In Time – Filmkritik

Zeitlose Science-Fiction?

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von Rajko Burchardt, 02. Dezember 2011 09:00 Uhr

Zeit ist Geld, diese Redewendung erfährt im neuen Film von Andrew Niccol eine ganz neue Bedeutung. Der Sci-Fi-Thriller „In Time – Deine Zeit läuft ab“ beschreibt, wie Menschen aufgrund einer genetischen Veränderung im Alter von 25 aufhören zu altern. Ein rückwärts laufender Timecode aktiviert sich auf ihrem Unterarm und erinnert fortlaufend daran, dass das letzte Lebensjahr begonnen hat. Ist die neongrüne Uhr auf der Haut erst einmal heruntergezählt, schaltet sich der Körper von einem Moment zum nächsten einfach ab. Keine Zeit, kein Leben.

Survival of the Fittest

Solider Science-Fiction-Thriller, dessen Prämisse jedoch interessanter ist als ihre eigentliche Umsetzung. No Zeit-Wortwitz intended.FazitEinzig den Wohlhabenden der Gesellschaft jenseits der Ghetto-Timezones ist Unsterblichkeit vergönnt. Sie handeln mit Zeit, erkaufen und verwalten sie. Ihre Lebensuhren laufen zwar ebenfalls rückwärts, werden jedoch regelmäßig um Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte erweitert – wie Geld, das sich auf Konten anhäuft. Zeit also ist kein selbstverständlich verfügbares, allgemeines Gut mehr, sondern eine lebensverlängernde und –sichernde Ware, die Macht und Stärke symbolisiert. Und wer nicht Acht gibt auf seinen Timecode, der kann auch einfach seiner Lebenszeit beraubt werden, durch Auf- bzw. Entladung per Armberührung.

Screenshot zu: Zeitlose Science-Fiction?Statt Logan rennt diesmal Justin Timberlake vor seinem Alter davon.

Diese phantastische Prämisse, die in ihrem technisch-biologischen und sozialen Prinzip an die futuristischen Ideen eines Philip K. Dick erinnert, ist zweifellos interessant genug, um aus ihr einen mitreißenden und klugen Science-Fiction-Film zu entwickeln. Mitreißend ist „In Time“ dann auch über weite Strecken, nur an der Ableitung tiefer gehender Gedanken, vielschichtiger Überlegungen oder profunder Schlüsse aus seiner Idee ist der Film wenig interessiert. Das ist sicherlich verschmerzbar, aber auch insofern eine Enttäuschung, als Niccol ebendies mit seinem Regiedebüt, dem Biopunk-Sci-Fi-Drama „Gattaca“, vor einigen Jahren noch wunderbar gelang.

Im Zentrum der Handlung steht Will (Justin Timberlake), ein einfacher Arbeiter aus dem Armenviertel, der stets am Limit seiner Zeit lebt: Sein tägliches Gehalt entscheidet, ob er auch den nächsten Morgen noch erleben wird. Als Will bei einem Feierabendbier (kostet etwa eine Stunde, bezahlt wird wie überall über einen Arm-Scanner) einem von kriminellen Zeiträubern bedrohten Fremden hilft, überlässt dieser ihm im Schlaf dessen gesamte Kapazität. Plötzlich verfügt Will nicht nur über 100 Jahre mehr Lebenszeit auf seinem Timecode, sondern muss auch erklären, warum der von ihm gerettete Mann nun tot unter einer Brücke liegt.

Meine, deine, keine Zeit

Während der Wohlhabende wider Willen sein Vermögen erst einmal dazu nutzt, das durch hohe Grenzgebühren abgeriegelte Ghetto zu verlassen und Lebensjahre im Kasino zu verschleudern, sind ihm die sogenannten Timekeeper (angeführt vom wie immer unfassbar charismatischen Cillian Murphy) auf den Fersen – eine Quasipolizei, die die bestehenden Ungleichheiten aufrechterhält. Als man Will des Mordes am unbekannten Zeitspender bezichtigt, kidnappt er die vermögende Despotentochter Sylvia (Amanda Seyfried) und startet eine halsbrecherische Vergeltungstour gegen das Zweiklassensystem.

Screenshot zu: Zeitlose Science-Fiction?Voodjin hat Recht: Das ist gar nicht Olivia Wilde.

Die Idee ist stark und sie trägt den Film. Dass Niccol sie bestenfalls für eine recht platte und abgehangene Kapitalismuskritik bemüht, dem aktuellen Gesinnungstrend aus weltweiten Bürgerprotesten gegen die „Diktatur der Finanzmärkte“ nur allzu dienlich, schadet „In Time“ als Unterhaltungsfilm nicht. Der Verzicht auf eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema (ein derartiges System wie das im Film dargestellte kann eigentlich keine zivilisierte Gesellschaftsordnung mehr zulassen) ermöglicht natürlich die Fokussierung auf einen genretypischen Road-Movie-Plot und dessen unverzichtbare Liebesgeschichte.

