17 Romane lang hat es gedauert, bis Lee Childs Thriller-Reihe um den Antihelden Jack Reacher einen ersten Film bekommt, der direkt das Kinojahr 2013 einläuten darf. In der Titelrolle ist kein geringerer als Tom Cruise zu sehen, der diesmal einen Ethan Hunt in einer Mission Possible verkörpert.

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Na gut, eigentlich spielt er diesmal „Jack Reacher“, der sich von der Spielweise her aber kaum von Ethan Hunt unterscheidet. Außer dass die Mission nicht so unmöglich wie sonst erscheint und die atemberaubenden Herzinfarktszenen fehlen.

Robin Hood des 21. Jahrhunderts

Alles beginnt mit einem grausamen Massaker auf den Straßen einer Kleinstadt in Indiana. Fünf Menschen werden aus der Ferne kaltblütig erschossen. Alle Indizien sprechen zweifelsohne gegen den ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr, von dem DNA-Spuren am Tatort gefunden werden. Beim Verhör bringt Barr kein Wort über die Lippen. Er schreibt einzig drei Worte auf ein Stück Papier „Get Jack Reacher“. Doch wer ist dieser Jack Reacher und was hat er mit dem Fall zu tun?

Jack Reacher ist ein eigenbrötlerischer Ex-Ermittler des Militärs, ein zynischer und unberechenbarer Einzelgänger. Und das Schwierigste: Es ist unmöglich, ihn zu finden, außer er möchte gefunden werden. Doch kaum wurden diese Worte gesprochen, schon erscheint Reacher auf der Bildfläche. Anfangs ist er noch vollkommen davon überzeugt, dass Barr der kaltblütige Mörder ist. Hatte er während des Golfkriegs doch auch schon einmal vier Menschen erschossen, wofür er nicht verurteilt wurde.

Damals schwor sich Jack Reacher, Barr dafür hinter Gitter zu bringen. Doch dessen schöne Anwältin Helen Rodin (Rosamund Pike) fordert Gerechtigkeit und ist überzeugt, dass ihr Klient nicht der Täter ist. Und auch Reacher muss sich eingestehen, dass mehr hinter dem Massaker steckt, als ein durchgedrehter Armee-Scharfschütze. Und so nimmt er sich des Falls an, denn auch Reacher strebt nach Gerechtigkeit.

Jack Reacher - Mission Possible

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Ethan Hunt (Tom Cruise) als Jack Reacher... oder so.
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Aus Buch wird Film

Jack Reacher existiert auf dem Papier bereits seit 16 Jahren. 1997 erschien der erste Band der Reihe vom britischen Autor Lee Child, die inzwischen bereits 17 Reacher-Romane umfasst. „Killing Floor“ (auf dem deutschen Markt „Größenwahn“) war der Debütroman. Die Story, die dem Film zu Grunde liegt, stammt jedoch aus dem neunten Band „One Shot“ (deutscher Titel „Sniper“) aus dem Jahr 2005.

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Man wählte diesen Titel, weil „One Shot“ laut Produzent Don Granger der vermutlich filmischste aller Reacher-Romane sei. „Innerhalb des Romans finden sich gewisse Elemente, die wir als wichtig und bedeutsam für einen ersten Film mit der Figur empfanden. Zunächst hat er einen der besten Auftritte von Reacher überhaupt – er wird absolut genial in einen Plot eingeführt, der bereits am Laufen ist. Aber vor allem ist die Vorlage ideal, weil Reacher vor ein moralisches Dilemma gestellt wird“, erklärt Don Granger.

Jack Reacher kam, wurde gesehen und ward dann auch schon wieder vergessen.Fazit lesen

Dass Tom Cruise dabei den 1,96 Meter großen, über 100 Kilogramm schweren Ex-Ermittler des Militärs spielen würde, hätte anfangs vermutlich keiner gedacht. Doch Lee Child ging es bei seiner Auswahl der Hauptrolle nicht um Äußerlichkeiten, sondern um die Verkörperung Reachers innerer Werte, die hauptsächlich moralischer Natur sind.

Und die Moral von der Geschicht‘…

Und deswegen werden die unterschiedlichsten moralischen und pseudophilosophischen Floskeln bis zum Ende des Films, der auch noch mit einem moralischen Endplädoyer endet, immer wieder durchgekaut. Denn Jack Reacher fühlt sich nicht nur als Ermittler in einem schlimmen Kriminalfall, sondern auch als moralische Institution im Sinne eines pädagogischen Robin Hoods des 21. Jahrhunderts.

So trägt er zum Beispiel der Anwältin Helen Rodin zuerst einmal auf, die verbliebenen Familien der Opfer zu besuchen, um mit ihnen über die Ermordeten zu reden. Denn kalte, juristische Theorie ist Reacher nicht genug. Mitgefühl und ein näherer Blick auf die Katastrophe gehören dazu, um die Gerechtigkeit durchzusetzen, für die Reacher so vehement kämpft.

Doch das geht nicht immer ohne Gewalt und eine gute Portion Action. Denn natürlich kommt bei einem Film mit Tom Cruise die Action nicht zu kurz. Eine ellenlange und rasante Verfolgungsjagd ist genauso Teil des Films wie großangelegte Schießereien und unbewaffnete Kontaktkämpfe im Stil von militärischen Angriff- und Verteidigungstechniken.

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Die Romanreihe "Jack Reacher" umfasst bereits 17 Bände.
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Hier hat man leider das Gefühl, dass der Film gen Ende zu viele Actionelemente unterbringen will, denn Spannung wird durch sie weniger aufgebaut. Zu Beginn präsentiert sich der Film nämlich noch als relativ ruhiger und atmosphärischer Thriller, der jedoch zunehmend gewalttätiger und zum Ende hin mit gestellt wirkenden Actionszenen zugestopft wird.