Aus Gründen, die vor allem etwas mit diffus aufgebauschter Popkultur-Nostalgie zu tun haben dürften, gilt „Independence Day“ inzwischen als Klassiker. „Ach wisst ihr noch, damals? Als grell überzeichnete Charaktere, käsige Oneliner und JENER SFX-Shot für wahre Blockbuster gut waren? Einfach nur toll“...und vielleicht sogar einer der entscheidenden Antriebe für das moderne Blockbuster-Kino. „Independence Day“ hat Maßstäbe für die globale Multiplex-Unterhaltung gesetzt, was dann durchaus die Frage erlauben muss, warum die Fortsetzung 20 Jahre bis zur „Reife“ gebraucht hat? Am Drehbuch oder fast allem anderen kann's eigentlich nicht gelegen haben...

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Independence Day 2: Wiederkehr - Hochdramatische Megazerstörung. Und sonst so, alle gesund?

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Ja, die Effekte sind spektakulär. Die ganze Zeit.
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Was haben wir darauf gewartet

„Independence Day: Wiederkehr“ reiht sich ein neben „Teenage Mutant Ninja Turtles 2“, „The Huntsman & The Ice Queen“ oder „Alice im Wunderland 2“ – in dem Sinn, dass eigentlich niemand darauf gewartet hat. Eine weitere Verbindung besteht zu „Mad Max: Fury Road“, „Jurassic World“ und „Star Wars“, diesmal bezogen auf den Wunsch, die Wiederbelebung vor allem über eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit zu vollziehen. Der Titel als „brand name“, eine Fortsetzung mit deutlichen Remake-Genen und den ganz großen roten Knöpfen. Die hier geile XXL-Zerstörung, kernige Klischeetypen und unmissverständlicher Patriotismus lauten. Ob das für einen Film eine Auszeichnung ist, auf solche Eckpfeiler reduziert zu werden, wissen letztendlich nur die Produzenten.

Packshot zu Independence Day 2: WiederkehrIndependence Day 2: Wiederkehr

Und auch das Publikum darf natürlich mitentscheiden, was zumindest in Amerika bereits ziemlich in die Binsen gegangen ist. Über „Independence Day: Wiederkehr“ liegt zunächst einmal der kalte Nummer-sicher-Atem gestresster Fox-Mitarbeiter, erst in zweiter Linie darf dann das Spektakel ran – was aber in großbudgetierten CGI-Zeiten zunehmend auf Schwierigkeiten stößt. Für den Wow-Effekt des ersten Films reichte lediglich das Weiße Haus, jetzt muss schon Singapur auf London fallen, begleitet von den Worten „What goes up must come down“. Immer noch mal größer, immer noch mal mehr, bis weit hinein in einen trashigen Irrsinn, der 1996 zumindest noch halbwegs in der Waage war. Irgendwie fast blöd, dass CGI keine Grenzen mehr lässt. Und so selbst bei großflächiger Zerstörung „Is mir egal“ im Hinterkopf abspielt.

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Die alte Garde, vertreten durch Jeff Goldblum und Bill Pullman.
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Noch einmal, mit doppelt Käse

Von Anfang an geht bei „Independence Day: Wiederkehr“ die Post ab, beginnend mit einer schwindlig machenden 3D-Fahrt durchs Weltall. Wo der erste Teil eine Stunde aufgebaut und dramatisch vorbereitet hat, wird hier nur in groben Zügen auf den zentralen Schwachsinn hingearbeitet, dass die Aliens genau 20 Jahre nach dem ersten Angriff erneut was von der Erde wollen. Mit den Überresten der Alien-Raumschiffe wurde inzwischen die Technik weiterentwickelt, doch als dann ein 3.000 Meilen (!?) großes, neues Raumschiff auftaucht, rennen natürlich wieder alle auf Gefechtsstation: Die US-Präsidentin (Sela Ward), ihr Amtsvorgänger (Bill Pullman), seine Tochter (Maika Monroe), der Wissenschaftler (Jeff Goldblum) und diverse Piloten (Jessie Usher, Liam Hemsworth, Angelababy). Dass Will Smith nicht dabei ist (seine Figur starb auf einem Trainingsflug zwischen den beiden Filmen!?), ist natürlich betrüblich, doch dafür gibt ja Jessie Usher den Sohn. Leider nur ohne Anzeichen einer Weitervererbung des Charisma-Gens.

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Ein Teil der neuen Garde. Hätte man nicht wenigstens bei Bruder Chris anklopfen können?
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Aber egal, nicht Schauspieler sind mehr Stars, sondern „properties“ wie „Independence Day“. Die jungen und die alten Darsteller stehen sich weitgehend wirkungslos gegenüber und vermitteln speziell in den Fällen von Usher und Hemsworth, dass selbst hier ein zentraler Charakterkopf wie Smith wahre Wunder vollbracht hätte. Die beiden Herren, die uns stattdessen vorzugsweise beehren, wirken einfach verloren und kommen nicht gegen das enthemmte Zerstörungsfestival an, das hier zum Glück abgebrannt wird. Der inhaltliche Kniff, dass noch eine zweite außerirdische Macht angreift, kommt gerade recht für noch mehr Gerumpel, nur falls es mal zwischendrin langweilig werden sollte. „Independence Day: Wiederkehr“ findet hier auf jeden Fall seine Bestimmung, auch wenn die dazu passende CGI-Orgie die pompösen Paukenschläge schon etwas reduziert. Vielleicht wäre es ja zumindest hilfreich gewesen, nicht fast jede Figur auf der Leinwand den Angriff erwarten zu lassen.