Auf ein Jahr mit Hunderten von Filmen zurückzublicken, ist eine schwierige Angelegenheit. Insbesondere dann, wenn man darüber sinniert, ob es nun ein gutes oder ein schlechtes Jahr war. Im Grunde kann man das nicht allgemeingültig sagen, denn die Kinosäle werden mit zweierlei Filmen befüllt: den großen Effektorgien und den kleineren Filmen.

Was die Effekt-Extravaganzen des Jahres 2011 betrifft, so bleibt nur zu sagen: Was für ein grauenhaftes Jahr. Auf jeden guten – oder wenigstens unterhaltsamen – Film folgte gleich eine ganze Reihe von Rohrkrepierern. Was das kleinere Kino betrifft – Independent, günstiger budgetiert, aber auch Arthaus – sieht es schon ganz anders aus. Da hat das Kino etwas gewagt, erstaunlicherweise vor allem in der Science-Fiction, bei der den Effektfilmen mal kräftig Verstand entgegengesetzt wurde.

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Nachdenken ausdrücklich erwünscht!

Besonders auffällig ist, dass es gleich mehrere Filme gab, die in erster Linie Dramen sind, aber ihre Geschichten nur erzählen können, weil ein SF-Element vorhanden ist. Womb hätte ohne die Möglichkeit, dass Eva Green ihren verstorbenen Freund als Baby klont und ihn austrägt, nicht funktioniert. Alles, was wir geben mussten haut nur hin, weil Mark Romanek eine Dystopie erschafft, in der Menschen gezüchtet werden, um als Organspender zu dienen.

Jahresrückblick - Von Harry Potter bis Twilight: Die Höhen und Tiefen des Kino-Jahres 2011

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Schöner Trend 2011: Science-Fiction zum Mitdenken.
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Another Earth braucht die zweite Erde als Doppelgänger, um seine Geschichte in Gang zu bringen. Und Perfect Sense braucht eine Welt, in der die Menschen langsam ihre Sinne verlieren. Allen vier Filmen ist gemein, dass sie sich mit der menschlichen Dimension ihrer Geschichten beschäftigen. Es ist nicht der Outer Space, sondern der Inner Space, der hier in den Vordergrund rückt.

Das hat sich an der Kinokasse, wie nicht anders zu erwarten, nicht ausgezahlt. In erster Linie wurde hier das Publikum von Programmkinos angesprochen. Anders hingegen bei Matt Damon in Der Plan und Jack Gyllenhaal in Source Code. Beide sind höher budgetierte, auf Effekte und Action setzende Filme, für die aber auch gilt, dass beim Ansehen das Hirn nicht ausgeschaltet werden sollte. Bei ersterem, weil die Geschichte um einen Mann, der sich gegen Gottes Plan wendet, auf der Vorlage des Genies Phillip K. Dick basiert, bei letzterem, weil Duncan Jones auf ein tolles Skript zurückgreifen konnte und nicht vorhatte, seinem Erstling „Moon“ 08/15-Science-Fiction folgen zu lassen. Beide Filme schlugen sich an der Kinokasse ganz gut, wobei „Source Code“ in Deutschland die Nase vorn hatte, obwohl er mit einem leicht schwächeren Startwochenende debütierte.

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Eine der Überraschungen des Jahres: Planet der Affen Prevolution war angenehm clever.
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Nicht ganz in derselben Riege spielt Ohne Limit, dessen Thema interessanter ist als die Umsetzung, gibt Bradley Cooper doch einen Mann, der dank eines Wundermittels in der Lage ist, die gesamte Kapazität seines Gehirns zu nutzen. Das verkommt im Film leider etwas zu sehr zur actionreichen Nummernrevue. Finanziell schlug sich Cooper nicht schlechter als Damon und Gyllenhaal.

