
Es erscheint fast paradox, das größte Risiko eines Kinosommers darin zu sehen, sein Publikum nicht für ganz dämlich zu verkaufen und ihm mit einem dicken Ausrufezeichen das Gegengift zur vorzugsweise hohlen/lauten Mitbewerber-Riege einzupflanzen. „Inception“ zeigt diesem Risiko eine maximal breite Brust und haut uns eine zerebrale Grillstation um die Ohren, die selbst inhaltliche Superwürste mit einer schicken goldgelben Kruste versieht. Wohin man bei diesem Film auch blickt, die Netzhaut erblickt ausschließlich perfekt produzierte Superlative.
Es steht wohl außer Frage, dass „Inception“ auch bei uns massive Begeisterung auslösen wird, wobei aber das letztendliche Ausmaß des Jubels stark davon abhängt, wie tief man in den schon leicht geekigen Koloss der Handlung überhaupt einsteigen kann oder will. Bei diesem Film muss man ständig am Ball bleiben, man muss Erklärungen über Erklärungen schlucken und darf auf keinen Fall mal eben das stille Örtchen aufsuchen. Unausgesprochene Zwischenräume oder gar ambivalente Bilder stehen hier nicht auf dem Plan; bei „Inception“ wird jeder Winkel des Labyrinths fein säuberlich ausgeleuchtet und, falls immer noch Zweifel bestehen, mit der wie üblich erschreckend konturlosen Hans Zimmer-Mucke breitarschigst unterstrichen.
Die vorherrschende Reaktion auf den Film wird wahrscheinlich keine haltlose Begeisterung, sondern vielmehr respektierliches Staunen sein. Die Inszenierung, die Schauspieler, die massive Ambition des Unternehmens, praktisch alles an „Inception“ zeugt von unglaublicher Professionalität, die mit ihren dichtgedrängten Paukenschlägen nichts unversucht lässt, dem ersten Kinobersuch einen zweiten Kartenkauf folgen zu lassen. Der kleine, aber feine Unterschied zu ähnlichen Mörderblockbustern wie z.B. „Titantic“ oder „The Dark Knight“ ist hier aber, dass die wiederholte Sichtung nicht auf Tränen oder atemloser Spannung basiert, sondern auf dem eher schlichten Wunsch, irgendwann mal alles kapieren zu wollen. Ein ganz kleines Memento an Christopher Nolan: Wirklich perfekt wäre „Inception“ erst dann, wenn man ca. zwei Traumebenen vergessen und den Erklärungswust dezent verschlanken würde.
Inception - Deutscher Trailer4 weitere Videos
Regie: Christopher NolanGenre:Action, Science FictionFilmstart: Darsteller:Ellen Page, Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Ken Watanabe, Michael Caine, Cillian Murphy, Marion Cotillard, Leonardo DiCaprio ... mehr
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