Timberlake und Seyfried bilden ein charmantes Paar (wie sie einmal, ganz uneitel, auch selbst im Film feststellen), werden allerdings beide von Niccols Drehbuch in entscheidenden Momenten im Stich gelassen: Ihre schlussendliche Auflehnung gegen die herrschenden Zustände erscheint schlicht vollkommen unmotiviert. Timberlakes Figur entwickelt sich im Laufe der Handlung aus unerklärlichen Gründen zum Robin Hood, während Seyfrieds plötzlicher Ausbruch aus dem Establishment (nach ihrer Entführung!) mit keiner Silbe oder Geste begründet wird.

Freunde sogenannter Logik werden da im Kohärenzabgleichen noch über ganz andere Ungereimtheiten stoßen (nicht einmal die Hälfte der Besetzung geht äußerlich noch als 25-jährig durch), und Probleme im Timing des stets auf die Tube drückenden und etwas zu sehr auf vordergründige Plotentwicklung abzielenden „In Time“ fallen zusätzlich ins Gewicht. Unterm Strich ist das alles andere als ein schlechter Film, aber seine Zeitmetapher gedanklich weiterzuspinnen ist letztlich irgendwie reizvoller, als deren eigentlicher Umsetzung zuzuschauen.

Kommentare 19
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Andi15.12.2011 18:55
die Idee gabs schon vor über 30 jahren, nah wer kann sich noch an "flucht ins 23. jahrhundert" erinnern?
de.wikipedia.org/.../Flucht_ins_23._Jahrhundert
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wazupwazup11.12.2011 23:44
Also ich fand ihn auch gut.
Leider wirklich nicht so gut, wie erhofft aber durchaus besser, als befürchtet :)
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Enttäuscht06.12.2011 12:53
weiss garnicht warum ich diese zerisse immernoch lese
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SLaiden04.12.2011 21:03
der war geil
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SockenschussSockenschuss03.12.2011 01:27
Ich habe den Film ebenfalls geschaut und beide Reviews gelesen (link von 7/10) und kann beim besten Willen keine Ähnlichkeit feststellen (bis auf das vollkommen offensichtliche). Okay, beide benutzen die Analogie zu Robin Hood, aber die hat sich selbst mir aufgedrängt beim Ansehen des Films.

Mir gefällt die Kritik von Rajko wesentlich besser. Es wird mehr auf den Film eingegangen, während der Spiegel Autor selbstverliebt über den Retro Look schwadroniert, die vorigen Werke des Regisseurs kritisiert (für mich z.B. bei Gattaca unverständlich) und anschließend noch den weltpolitischen Bogen zu den Konservativen in den USA spannt.
Für mich Gamona:1 SPIEGEL:0 - kann auch mal vorkommen, ein großer Name bedeutet nicht alles. ;)
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Rajko BurchardtRajko Burchardt03.12.2011 00:25
@7/10:

Habe die verlinkte Spiegel-Kritik aus Interesse eben trotzdem mal gelesen. Davon abgesehen, dass diese im Ton deutlich harscher ausfällt als meine (im Prinzip ein Komplettverriss), konnte ich nicht einen einzigen auch nur annähernd identischen Satz feststellen. Der Autor dort und ich hier wiederum haben sogar - im Gegenteil - recht unterschiedliche Beobachtungen gemacht. Die einzige gedankliche (nicht formale!) Überschneidung lässt sich in der Kapitalismuskritik finden, allerdings ist diese im Film auch derart offensichtlich (darum geht's ja eben gerade), dass wahrscheinlich mehrere Dutzend Filmkritiken auf sie verweisen.

Am Rande bemerkt: Ich verzichte übrigens auch sogar bewusst darauf, Pressehefte zu lesen bzw. Informationen aus ihnen zu verwenden, weil das tatsächlich manchmal zu Ähnlichkeiten in unterschiedlichen Filmkritiken führt (mal unabhängig davon, dass diese sowieso nur bessere Werbebroschüren sind, aber das ist ein anderes Thema^^).

Wie dem auch sei, der Text hier ging - wie auch Garry noch mal schrieb - nachweislich lange vor allen anderen online (sogar "zu" früh), von daher bedarf es eh keiner Diskussion. Aber selbst wenn man den "Vorwurf" überprüft, stellt er sich als falsch heraus, insofern ist dies wohl nicht viel mehr als eine Empfindung Deinerseits.

Es ärgert mich allerdings ein wenig, wenn so etwas (ohne jede Begründung) behauptet wird, da ich unkenntlich gemachtes Abschreiben nämlich selbst ziemlich ätzend finde und ganz entschieden nicht tun würde.
Zuletzt editiert am 03.12.2011 00:32
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GarryGarry02.12.2011 23:59
Die Kritik ist bereits "hidden" Ende Oktober bei uns online gegangen. Rajko schreibt nirgends ab, das ist Unsinn. Wir waren mit der Kritik extrem früh, sie war allerdings nicht prominent angeteast, weil der Film erst jetzt bei uns in Kino kam. Et voila.
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miso02.12.2011 22:54
die idee ist super, ausfürung kacke...schade mit den richtigen darstellern und richtigem regisseur (nolan?) hätte das echt n klassiker werden können
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7/1002.12.2011 21:16
"von Rajko Burchardt, 02. Dezember 2011 09:00 Uhr" Vorher war sie auch nicht zu sehen.

