4: Looper
Rian Johnson umgeht geschickt die Fallstricke von Zeitreisegeschichtenlogik und befasst sich dafür umso intensiver mit der Frage, ob man seinem Schicksal entgehen kann oder dazu verdammt ist, es zu erfüllen. „Looper“ ist intelligentes Action-Kino, da bis zum Ende hin überraschend bleibt.

Platz 3: Hugo Cabret
Es braucht den alten Martin Scorsese, um all den jungen Filmemachern zu zeigen, wie man 3-D prächtig einsetzt. Aber für Scorsese ist es nur eine Spielerei, denn seine Geschichte, die von der Frühzeit des Kinos erzählt, ist reinste Magie. Er hat ein Märchen für Jung und Alt erschaffen, das nicht nur das Medium, sondern vor allem die Träume, die es ausgelöst hat, feiert.

Platz 2: 7 Psychos
Martin McDonagh ist ein cleverer Autor. Er sagt uns direkt, was als nächstes passieren wird – und zieht es dann auch folgerichtig durch. Dabei spielt er mit der Erzählform und stemmt eingerostete Storykonventionen auf. Das Ergebnis ist ein origineller, immer wieder überraschender, saukomischer Film, in dem McDonagh mit Hauptfigur Marty, einem Drehbuchautor, noch eine weitere Metaebene aufstößt. Die Psychos in diesem Film sind einfach umwerfend.

Platz 1: Der Hobbit
Peter Jackson hat es getan: „Der Hobbit“ steht in einer Reihe mit seiner „Der Herr der Ringe“- Trilogie. Das Wiedersehen mit alten Bekannten und das Kennenlernen neuer Helden war für mich das Kinoerlebnis des Jahres. Auch, weil mich der Film an die erste Trilogie und die Erlebnisse, die ich damit verbinde, erinnert. So hat mich „Der Hobbit“ auf zweierlei Art in eine andere Zeit zurückversetzt: auf der Leinwand in ein jüngeres Mittelerde und im Geiste zu meinem jüngeren Selbst von damals.

Peter mag keine Quatschköppe im Kino.

Aufreger des Jahres

Quatschköpfe im Kino. Als ich Total Recall in diesem Jahr sah, waren etwas weiter links zwei Kollegen, die einfach nicht das Maul halten konnten. Wer sich miteinander unterhalten will, soll das zuhause tun, nicht im Kino. Ansonsten hat mich noch aufgeregt, dass der deutsche Verleih bei „Snow White and the Huntsman“ allen Ernstes die englischen Namen in der Synchronisation benutzt hat. Eine Begründung gab es nicht, aber man darf wohl davon ausgehen, dass man es cooler fand. Einfach nur Schwachsinn. Es sind deutsche Märchen, es gibt deutsche Namen, also sollte man die auch benutzen. Die Fernsehserie Once Upon a Time ist aber noch schlimmer. Da gibt es noch nicht mal eine Linie. Manche Figurennamen werden im Englischen belassen, andere nicht.

Magischer Kinomoment 2012

Der Flug mit den Bienen in „Reise zur geheimnisvollen Insel“. Ich habe von diesem Film eigentlich gar nichts erwartet, aber er ist perfekte Familienunterhaltung und hat mich daran erinnert, wie es als kleiner Junge war, große Abenteuer- und Effektfilme zu sehen. Diese Jules-Verne-Verfilmung ließ mich Sense of Wonder spüren, was heutzutage viel zu selten vorkommt.

Auf diesen Film freue ich mich 2013 am meisten

Star Trek Into Darkness“: Ich war schon immer ein „Star Trek“-Fan, liebe aber besonders J.J. Abrams‘ Neuinterpretation. Zwar ist es schade, dass er fast fünf Jahrzehnte Continuity über Bord wirft, aber sein erster Film macht das (fast) wett. Der zweite Teil verspricht, ein noch intensiveres Filmerlebnis zu werden. Diesmal ist es wohl eine Reise ins Herz der Finsternis, die ähnlich tragisch enden könnte wie seinerzeit „Star Trek II: Der Zorn des Khan“.

Kim im Kino

Platz 5: Starbuck
Ausgehend von einer total verrückten Idee entsteht ein herzerwärmender und leichtfüßiger Film über einen Mann, der sein Leben lang ein Tunichtgut war und der nun endlich Verantwortung übernehmen muss. Dabei sind bei „Starbuck“ die Figuren so wunderschön und realitätsnah gezeichnet, jede mit ihren ganz eigenen Handlungsmotivationen, dass man sie alle gern haben muss. Vor allem den 42-Jährige David Wozniak, der plötzlich seinen 142 Kindern gegenübersteht.