Zu den angenehmen Überraschungen des Jahres gehörte trotz des dümmlichen Titels Planet der Affen: Prevolution, der seine Geschichte ausgesprochen intelligent präsentiert – und noch dazu nicht nur feiste Action, sondern auch knackige Effekte bietet. Dass Fox gerade versucht, Andy Serkis eine Nominierung als bester Nebendarsteller (eigentlich ist er ja ein Hauptdarsteller, aber die Academy kann so merkwürdig sein, wenn mal etwas aus der Reihe fällt) zu verschaffen, ist verdient.

Die Kehrseite der SF-Medaille

Leider gab’s auch unsäglichen Schrott. Das fing schon mit der Teenie-Schmonzette Ich bin Nummer 4 an, die sich anfühlt wie eine ausgelutschte Episode von „Smallville“. Nein, Kommando zurück, selbst die miesesten „Smallville“-Folgen besitzen mehr Unterhaltungswert als dieser Kinofilm. Nicht minder grauenhaft, aber dafür immens erfolgreich war Transformers 3, der diesmal in 3D daherkam, was aber allenfalls die räumliche, nicht die inhaltliche Tiefe betraf.

Michael Bay, der gerne komplett verurteilt wird, hat in seinem Leben ja tatsächlich mal ein oder zwei Filme gemacht, die ganz gut anschaubar sind, aber die Robotspekaktel gehören nicht dazu. Gewohnt wirr wird eine hanebüchene Geschichte erzählt. Der größte Hohn ist jedoch, dass Bay und Konsorten im Vorfeld noch krakeelten, sie hätten aus den Fehlern des zweiten Teils gelernt. Pustekuchen, auf der dunklen Seite des Mondes ist es genauso schrottig wie zuvor auf der Erde.

Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Mehr als 1,1 Milliarden Dollar weltweit sprechen eine deutliche Sprache. Von einem solchen Ergebnis kann Cowboys & Aliens nur träumen. Jahre in der Vorproduktion, sollte der Film das produzierende Studio Platinum Dunes retten, aber das sündhaft teure Werk ist weit davon entfernt, national wie global auch nur die Kosten wieder hereinzuholen. Als das Ding in den USA sehr weich startete, war klar, dass man Harrison Ford und Daniel Craig in einem zweiten Teil nicht mehr sehen würde.

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Mindestens so erfolgreich wie dämlich: Transformers 3.
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Western performen traditionsgemäß in USA am besten und werden im Rest der Welt lauwarm empfangen. Dass das Ding am Marterpfahl verendete, überrascht nicht. Hier stimmte einfach gar nichts: Story mau, Drehbuch schlecht, Schauspieler gelangweilt, Erzählfluss am Versickern, kurz: alles schlecht.

Ganz so schlimm ist es bei The Thing, dem Premake – ein Prequel, das in jeder Beziehung wie ein Remake daherkommt – von John Carpenters Film aus den frühen 80er Jahren nicht. Er ist unterhaltsam, aber wirklich toll kann man ihn wohl nur finden, wenn man Carpenters Original nicht kennt. Das weltweite Einspielergebnis war unglaublich bescheiden.

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The Thing: Remake zum Abgewöhnen.
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Besondere Erwähnung sollte noch Iron Doors finden. Eine deutsche Produktion, bei der ein Mann in einem Raum eingesperrt ist und versucht, freizukommen, wobei er im nächsten Raum eine Frau trifft, die auch keinen blassen Dunst hat, was hier vorgeht. Klingt nach „Cube“, ist aber anders. Mit SF hat das Ganze eigentlich auch nichts zu tun, bis zum Twist-Ende.

Das Jahr der Superhelden

Fünf Superhelden-Filme gab es 2011. Wirklich stinken tut nur einer. Und der ist grün. Nein, Green Hornet ist es nicht. Der auf einer hierzulande nur wenig bekannten Figur basierende Film ist zwar kein Anwärter für Preise, funktioniert mit einem gut aufgelegtem Seth Rogen und einem schön fiesen Christoph Waltz als flotte Actionkomödie ganz gut. Der Grünschnabel, der Comic-Fans ins Toben bringt, ist Green Lantern. Darauf, den DC-Helden in bewegter Form auf der Kinoleinwand zu sehen, hatten Fans schon lange gewartet. Umso enttäuschender das Ergebnis.