Versteh mich nicht falsch. Deine Kritik ist auf keinen Fall schlecht, nur klingt sie so wie fast alle zu diesem Film.
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Rajko BurchardtRajko Burchardt02.12.2011 19:19
@7/10:

Diese Kritik hier ging Ende Oktober online (nachzuprüfen z.B. am Datum der ersten Kommentare weiter unten) und war der erste deutschsprachige Online-Text zum Film.

Ich heiße nicht Karl-Theodor. Wenn überhaupt, dann müssen andere abgeschrieben haben (was anhand Deiner unkonkreten Behauptung jetzt aber schwer nachvollziehbar bleibt).
Zuletzt editiert am 02.12.2011 19:24
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7/1002.12.2011 16:28
Also ich hätte den Film eine 7/10 gegeben, dazu muss man sagen, das er im original Ton noch wesentlich besser daher kommt.

Außerdem klingt die Kritik hier an vielen Stellen recht abgeschrieben.
Ich habe allein in 3 Portalen für Filmkritik die gleichen oder ähnliche Sätze gefunden.

Sogar in der Spiegelkritik lassen sich einige Passagen finden.
www.spiegel.de/.../0,1518,800860,00.html

Und wer hätte es gedacht, die waren alle vor Gamona online.
Aber ich gehe hier mal von Zufall aus, möchte niemanden was unterstellen.
Grüße.

P.S. JT wird langsam ein richtig guter Schauspieler, mehr davon bitte.
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max1185max118502.12.2011 10:58
Ich hab dem Film 7/10 Punkte gegeben, da ich im heutigen Filmedschungen eine gute alternative zu Twilight und anderen 0-8-15 Filmen gesehen habe.

An gamona-Team: bitte ändert die Namen der Darsteller (oben rechts neben dem Film-Cover) in Justin Timberlake, Amanda Seyfried und Cillian Murphy (Olivia Wilde hat hier nichts verloren).
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HadanHadan02.12.2011 09:26
Für ein gutes Buch das sich (unter anderem) mit dem gleichen Zeit-Thema beschäftigt: en.wikipedia.org/.../The_Quantum_Thief
Achtung, zumindest die ersten 200 Seiten sind wiklich Hard Science Fiction at its best, wer sich nicht ein wenig mit Quantenmechanik & Relativität auskennt wird damit keine Freude haben ;)
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Rajko BurchardtRajko Burchardt01.11.2011 04:54
Peter Osteried schrieb:
Ich weiß ja nicht, wie es bei den anderen ist, aber ich habe gar keinen Zugriff darauf.


Ich auch nicht. Folglich habe ich mit diesem Fehler nichts zu tun. :-)

edit:

Olivia Wilde aka. die Frau mit dem Aliengesicht spielt zwar auch mit, ihre Screentime beläuft sich aber auf lediglich fünf Minuten.
Zuletzt editiert am 01.11.2011 05:10
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KinaroKinaro31.10.2011 10:47
Bei imdb steht Olivia Wilde als Besetzung für Rachel Salas!^^

www.imdb.com/.../tt1637688
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Peter OsteriedPeter Osteried29.10.2011 18:13
Ich weiß ja nicht, wie es bei den anderen ist, aber ich habe gar keinen Zugriff darauf.
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VoodjinVoodjin29.10.2011 17:29
Peter Osteried schrieb:
Btw, die Bildunterschriften sind nicht zwangsläufig vom Rezensenten.

Und irgendwie fühlt sich auch niemand zuständig, diese zu berichtigen.^^
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Peter OsteriedPeter Osteried29.10.2011 17:06
Btw, die Bildunterschriften sind nicht zwangsläufig vom Rezensenten.
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VoodjinVoodjin28.10.2011 14:14
Rajko Burchardt, schrieb:
Tron-Schönheit Olivia Wilde als Rachel.


Herr Burchardt, das ist jetzt aber echt peinlich. Das ist nicht Olivia Wilde, sondern Amanda Seyfried. ^^

Olivia Wilde: www.imdb.com/.../nm1312575
Amanda Seyfried: www.imdb.com/.../nm1086543

In Time Besetzung: www.imdb.com/.../tt1637688

Google is your Friend. :)

P.S Im Text wird die Schauspielerin aber richtig genannt. Da hatte jemand Mittagsschlaf. xD
Zuletzt editiert am 28.10.2011 14:17
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In Time
In Time FilmplakatRegie: Andrew NiccolGenre:Thriller, Science FictionFilmstart: Darsteller:Olivia Wilde, Amanda Seyfried, Justin Timberlake
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