Platz 4: Drive
Das war definitiv Ryan Goslings Jahr. Vor allem seine Rolle als wortkarger Driver im atmosphärischen Neo-Noir-Thriller „Drive“, der in seiner Stadt mal ordentlich aufräumt, riss mich mit. Mit viel Fingerspitzengefühl erzählt Nicolas Winding Refn zugleich eine Liebes- und eine Gangstergeschichte. Arthouse meets Grindhouse, hypnotisierend und träumerisch, untermalt von einem phantastischen Soundtrack.

Kim ist so viel im Kino, dass sie es sich dort mittlerweile häuslich eingerichtet hat.

Platz 3: The Avengers vs. The Dark Knight Rises
Der Superheldenkult endet nie. Doch die Batman-Trilogie von Nolan endete dieses Jahr mit einem spektakulären Abschluss. Schade, denn ich hätte davon gerne noch viele weitere Filme gesehen. Ebenso spektakulär war dieses Jahr das „Klassentreffen“ der Marvel-Superhelden in „The Avengers“. Ein Explosions- und Gagfeuerwerk, das seinesgleichen sucht und unglaublich viel Spaß beim Zusehen macht. Vor allem gab es endlich mal einen gut umgesetzten Hulk zu bewundern!

Platz 2: Die Tribute von Panem
Die Bücher hatte ich verschlungen. Umso dankbarer war ich, als ich diese wunderbare Romanverfilmung gesehen habe, die den ersten Band perfekt umsetzt und sogar noch einen drauf setzt, indem den Zuschauern ein Blick hinter die Kulissen der „Hungerspiele“ gewährt wird. Actionreich, fantasievoll und grausam. Schade nur, dass man unbedingt eine FSK-12 durchsetzen wollte und dadurch so manche Romanpassage abgeschwächt gezeigt hat. Für die noch brutaleren Fortsetzungen befürchte ich noch mehr Zensur…

Platz 1: The Artist
The Artist ist einfach der schönste Film des Jahres. Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Schwarz-Weiß-Stummfilm so fesseln und berühren würde. Dank brillanter Schauspieler (allen voran der charismatische Jean Dujardin) und dem unglaublichen Soundtrack vergisst man irgendwann sogar, dass man in einem Stummfilm sitzt und es je etwas anderes gab.

Dank Kim und Otto hat Scrat endlich seine Nuss gefunden.

Magischer Kinomoment

Mein magischster Kinomoment des Jahres war eindeutig, als George Valentin (Jean Dujardin) in „The Artist“ in seiner Umkleide sitzt und nichtsahnend sein Trinkglas auf die Kommode stellt, welches plötzlich beim Hinstellen ein Geräusch von sich gibt. Dieser kleine, leise und unbedeutende Laut wirkt plötzlich wie ein Donnergrollen im Ohr des Zuschauers, absolut unnatürlich und fehl am Platz, obwohl es doch eigentlich ganz normal sein sollte. Es ist ein so kurzer Moment, dass man sich sogar fragt „Hat das Glas nun ein Geräusch abgegeben oder nicht?“ und doch weiß man ganz sicher, eben einen Klang gehört zu haben. Und urplötzlich erschrickt man. Denn einem fällt wieder auf, dass man in einem Stummfilm sitzt, was im Laufe des Films irgendwie ganz vergessen wurde.

Aufreger des Jahres

Die Kinoindustrie treibt den 3D-Wahn auf die Spitze und bringt seit letztem Jahr überaus beliebte, alte 2D-Filme digital überarbeitet und mit der neuen 3D-Technik in die Kinos, um nochmals ordentlich Geld damit zu scheffeln. Angefangen mit Disneys „Der König der Löwen“ sprang auch schnell James Cameron mit einer schickeren Version von seinem Meisterwerk „Titanic“ auf den Zug auf. Auch George Lucas wollte etwas vom Kuchen abhaben und schickte erneut „Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung“ ins Rennen. Nächstes Jahr folgen auch noch „Star Wars: Episode II“ und nur einen Monat später Episode III. Und da Disney nun schon Blut geleckt hat, werden auch noch ein paar Pixar-Highlights dreidimensional ins Kino gebracht: „Findet Nemo“ und „Monster AG“, passend zum Kinostart von „Die Monster Uni“. Und zu guter Letzt sollen auch nochmal die Dinos in den Kinosaal beißen: Jurassic Park 3D folgt Ende 2013... Und so wurde aus dem Satz "In ausgewählten Kinos in 3D" die Umkehrung "In ausgewählten Kinos in 2D", die bald sicher auch schon veraltet ist.