Dass Warner bewusst war, was für einen Stinker man an der Hand hat, konnte man schon an der Marketing-Kampagne sehen. Die versuchte frecher Weise, den Film als etwas zu verkaufen, was er nicht ist. In der Werbung konzentrierte man sich vor allem auf das Green Lantern Corps und die Weltraumsequenzen, im Film nimmt das alles nur ein paar Minuten in Anspruch.

Woran es liegt, dass aus dem Film nichts wurde? Mag sein, dass der schlafwandelnde und an Comics desinteressierte Regisseur Martin Campbell die falsche Wahl war. Nicht mal Break Even konnte der Film erreichen, bei Warner spricht man aber trotzig von einem Sequel, das kommen wird. Wahrscheinlicher ist ein Reboot, wie ihn Zack Snyder zurzeit auch mit „Superman – Man of Steel“ macht.

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Fast schon wie ein James-Bond-Klassiker: Comic-Überraschungs-HIt X-Men: Erste Entscheidung.
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Von Marvel gab es Thor und Captain America. Beide erwiesen sich als überraschend gut, „Thor“ profitiert von Kenneth Brannaghs opernhafter Inszenierung Asgards, „Captain America“ erweist sich als erstaunlich unpeinlich und richtig knackiger Actionfilm mit überzeugender menschlicher Komponente. Das Highlight des Jahres – ja, der beste der Blockbuster-Filme 2011 – ist jedoch X-Men: Erste Entscheidung, bei dem man im Vorfeld auch nicht recht wusste, ob das nicht eine Gurke werden würde.

Aber Matthew Vaughn hat einen ansprechend komplexen, das Zeitkolorit nutzenden Film abgeliefert, der in seinen besten Momenten sogar James-Bond-Feeling besitzt. An der Kinokasse wurde das belohnt. So wie alle drei Marvel-Filme international sehr gut liefen.

Sommerschock

Die Sommermonate sind traditionell die heiße Zeit des Kinojahrs. Woche für Woche kommen die teuren Heavyhitter, die Tentpoles, die Unsummen gekostet haben, Unsummen einspielen und die Studios am Laufen halten sollen. Finanziell geht das durchaus oftmals auf, künstlerisch bleiben die Filme oft auf der Strecke. 2011 war besonders grausam. Wo die Comic-Verfilmungen noch mehrheitlich überzeugen konnten und der „Planet der Affen“ eine freudige Überraschung war, gab es mit „Transformers 3“ und „Cowboys & Aliens“ echte Qualitäts-Sargnägel. Aber das waren längst nicht die einzigen.

Wo Fast & Furious 5 wenigstens noch mit viel Action glänzen konnte – und ohnehin nie mehr sein wollte als dummer Krawall – war Pirates of the Carribean – Fremde Gezeiten ein Ärgernis vor dem Herrn. Die Geschichte ist ungleich kleiner als bei den Vorgängern, die großen Effektorgien hat man zurückgedreht, dafür gibt es die nervige Penelope Cruz und einen Johnny Depp, der als Captain Jack nichts, aber auch gleich gar nichts Neues bieten kann. War er im ersten Pirates-Film noch so genial, weil originell, so kennt man die Captain-Jack-Routinen mittlerweile zur Genüge. Und das 3-D war auch für die Katz!

