Herman Melvilles Klassiker „Moby Dick“ wurde schon häufig für Film und Fernsehen adaptiert. Melvilles größtes Werk, das sein Zeitgenosse Nathaniel Hawthorne als das amerikanische Epos, vergleichbar mit Homer und seiner „Ilias“, bezeichnet hat, ist jedermann ein Begriff. Man kennt die Geschichte des seinen Obsessionen erlegenen Ahab, der sich von nichts und niemandem davon abhalten lässt, dem weißen Wal nachzujagen.

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Aber Ron Howard wählt einen anderen Ansatz. Er erzählt nicht die Geschichte, wie Melville sie erzählt hat. Vielmehr geht „Im Herzen der See“ von der Prämisse aus, dass Melville seine Geschichte auf einem wahren Ereignis beruhen ließ, sie aber fiktionalisiert aufbereitete. Dementsprechend gibt es hier nicht Ahab und Ishmael, sondern die Männer, die für sie Pate standen.

Der Vorteil dieser Erzählweise liegt auf der Hand. Howard kann hier eine Geschichte präsentieren, die man so noch nicht gesehen hat. Das macht „Im Herzen der See“ ungleich interessanter und spannender.

Wer den Wal hat, hat die Qual

Alles beginnt im Jahr 1850, als Herman Melville einen Mann, Thomas Nickerson, aufsucht, der als einziger den Untergang der Essex vor mehreren Jahrzehnten überlebt hat. Er arbeitet an seiner Idee für „Moby Dick“ und möchte die wahre Geschichte hören. Nickerson ist erst unwillig, lässt sich dann aber überzeugen. Er beginnt zu erzählen, von der Essex, und den beiden Männern, die auf ihr aneinandergerieten: Captain Pollard und sein Erster Offizier Owen Chase.

Im Herzen der See - Wer den Wal hat, hat die Qual

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Ein Krieg - Mensch gegen Wal.
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Es war die große Zeit der Walfänger, als das Walöl gebraucht wurde, um die Straßen und Häuser der Städte überall auf der Welt zu erleuchten. Die Essex war ein solcher Walfänger, der auszog, um mit reicher Beute zurückzukommen. Doch die Reise ist gefährlich und das Aufspüren von Walen wird immer schwieriger. Trotzdem hat man Glück – oder Pech. Denn man findet nicht nur Hunderte Wale, sondern auch einen großen weißen Wal, der nicht länger duldet, dass der Mensch seinesgleichen jagt und tötet.

Mystisch aufgeladen

„Im Herzen der See“ ist in erster Linie ein geradliniger Abenteuerfilm, der vom rauen Leben an Bord eines Schiffes berichtet. Es dauert, bis der weiße Wal auftaucht, aber als er das tut, wird aus dem Film mehr. Denn dieser Wal ist mehr als nur ein Tier. Er ist nicht nur so gigantisch, dass er als Seemonster durchgehen würde, er ist auch so rachsüchtig, wie es nur die wenigsten Menschen sind.

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Der Film kommt am 03.12.2015 in die deutschen Kinos.
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Man kann sich an dieser Darstellung stören, wird aus einem realistischen Garn damit dann doch etwas, das weit mythologischer daherkommt, aber es funktioniert. Einerseits, weil man nie wirklich weiß, wie sehr Brendan Gleesons Figur Thomas Nickerson in seiner Erzählung übertreiben mag, andererseits, weil dieser Wal auch als Sinnbild für die Gewalt der Natur steht. Er ist all die Gefahr des Ozeans, gebündelt in einem einzigen Wesen. Und – natürlich – braucht es eine solche Darstellung, damit Melville seinen Moby Dick gestalten kann, wie er im Roman nun mal ist.