Wenn sie größer ist, will Kim selber mal Superheldin werden.

Darauf freue ich mich 2013 am meisten

Nächstes Jahr gibt es wieder einige Schmankerl. Angefangen mit der Musicalverfilmung „Les Misérables“ mit Hugh Jackman, der ein paar Monate später auch als „The Wolverine“ wieder seine Klingen wetzt. Märchenhaft wird es bei „Die fantastische Welt von Oz“ und „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“. Und auch meine geliebten Superhelden kommen 2013 nicht zu kurz: Iron Man, Thor und Kick-Ass dürfen zurück auf die Leinwand. Aber auch die Animationswelt bietet Fortsetzungen zu tollen Filmen: „Die Monster Uni“ als Prequel zu „Die Monster AG“, „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ und auch der Animationsfilm mit dem meiner Meinung nach besten 3D-Effekt bislang - „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ - bekommt einen zweiten Teil. Die großen Blockbuster lassen 2013 aber bis zum Ende auf sich warten: „Die Tribute von Panem 2 - Catching Fire“ und natürlich „The Hobbit: The Desolation of Smaug“.

Tim meint: Alles wird gut

Platz 5: Der Hobbit
Man kann sich natürlich fragen, ob die Zukunft des Kinos wieder einmal in einem ästhetischen Überbietungswettbewerb entschieden werden muss. Ob man Berge einander bekriegen lassen muss, größenwahnsinniger geht’s ja nicht mehr, und ob man unbedingt die aseptische Glätte der „High Frame Rate“ braucht oder das Krachbummsschwelg des Wagner-Fans Howard Shore. Wenn es nur noch Filme gäbe wie den „Hobbit“, würde ich öfter mal wieder ein gutes Buch lesen – aber als Erzählung gewordener, rasanter Bombast war der in diesem Jahr höchstens von Ridley Scott zu toppen.

Platz 4: Alles wird gut
Sozusagen das Gegengift zum Überwältigungskino von Scott und Peter Jackson: Niko von Glasow, der seine Karriere bei Fassbinder begonnen hat, sollte ein Theaterstück schreiben und inszenieren, für behinderte und nicht-behinderte Darsteller, und er hat einen Dokumentarfilm über Casting, Proben und Uraufführung gemacht. Was klingt wie unerträgliches Gutmenschengeseiere wird bei von Glasow zu einer sehr klugen und berührenden Reflexion über Kunst und Leben, Darstellung und Wirklichkeit.

Wenn Tim ins Kino geht, lässt er sich durch nichts und niemanden vom Film ablenken.

Platz 3: Prometheus
Damit habe ich mal polarisiert: Was für mich ein faszinierend gigantomanischer Trip in raumfüllend-innovativem 3D war, fanden andere belanglos, doof oder schlimmeres. Wer ein Remake von „Alien“ auf dem technischen Stand von 2012 erwartet hatte, wurde Gott sei Dank enttäuscht – und ja, so ganz hält der Inhalt nicht, was die Form verspricht. Aber als Ausflug in eine Welt vor oder nach dem Menschen war diese Space-Opera so visionär, wie man im Mainstream nur sein darf.

Platz 2: Der Verdingbug
Ein realistisches Schauerszenario, basierend auf „100.000 wahren Geschichten“. Der Schweizer Regisseur Markus Imboden, hierzulande eher als Fernsehkrimiroutinier bekannt, erzählt die Geschichte eines Waisenjungen, der gegen karge Kost und Logis zur Zwangsarbeit auf einem Bauernhof verdonnert wurde – diese Praxis hielt sich in der Schweiz und Teilen Süddeutschlands bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Und er tut dies emotional eindringlich, ohne seine Figuren zu Funktionsträgern des Manipulativen zu machen, und packend, ohne spektakulär sein zu wollen. Da kann man sogar Katja Riemann als gebückte Bäuerin in schwyzerdütscher Synchro ertragen.