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Pirates of the Carribean - Fremde Gezeiten: Nichts Neues auf dem Piratenschiff.
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Origineller gestaltete sich schon der Thriller Wer ist Hanna? mit Teenager Saoirse Ronan als Killerin. Optisch und akustisch wurde hier Neuland betreten. Der Soundtrack der Chemical Brothers ist grandios. Diesem Film gegenüber stehen Milo und Mars (mit den gruseligsten Uncanny-Valley-Momenten des Jahres!), der Abschied von Harry Potter (endlich ist es vorbei; aber mal ehrlich: Der Finalkampf mit Voldemort war doch wohl lächerlich ohne Ende), passable, aber auf Kinder abzielende Schlümpfe, J.J. Abrams E.T.-Verschnitt Super 8, der nie so recht weiß, ob man das Monster nun bemitleiden oder fürchten soll (vielleicht eher letzteres: Es frisst auch Menschen!), Cars 2 als miesester Pixar-Film aller Zeiten, der Vampir-Endzeit-Western Priest, der wie eine Videopremiere anmutet, und die enttäuschenden Abenteuer von Tim & Struppi.

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Titanen unter sich: Spielberg und Jackson machen Tim & Struppi.
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Überraschend gefällig war hingegen Real Steel, obwohl man von dem im Vorfeld erwartet hatte, dass er die Lachnummer des Jahres werden würde. Auf der Haben-Seite fanden sich im Sommerprogramm außerdem Kung Fu Panda 2, Die drei Musketiere (auch wenn sich an dem die Geister scheiden) und Fright Night. Letzterer ging an der Kinokasse unter, während viele der o.g. Filme nach Schema F tatsächlich gutes Geld machten. Nur „Milo und Mars“ war ein Killer, will Disney den Motion-Capture-Fetisch von Produzent Robert Zemeckis aufgrund dieses Dollargrabs (150 Millionen Dollar Kosten bei weltweitem Einspiel von 38 Millionen Dollar) doch nicht mehr weiterfinanzieren.

Gruseln will gelernt sein

Die Eurokrise ist der wahre Horror des Jahres 2011 – da können die Schauervisionen Hollywoods einfach nicht mithalten. Dabei gab es 2011 eine durchwachsene Melange großer und kleiner Filme. Ein paar waren aber sogar echt gut. Ganz weit oben spielt Tucker & Dale vs. Evil mit, der zwar eher in Richtung Komödie geht, aber auch nicht davor zurückschreckt, einen jungen Mann im Häcksler zu zerlegen.

Scream 4 erwies sich als erstaunlich cleverer Kommentar auf das moderne Genre, blieb aber einspielmäßig hinter den Erwartungen zurück, Insidious von den „Saw“-Machern war dann angsteinflößender als alle Torture-Porn-Filme zusammen, und Attack the Block schickt Ghetto-Kids gegen wolfsähnliche Weltraummonster in den Kampf. Das waren die Highlights des Jahres, wobei Drive Angry und Final Destination mit ihren 3-D-Spielereien als Jahrmarktsattraktionen auch für Heiterkeit sorgten.

Im Mittelfeld spielen der Exorzisten-Film The Rite, der Lift-Horror Devil und John Carpenters Comeback The Ward mit. Am Bodensatz wurde aber auch heftig darum gestritten, wer nun der schlechteste Film des Jahres sein darf. In diese Arena begaben sich Wes Cravens My Soul to Take, Hidden 3D, der deutsche Urban Explorer und der fischige Shark Night. Mit Ausnahme des deutschen Genre-Beitrags versuchten alle mit 3-D zu punkten. Aber wenn die Filme nichts taugen, lockt man mit der dritten Dimension auch keinen Hund hinterm Ofen vor. Und fürs Protokoll: „Hidden 3D“ ist der mieseste Film des Jahres.

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Red Riding Hood: Auch Twilight-Fans lassen sich nicht jeden Mist andrehen.
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Nett, wenn auch umstritten, ist Der letzte Tempelritter, in dem Nicolas Cage am Ende gegen ein Monster kämpft, das wie Sardo Numpsa aus „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“ aussieht. Catherine Hardwickes Red Riding Hood als Grusel-Märchen für „Twilight“-Fans zeigt, dass a.) die „Twilight“-Fans nicht blöd genug sind, sich jeden halbgaren Quatsch andrehen zu lassen, oder b.) man nicht mit Gewalt „Twilight“-ähnliche Filme drehen und darauf hoffen kann, damit Erfolg zu haben.

