Auf dem letztjährigen Fantasy Film Fest war „In Fear“ einer der Favoriten, spaltete die Gemüter aber auch etwas. Denn obschon der Film versucht, einer bekannten Geschichte mit Originalität zu begegnen, so muss man eben doch auch konstatieren, dass das Endergebnis nicht völlig überzeugend ist, das Debüt von Jeremy Lovering hat aber seine Momente.

In Fear - Official Trailer #1

Tom und Lucy sind noch nicht lange zusammen, wollen aber gemeinsam ein Musik-Festival besuchen. Tom hat dazu ein Zimmer in einem abgelegenen Hotel gebucht. Des Nachts fahren sie zu dem Hotel und machen auf dem Weg Halt in einem Pub. Dort scheint Tom Schwierigkeiten zu haben, aber er spricht nicht darüber. Die Zwei setzen ihre Fahrt fort, mitten durch eine menschenleere Gegend mit Wegweisern, die zwar versprechen, zu dem Hotel zu führen, aber doch immer wieder am Ziel vorbeigehen.

In Fear - Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst

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Ein klassischer Stoff mit ein paar unkonventinellen Kniffen.
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Die Fahrt dauert immer länger und Lucy wird immer unruhiger. Sie sieht im Dunkel der Nacht Gestalten, die ihnen folgen. Tom glaubt ihr nicht, aber dann wird Lucy angegriffen. Beiden wird klar, dass hier etwas nicht stimmt. Sie werden verfolgt. Aber was wollen der oder die Verfolger von ihnen? Und was hat es mit dem Mann auf sich, den Tom anfährt und den sie dann mitnehmen müssen?

Das Klischee aushebeln

Die Geschichte ist altbekannt, aber Lovering kennt sie eben auch, weswegen er versucht, sie anders als erwartet zu gestalten. Das beginnt bei den beiden Hauptfiguren, die nicht der typischen Party-Meute entsprechen, die in dieser Art Film gerne benutzt wird. Stattdessen hat man ein Pärchen, das erst seit zwei Wochen zusammen und dementsprechend unsicher im Umgang miteinander ist. Auch daraus bezieht „In Fear“ seine Spannung, da hiermit eine dramatische Komponente einhergeht, die in Genre-Filmen häufig vernachlässigt wird.

In Fear - Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst

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Viele Klischees und Erwartungen werden unterwandert. Leider nicht alle.
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Lovering verzichtet auf die typischen Erklärungen, die bei dieser Art Film fast immer vorhanden sind. Ob das Handy funktioniert wird gar nicht getestet. Das mag man als Nachlässigkeit ansehen, allerdings ist es geradezu erfrischend, da in heutigen Horrorfilmen dies auch nur genutzt wird, um ein paar Minuten totzuschlagen. Auch anderer Klischees ist sich der Regisseur nur zu gut gewahr, weswegen er immer wieder versucht, hier gegen das Stereotyp anzuinszenieren.

Immer gelingt das aber nicht. Als die dritte Person in diesem Film auftaucht, da weiß der erfahrene Genre-Kenner natürlich, wie der Hase läuft. Lovering versucht, das Auftauchen des Mannes plausibel zu gestalten, aber es gelingt ihm nicht, das Misstrauen des Zuschauers zu zerstreuen. Man weiß einfach, dass dieser Kerl nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Im Grunde hätte Lovering hier entgegengesetzt handeln müssen.

Den meisten Klischees widersteht dieser durchwegs spannende Film, ganz gelingt es ihm aber nicht.Fazit lesen

Die Klaustrophobie der absoluten Dunkelheit

„In Fear“ spielt fast nur im Auto. Hin und wieder steigen Tom und Lucy zwar auch aus, so häufig geschieht das aber nicht. Das Auto ist gut beleuchtet, stärker, als das realistisch betrachtet eigentlich der Fall wäre. Aber gut, man will ja auch etwas erkennen.
Immerhin herrscht um das Auto herum totale Schwärze. Das sorgt für ein isoliertes Gefühl, das dem Film sehr gut zu Gesicht steht.

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Der Film ist klaustrophobisch, was der Stimmung sehr zugute kommt.
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Es ist fast so, als würden Tom und Lucy in und an ihrer Umgebung ertrinken. Die Dunkelheit kriecht immer weiter an sie heran, bis sie in ihr vergehen. Das hat eine dunkel poetische Qualität, die man Filmen wie diesem – im Grunde ist es ein Backwoods-Streifen – zumeist nicht zutraut.

Mit fortschreitender Laufzeit ist es allerdings auch so, dass diese Schwärze ermüdend ist. Das Auge des Zuschauers kann nicht wandern, es wirkt ein bisschen trist. Aber diese Tristesse ist für den Film durchaus hilfreich.

Ein merkwürdiges Ende

Wir spoilern das Ende natürlich nicht, nur so viel sei gesagt: Der Film endet auf einer Note, die nur schwer verständlich ist. Es hat den Anschein, dass Lovering einen Knallmoment als Finale haben wollte, aber er bietet zu wenig, um sich darüber Gedanken zu machen, was dieses Finale wirklich aussagen soll.