Platz 1: Chronicle
Wieder mal „Found Footage“, wieder mal total mittendrin statt nur dabei? Wird das nicht langsam billig? Nö, wenn man diese ästhetische Strategie nicht nur dazu nutzt, um Rasanz und Desorientierung in den Zuschauerraum zu tragen. Josh Trank hat zuerst Youtube-Clips gedreht von den harmlosen Albereien dreier Teenager mit plötzlichen Superkräften, und wer möchte, kann „Chronicle“ natürlich auch als Kommentar auf Medienwandel lesen. Aber viel besser funktioniert er als Dekonstruktion eines Genres, in dem die Pose bislang noch immer die Figuren überstrahlt und einen wie auch immer progressiv gemeinten Subtext sabotiert hat. Hier werden die Superhelden vom Sockel geholt und Form und Inhalt kunstvoll kunstlos miteinander in Einklang gebracht.

Voller magischer Momente: 7 Psychos.

Magischer Kinomoment 2012

„Don’t you wish you had a gun now?“, fragt Woody Harrelsons durchgeknallter Gangsterboss in 7 Psychos den Autor Martin, gespielt von Colin Farrell, und fuchtelt ihm mit einer Knarre vor der Nase herum. Zu erzählen wie die beiden in diese Situation gekommen sind, würde angesichts des etwas verschlungen-absurden Plots zu weit führen, sagen wir einfach: Martin war nett, vielleicht etwas naiv, und der Gangster hat es ausgenutzt. Nun ist der Film wahrhaft kein pazifistisches Pamphlet, manche Metzelei geschieht gerade lustvoll, und genau deshalb ist es, tja, entwaffnend, wie viel von der Würde eines Charakters, ach, des Menschen überhaupt, in diesem Mini-Dialog steckt. „Don’t you wish you had a gun now?“ - „No.“

Aufreger des Jahres

Das Ärgernis des Jahres war die Kino-Security, die offensichtlich meinte, sie bewache anstelle eines laschen deutschen Historienschinkens gerade die Goldreserven von Fort Knox und in seltener Ignoranz darauf verzichtete, eine mir nahestehende Person in den Saal zu lassen und sie so aus einer misslichen Lage zu befreien. Als „Aufreger“ hingegen möchte ich jenen einsamen Filmfan bezeichnen, der sich im letzten „Twilight“ auf den letzten freien Platz neben uns setzte, nachdem er unter seiner Military-Jacke einen ganzen Military-Anzug samt Bowie-Messer an der Hüfte frei gelegt hatte. Er blieb dann bis zum Ende friedlich, schulterte seinen verdächtig prallen Rucksack und ging so alleine, wie er gekommen war. War es makaber, da an Aurora, Texas, zu denken und an die dunkelsten Stunden des Kinos im Jahre 2012?

Darauf freue ich mich 2013 am meisten

World War Z, Evil Dead und weniger schlechte Reime!

Rajko weiß Bescheid

Platz 5: 21 Jump Street
Vielleicht die Überraschung des zurückliegenden Kinojahres: Das Reboot einer 80er-Jahre-Fernsehserie für Teenager, das die Vorlage modernisiert und in der nächsten Generation fortsetzt. Mit viel angenehmer Selbstironie, durchaus cleverem Witz und wunderbar unvorhersehbaren Derbheiten ist „21 Jump Street“ endlich wieder eine Actionkomödie, die ihr Publikum auch ernst nimmt. Und mit seinen diesjährigen Leistungen, vor allem im etwas unterschätzten „Moneyball“, war Jonah Hill für mich der interessanteste Schauspieler 2012.

Platz 4: 4:44 – Last Day on Earth
Das klare Highlight unter all den derzeitigen Weltuntergangsfilmen. Der offenbar verrückte und teils auch nur schwer erträgliche Regisseur Abel Ferrara („Bad Lieutenant“) beeindruckt mit einer verdichteten Inszenierung, die das Ende der Welt in die Intimität eines problemgebeutelten Großstadtpaares verlagert. Ein beklemmendes, besonders von Willem Dafoes meisterhafter Darstellung getragenes Kammerspiel, das durch eine mitunter größenwahnsinnige Montage besticht. Wunderschön.

Einer von den beiden ist echt - aber wer?