Verliebt und glücklich

Für die Romantiker, die Frauen und jene Männer, die ihre Frauen begleiten müssen, gab es 2011 auch wieder viel Herzschmerz im Kino zu erleben. Zumeist in komödiantischer Form verpackt, sollte die Liebe sich entfallen. Gleich zu Jahresbeginn gab es einen echten Hammer: Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive. Die TV-Spots ließen den Film wie eine leichte Komödie erscheinen. So mancher wird im Kino eine böse Überraschung erlebt haben, denn der recht ernsthafte Film befasst sich damit, dass Jake Gyllenhaal seine Anne Hathaway liebt, aber entscheiden muss, ob er mit einer Frau zusammen sein kann und will, die an Parkinson leidet. Da bleibt das TV-Spot-generierte Lachen im Halse stecken!

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What a Man: Matthias Schweighöfers enttäuschte Kritiker, nicht aber an den Kinokassen.
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Deutlich lockerer ging da schon Morning Glory vonstatten, in dem Harrison Ford nach vielen Jahren mal wieder richtig schön locker agiert und einen alternden Fernsehjournalisten spielt, der nun Frühstücksfernsehen machen muss. Für die jüngeren Zuschauer gab es dann noch Powder Girl mit der charmanten Felicity Jones. Schön an dem teils in Deutschland gedrehten Film war der britische Humor.

Feundschaft Plus und Freunde mit gewissen Vorzügen beackerten dasselbe Feld. Der erste mit Ashton Kutcher und Natalie Portman ist besser besetzt, aber auch zahmer, der zweite mit Mila Kunis und Justin Timberlake war dann etwas ungezogener. Beide sind aber allenfalls Standardware, die es gerade in diesem Genre Jahr für Jahr zuhauf gibt.

Dem deutschen What a Man waren sie aber dennoch haushoch überlegen. Matthias Schweighöfers Regiedebüt kaut jedes Klischee wider, dass man aus diesem Genre kennt. Das Ergebnis ist eine fade Melange, die erstaunlich stark lief und viele Zuschauer anzog. Traurige Sache, das. Fremd Fischen war ähnlich steril und frei von Kino-Magie, während „Brautalarm“ als Judd-Apatow-Produktion das typische Problem hatte: viel zu lang. Wie bei jeder Apatow-Produktion hätte man auch hier locker 20 Minuten rauskürzen können, um den Fluss zu verbessern.

Gewohnt schräg und polarisierend war Gregg Arakis Kaboom, der mit SF-Elementen nicht geizt. Wer seinen Nowhere kennt, wird nicht überrascht, was hier abgeht. Als Teenie-Romanze mit Momenten von Tiefgang gab es dann noch Von der Kunst, sich durchzumogeln, in dem Emma Roberts die Hauptrolle spielt.

Anne Hathaway war 2011 schließlich auch noch in Zwei an einem Tag zu sehen und ebenso wie bei „Love and other Drugs – Nebenwirkung inklusive“ wird hier zwar der eine oder andere Gag geboten, aber die Bestsellerverfilmung ist in erster Linie ein echtes Drama, das auch nicht davor zurückschreckt, dorthin zu gehen, wo es weh tut.

Alles schon mal dagewesen

Remakes gab es natürlich auch 2011 wieder. Wie zu erwarten, waren die meisten überflüssig wie ein Kropf. Einzig herausgestochen hat True Grit von den Coen-Brüdern, die sich mehr auf die Roman-Vorlage, denn auf den John-Wayne-Western verlegten und mit Jeff Bridges in der Hauptrolle einen großartigen Film ablieferten. Das weltweite Einspiel überraschte wohl sogar die Coens – für die Brüder ist dies ihr erfolgreichster Film.

