„Nazis auf dem Mond“ – das ist das High Concept von „Iron Sky“, einer finnisch-australisch-deutschen Co-Produktion, an der die Macher seit vielen Jahren arbeiten. Für die sie aber erst 2010 den Großteil der Finanzmittel zusammen hatten, um mit der Produktion des 7,5 Millionen Euro teuren Films zu beginnen. Ein guter Teil dieses Geldes wurde über traditionelle Quellen akquiriert, für einen kleinen Teil griff man auf Crowd-Funding zurück. Das Ergebnis liegt nun vor, aber wie ist der Film zu bewerten? Totaler Trash? Durchwachsen? Am Ende gar richtig gut?
Amüsanter Film, der aus einer albernen Prämisse tatsächlich genug Stoff für einen abendfüllenden Film herausholt.FazitZwei amerikanische Astronauten landen auf dem Mond. Es soll eigentlich eine ganz normale Mission sein, doch dann geht etwas schief. Sie entdecken auf der dunklen Seite des Mondes eine gewaltige Festung. In dem Moment werden sie von Soldaten der Wehrmacht umstellt, einer der beiden erschossen, der andere gefangengenommen.
Klaus Adler (Götz Otto) bringt den Astronauten James Washington (Christopher Kirby) zu seinem Führer (Udo Kier). Man glaubt, die Erdlinge bereiten eine Invasion des Mondes vor. Dabei sind die Mond-Nazis noch nicht bereit, ihrerseits gegen die Erde vorzugehen. Für ihre gigantische Waffe, die Götterdämmerung, fehlt ihnen noch ein leistungsfähiger Computer. Washingstons Handy würde ausreichen, doch es wird zerstört, weswegen Adler anbietet, zur Erde zu fliegen und Nachschub an leistungsfähigen Computern zu besorgen.
Nazis auf dem Mond. Klingt aufregend, ist es auch.Washington soll ihn führen, wobei ihn Dr. Richter (Tilo Prückner) zuvor arisiert, woraufhin der Afroamerikaner plötzlich weiß und blond ist. Zur Erde begleitet werden sie von Renate Richter (Julia Dietze), der künftigen Braut von Adler, die als Erdexpertin gilt.
Washington kommt ihnen abhanden, während es den beiden Nazis gelingt, zur Präsidentin der USA vorzudringen. Dort übernimmt Adler die Wiederwahlkampagne der Präsidentin, während er zugleich alles für die Invasion der Nazi-Flotte vorbereitet. Zudem möchte er den Führer loswerden, um selbst an dessen Stelle zu rücken.
Die Gelegenheit dazu ergibt sich, als die Nazi-Flotte zur Erde kommt. Derweil hat Washington Renate gezeigt, dass ihre Wahrnehmung des Nationalsozialismus total falsch ist. Gemeinsam wollen sie die Nazis nun aufhalten und fliegen zum Mond, während im Weltraum über der Erde ein gigantischer Kampf stattfindet und der Meteorblitzkrieg begonnen hat.
Die Entwarnung zuerst: „Iron Sky“ ist kein Rohrkrepierer und auch nicht hemmungsloser Trash à la „Der goldene Nazi-Vampir von Absam 2“. Vielmehr nimmt sich der Mondnazi-Film erstaunlich ernst und erzählt seine Geschichte trotz durchaus abstruser Ideen mit seriöser Verve. Ein bisschen Augenzwinkern muss aber schon dabei sein, wenn auch weniger in Hinblick auf die Weltraum-Nazis als vielmehr auf die Erdlinge. Das gilt ebenso für die an Sarah Palin erinnernde Präsidentin, die mit dem Slogan „Blacks to the Moon – Yes, she can“ die Wahl gewonnen hat, als auch für die Vertreter der UN, die alle doppelzüngig daherkommen und lediglich auf den eigenen Vorteil bedacht sind.
Regie: Timo VuorensolaFilmstart: Darsteller:Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier
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Aufjedenfall sein Geld wert!
Gerade der zynische Humor in dem Streifen hat mich sehr überzeugt und auch die Anspielungen auf die Politik der USA haben mich sehr zum lachen gebracht!
Das lange Warten hat sich durchaus gelohnt.
Der Film soll doch diese Woche anlaufen oder stimmen die ganzen Angaben nicht?
nächste Woche
- Enthält möglicherweise Spoiler ! -
Allerdings sind mir so einige Kritikpunkte aufgefallen. Etwa das die Handlung ein wenig arg holprig voranschreitet und dann viel zu schnell abgehakt wird, in meinen Augen Renate Richter eine völlig unglaubwürdige Charakterentwicklung durchmacht (sie ist die einzige die sich wirklich entwickelt, doch dabei ist Der Große Diktator mMn eben nicht als Aufklärungswerk geeignet, weil man Chaplins Anspielungen erst verstehen und damit die Nazis entlarven kann, wenn man das Original kennt, sonst würde Hynkel ja gerade zum Schluss FÜR die Ideologie sprechen, die Richter vertritt - eine wirkliche kritische Reflexion findet nicht statt), die Charaktere arg reißbrettartig entworfen sind (immerhin dahingehend funktionieren) und die vielen Anspielungen auf die US-Politik leider auch nicht subtil daher kommen sondern einfach übermäßig plump - was alle wissen wird hier ausgesprochen - haha wie lustig.
Und dazu hätte der Film soviele tolle Momente wo er sehr (Gesellschafts)kritisch sein könnte, etwa wenn die Präsidentin flugs Nazirhetorik adaptiert um die Wahl zu gewinnen oder die Nazisoldaten, die wirklich bedrohlich aussehen (siehe Bild) und damit perfekt die Ewig-Gestrigen eines vergangenen Krieges darstellen könnten. Dieses Bedrohungsszenario wird dann 2 Minuten später durch Hochglanznazis abgelöst, Nazis die bis auf die "Arier-Untermensch" und "Heil Hitler" Rhetorik eigentlich gar keine Nazis sind: Hier hat die Macher wohl eher der Faschismus-Stil begeistert. Man kann Nazis entweder zum Schrecken stilisieren oder veralbern und im besten Fall beides. Das gelingt Iron Sky nicht wirklich.
Insgesamt bleibt der Film unentschlossen zwischen Ernst (das Ende!) und Klamauk. Viele Gags zünden gar nicht. Ein Minimalismus wie bei Tarantino, der die Akte bewusst auf sehr wenige aber sehr intensive Moment begrenzt, wird hier Szene an Szene aneinander gereiht und die Handlung überdehnt. Man merkt dem Fan die Fanhaftigkeit doch an.
Immerhin die Effekte sind nice, die Weltraumschlacht eine Pracht aber zu schnell vorbei. Die Ideen skurril und das Setting optisch wirklich ansehnlich. Die Verflechtung Nazis-Steampunk-SciFi funktioniert und wer genau hinschaut findet etliche Reminiszenzen an andere Filme - manche gut implementiert, manche eher so naja.
Aller Kritik zum Trotz: als SciFi Fan, der auch krude Szenarien mag, im Angesicht der Produktionskosten und -bedingungen kann ich den Film (mit Freunden+Bier) 6 von 10 geben. 5 wer nüchtern reingeht. Wer das Szenario wenigstens nicht ein bisschen geil findet maximal 4 - dafür ist er zu kantig und unsauber.
Selbst wenn (oder grade weil) es nicht so trashig zu sein scheint, wie es klang^^
Der Film soll doch diese Woche anlaufen oder stimmen die ganzen Angaben nicht?
wenn dann untote zombienazis ;)
falsch - untote nazi zombies!
hoffentlich kommt der hier auch Originalversion ins Kino