Platz 3: We Need to Talk About Kevin
Der intensivste Film, den ich 2012 gesehen habe – und vielleicht auch der radikalste. Vielfach missverstanden als vermeintlich gescheiterter Versuch, Lebensgeschichte und Beweggründe eines Amokläufers darzustellen, ist „We Need to Talk About Kevin“ vielmehr das Porträt einer gestörten Frau und Mutter, die ihren Sohn schon hasste, noch bevor er überhaupt geboren war. Ein Film, der sich konsequent dem trügerischen Blickwinkel seiner brillant von Tilda Swinton gespielten Hauptfigur verschreibt – und mit manchmal vielleicht etwas grobschlächtigen, aber stets eindrucksvollen Gestaltungsmitteln arbeitet.

Platz 2: Cosmopolis
Nach zwei vergleichsweise mittelmäßigen („Tödliche Versprechen“) bzw. schockierend flachen („Eine dunkle Begierde“) Filmen findet Regieveteran David Cronenberg mit „Cosmopolis“ wieder zu alter Stärke. Robert Pattinson spielt darin auf famose Weise gegen sein „Twilight“-Image an: Als skrupelloser Finanzhai vögelt und tötet er sich durch einen nicht enden wollenden Tag zwischen Occupy-Bewegung und Prostata-Untersuchung. Die Flutschgeräusche in der Limousine bleiben für immer unvergesslich – wie viele Team-Edward-Teenies das Kino fassungslos verließen, kann man nicht einmal schätzen.

Platz 1: Dame, König, As, Spion
Ich habe diesen Film bereits im Spätherbst 2011, also einige Monate vor seinem Kinostart gesehen und ahnte damals schon: Einen besseren Film werde ich im folgenden Kinojahr nicht mehr zu Gesicht bekommen. Thomas Alfredsons erster außerhalb seiner schwedischen Heimat gedrehter Film ist eine hochkonzentrierte Carré-Adaption, die den Roman in ihrer komplexen Bildgestaltung, der faszinierenden 70er-Jahre-Rekonstruktion und einem schonungslos-tristen Bild vom Geheimdienst als menschenverachtendem Gewerbe sogar noch überflügelt. Kein leichtes Unterhaltungskino – und doch ziehen Stoff und Umsetzung den Zuschauer vollständig in ihren Bann. Ein Meisterwerk.

Dame, König, As, Spion: Besser geht Agentenfilm nicht.

Magic Moment

Die diesjährigen Kinoauftritte von Susan Sarandon waren allesamt magische Momente. Wenn man nicht gerade Meryl Streep heißt, muss man als Frau in Hollywood ab einem bestimmten Alter um jede Rolle kämpfen – und sich bestenfalls mit Schwiegermutter-Figuren in Nebenrollen abfinden. Susan Sarandon jedoch glänzte 2012 mit dem schönsten Filmkuss des Jahres in „Jeff, der noch zuhause lebt“, einer einfühlsamen Performance in „Robot & Frank“ sowie dem unfassbarsten Gastauftritt des Kinosommers – als Ex-Geliebte (!) von Adam Sandler in „Der Chaos-Dad“.

Aufreger des Jahres

Es ist zwar eine schöne Sache, wenn das Publikum einen Film für sich entdeckt, ihn nur mithilfe von Mundpropaganda zum Erfolg werden lässt und damit allen vehement von vornherein auf Hit gebürsteten Produktionen ein Schnippchen schlägt – doch warum das ausgerechnet bei einer konventionellen, gefühlsduseligen und geschönten Feel-Good-Komödie wie „Ziemlich beste Freunde“ der Fall sein musste, ärgerte mich dann doch ein wenig. Der Hype um diesen Film nahm 2012 Ausmaße an, die zwar durchaus irgendwie faszinierend, aber bald eben auch recht nervtötend waren.

„Darauf freue ich mich 2013 am meisten“

1. Rob Zombies „The Lords of Salem“ – alles außerhalb eines Meisterwerks ist mehr als unwahrscheinlich. 2. „Oz: The Great and Powerful“ von Sam Raimi. Der Trailer mag zwar ein wenig zu sehr nach Tim Burtons “Alice im Wunderland” aussehen, doch ich bin mehr als neugierig, was Wunderkind Raimi dem Zauberer von Oz für Facetten abgewinnen wird – insbesondere, wie wohl Danny Elfmans Film-Score sowie die extra komponierten Songs klingen mögen. 3. Als einer der wenigen, die von „Thor“ wirklich begeistert waren, freue ich mich auch auf die Fortsetzung zum Hammer schwingenden Marvel-Superhelden. Jawohl.

Mach mit: Wähle den Film des Jahres und gewinne einen Widescreen-Monitor von LG