72 Stunden – The Next Three Days ist eine Magermilchversion des französischen Films „Ohne Schuld“. Das Problem: Paul Haggis setzt auf Weichspüler, macht die arme Inhaftierte zur Unschuldigen und interessiert sich auch nicht für Thriller-Elemente, sondern gestaltet seelenlose Action. Verdientermaßen wollte das im Kino kaum jemand sehen. Ähnlich übrigens wie bei Jason Statham als The Mechanic. Der moderne Action-Star schlüpft hier in die Rolle, die einst Charles Bronson spielte. Und wieder: Damals Thriller, heute hirnlose Action.

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Meisterwerk der Coen-Brüder: True GRit.
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Die größte Enttäuschung des Jahres war aber Conan, der Barbar. Gut, technisch gesehen eine Neuinterpretation der Romanfigur und weniger ein Remake, aber gefühlt ein Rohrkrepierer, wie ihn wohl nur ein Marcus Nispel so richtig hinbekommt. An diesem Film stimmt leider gar nichts. An der internationalen Kinokasse ging das teure Produkt unter wie ein Stein. Von dem Barbar wird man auf lange Sicht nichts mehr hören und sehen!

Kurz erwähnt sei auch Hangover 2. Der ist zwar nominell ein Sequel, aber die Macher hatten keinen Bock, etwas zu wagen und haben stattdessen einfach den ersten Film mit minimalsten Veränderungen noch mal gedreht. War zwar erfolgreich, ist aber ein künstlerischer Offenbarungseid.

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Großer Mist, Riesenerfolg: Paranormal Activity 3.
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Gott, warum konnte es nicht verschwunden bleiben?

Das unselige Found-Footage-Genre schlug auch wieder zu. Drei Filme, dreimal lähmende Langeweile. Egal, ob man mit Trollhunter nach Trollen Ausschau hielt, mit der Apollo 18 zum Mond flog und unscheinbare Steinmonster fand, oder in Paranormal Activity 3 die Vorgeschichte zum Geisterspuk miterlebte, taugen tun sie allesamt nichts. Allen drei ist gemein, dass sie erst in den letzten Minuten so was wie Spannung erzeugen. Erfolgreich war ohnehin nur „Paranormal Activity 3“, so dass man nächstes Jahr sicherlich mit dem vierten Film rechnen muss.

Die Geheimtipps

Ein paar Filme liefen mehr oder minder unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das aber unverdient. Winter’s Bone brachte das Talent von Jennifer Lawrence ans Licht. Sie war dann auch gleich noch in Jodie Fosters Der Biber zu sehen, in dem die Regisseurin ihrem Kumpel Mel Gibson eine schmackhafte Rolle gab. Der spielt einen Mann, der eine Depression hat und nur aus dieser herauskommt, als er beginnt, mit einer Handpuppe, dem Biber, zu den Menschen um ihn herum zu sprechen. Grandiose Darstellung von Mad Mel, die eigentlich oscarwürdig wäre, aber die Academy wird ihn in hundert Jahren nicht nominieren.

Aus Mexiko kommt der Kannibalenschocker Wir sind was wir sind, der nicht auf blutige Effekte setzt, sondern von seiner durch und durch nihilistischen Atmosphäre lebt. Der französische Kleine wahre Lügen mit Star-Besetzung (u.a. Jean Dujardin und Marion Cottilard) ist so etwas wie die umgekehrte Version von „Der große Frust“. Hier treffen sich die Freunde nicht, weil einer der ihren gestorben ist. Eher, weil man Urlaub braucht und es da auch scheißegal ist, dass einer der ihren im Krankenhaus im Sterben liegt.

Pedro Almodovar sorgte mit Die Haut, in der ich wohne für den Mindfuck des Jahres und Alex de la Iglesias präsentierte mit Mad Circus – Eine Ballade vom Liebe und Tod einen jener seltenen Filme, bei denen man nicht vorhersehen kann, was gleich passieren wird. Immer, wenn man denkt, jetzt weiß man, wie der Hase läuft, fegt einen diese Clowns-Posse wieder von den Füßen.

Der Comedy-Kracher des Jahres

Okay, es ist ein dumpfer Film. Sozusagen die Flodders des neuen Jahrtausends, aber New Kids Turbo mit seinen arbeitsscheuen Vokuhila-Pennern ist so dämlich, dass es einfach lustig ist. Daran mögen sich die Geister scheiden, aber so unflätig war eine Komödie schon lange nicht mehr. Beide Daumen hoch.

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Tree of Life erklärte dieses Jahr den Sinn des Lebens - zumindest denen, die den Film verstanden haben...
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Der Freak-Film des Jahres

Tree of Life. Terrence Malicks schwer zugänglicher Film, der von seinem Zuschauer erwartet, dass er über das Leben nicht nur nachdenkt, sondern das Geschehen auf der Leinwand auch interpretiert. In den Kinos der Nation fanden sich einige Individuen, die wohl von Brad Pitt angelockt wurden, aber ansonsten nichts verstanden. Darum: Mitunter konnte man sich nicht nur am Film, sondern auch am Publikum erfreuen.

Der Stummfilm des Jahres

Gut, es gab nur einen, aber die rekonstruierte Version von Fritz Langs Metropolis ist nun mehr denn je einer der besten Filme aller Zeiten. Lang bedient sich hier einer Bildsprache, die enorm modern ist, was auch dazu beiträgt, dass die 145 Minuten wie im Flug vergehen.

Und was tat sich sonst?

Der umtriebige James Franco spielte in Howl – Das Geheul den Poeten Allen Ginsburg und war damit in einem der interessantesten, seiner Experimentierwut wegen aber auch sperrigsten Filme des Jahres zu sehen. Außerdem moderierte er die Oscars, sah dabei aus, als wäre er stoned, und war in nicht weniger als vier weiteren Filmen zu sehen: „Planet der Affen: Prevolution“, „127 Hours“, „Green Hornet“ und „Your Highness“.

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Eine der beeindruckendsten Darbietungen des Jahres: Natalie Portman in Black Swan.
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Natalie Portman bekam den Oscar als beste Hauptdarstellerin in Black Swan, Tron Legacy erwies sich als würdige Fortsetzung des SF-Klassikers, Clint Eastwood zeigte in Hereafter, wie verheerend ein Tsunami eigentlich ist, und Liam Neeson hatte eine Unknown Identity.

Es gab viel Thriller-Kost, mal fad wie Roommate, dann wieder spannend wie Eine offene Rechnung, ansteckend wie Contagion, realistisch wie Der große Crash, historisch wie Anonymus (Roland Emmerich mal ohne Knalleffekt!) oder herrlich nordisch wie Easy Money.

Zu lachen gab es abseits der Romcoms einiges, auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt. Lassen wir den Schrott einfach außen vor und konzentrieren uns auf die Highlights: Cameron Diaz als Bad Teacher war zum Schreien komisch und Paul – Ein Alien auf der Flucht mit Simon Pegg und Nick Frost (beide bekannt aus „Shaun of the Dead“) ist eine Art Funny-Version von E.T. – und im Deutschen wird Paul von Bela B. gesprochen. Hätte grausam sein können, war’s aber nicht.

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Spaltete die gamona-Filmredaktion: Mission Impossible - Phantom Protokoll.
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Historische Action nach einem Jugendbuchklassiker gab es mit Der Adler der neunten Legion, während Faster Ex-Wrestler The Rock endlich wieder mal richtig draufhauen lässt. In World Invasion: Battle Los Angeles wird gegen Aliens gekämpft, wobei man Ridley Scotts „Black Hawk Down“ als eine Art Blaupause verwendete. Bei Mission Impossible – Phantom Protokoll scheiden sich die Geister in der Redaktion. Der Krieg der Götter hat aber zumindest jedem optisch gefallen. Außerdem ermittelte Robert Downey Jr. wieder als Sherlock Holmes.

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Für die einen das Höchste, für die anderen direkt aus der Hölle: Breaking Dawn.
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Woody Allen hat mit Midnight in Paris einen zauberhaft schönen Film gemacht, Lars von Trier lässt in Melancholia beeindruckend die Welt untergehen, The Fighter ist der wohl überschätzteste Film des Jahres, Peter Weir meldete sich mit The Way Back zurück und Breaking Dawn ist einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Da würde man sich fast wünschen, Melancholia würde endlich dieser Welt den Garaus machen.

Die zehn erfolgreichsten Filme des Jahres

Diese Gruselliste (Stand: 15.12.2011) zeigt, dass die Welt ein hässlicher und ungerechter Ort ist, an dem Schönheit und Originalität nur auf den hinteren Rängen existieren.

10. Black Swan (2.188.454)
9. The King’s Speech (2.407.982)
8. Fast & Furious Five (2.459.558)
7. Transformers 3 (2.579.855=
6. Die Schlümpfe (2.699.089)
5. Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 1 (2.753.049)
4. Hangover 2 (4.087.097)
3. Kokowääh (4.315.083)
2. Pirates of the Carribean – Fremde Gezeiten (4.394.707)
1. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 (6.463.091)

Die ruhmreichen Toten

Auch im Jahr 2011 traten viele große und kleine Stars endgültig von der Bühne ab. So einige erreichten ein hohes Alter und hatten ein erfülltes Leben. Zu jung starb Spartacus-Star Andy Whitfield, der im Alter von 39 Jahren den Kampf mit dem Krebs verlor.

Vico von Bülow (Schauspieler, „Papa ante Portas“)
Peter Falk (Schauspieler, „Columbo“)
James Arness (Schauspieler, „Rauchende Colts“)
Elizabeth Taylor (Schauspielerin, „Cleopatra“)
Peter Alexander (Schauspieler, „Im weißen Rößl“)
Pete Postlethwaite (Schauspieler, „Im Namen des Vaters“)
Anne Francis (Schauspielerin, „Alarm im Weltall“)
Jane Russell (Schauspielerin, „Ein verrückter Trip nach Bali“)
Andy Whitfield (Schauspieler, „Spartacus: Blood and Sand“)
Susannah York (Schauspielerin, “Franklyn”)
Ken Russell (Regisseur, “Der Höllentrip”)
Sidney Lumet (Regisseur, „Die zwölf Geschworenen“)
Michael Gough (Schauspieler, „Batman“)
Jeff Conaway (Schauspieler, „Babylon 5“)
John Neville (Schauspieler, „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“)
Bubba Smith (Schauspieler, „Police Academy“)
Charles Napier (Schauspieler, “Rambo II”)
David Hess (Schauspieler, „Mondo Brutale“)
John Barry (Komponist, „James Bond“)
Peter Yates (Regisseur, “Bullitt”)
Laura Ziskin (Produzentin, “Spider-Man”)
Bernd Eichinger (Produzent, „Der Untergang“)
Jimmy Sangster (Autor, „Frankensteins Fluch“)
Andrew Laszlo (Kameramann, „Rambo“)
Richard Gordon (Produzent, „Inseminoid“)
Friedrich Schönfelder (Schauspieler, “Otto – Der neue Film”)

Das Schlusswort

Das war das Filmjahr 2011. Es gab viel Gutes, noch mehr Schlechtes, viel dazwischen und jede Menge Filme, bei denen sich die Geister scheiden. Was waren eure High- und Lowlights des Jahres 2011? Lasst es uns wissen!

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