Eine Frau wacht auf. Den Mann neben sich kennt sie nicht. Sie ist verängstigt, geht ins Bad. Dort kleben zahlreiche Bilder an der Wand. Darauf Post-its, die ihr erklären, dass der Mann in ihrem Bett Ben heißt. Er ist ihr Ehemann. Sie kommt aus dem Bad, ihr Mann wartet schon. Er erklärt ihr, dass sie vor einigen Jahren einen Unfall hatte. Der hatte zur Folge, dass sie sich an nichts mehr erinnert. Was auch immer sie an einem Tag lernt oder erfährt, nachdem sie geschlafen hat, hat ihr Gehirn das alles wieder vergessen.

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So beginnt „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“, ein britisch-französisch-schwedische Ko-Produktion von Rowan Joffe, die sich an ein deutlich älteres Publikum richtet. Es ist ein Thriller, dessen Ausgangslage nicht ganz neu sein mag, der aber mit mehr als nur gefälliger Routine umgesetzt ist.

Wem kann sie trauen?

Nicole Kidman spielt Christine, die Frau, die jeden Tag aufs Neue lernen muss, dass ihr Leben aus den Fugen geraten ist. Das Botox ist weg, echte Schauspielkraft immer noch vorhanden. Im Ergebnis heißt dies, dass man eine differenzierte, mitreißende Darstellung erlebt, die voller Nuancen ist. Christine ist verängstigt, misstrauisch, unsicher, denn woher soll sie schon wissen, dass alles ist, wie man es ihr sagt?

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. - Unwissenheit ist kein Segen – Nicole Kidman auf den Spuren ihres Lebens

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Der Film läuft bei uns am 13.11.2014 in den Kinos an.
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Schließlich erhält sie morgens einen Anruf von Dr. Nash, ihrem Arzt, der ihr erklärt, dass sie im Schlafzimmerschrank eine Kamera versteckt hat. Darauf ist ihr Videotagebuch mit Erkenntnissen, die sie längst vergessen hat, die sie aber wissen muss. Denn nicht alles, was Ben ihr erzählt, entspricht der Wahrheit. Christine fragt sich immer mehr, wie sehr sie Ben eigentlich vertrauen kann. Wenn er essenzielle Dinge vor ihr verbirgt, dann auch, warum und wie sie in diesen Gesundheitszustand verfallen ist?

Große Mimen

Als ihr Ehemann agiert Colin Firth. Er hat die anspruchsvollere Rolle, denn er muss weit mehr Emotionen herüberbringen, ohne zu sehr ins Offensichtliche zu verfallen. In Firth‘ Gesicht kann man sie jedoch ablesen, die Liebe zu seiner Frau ebenso wie die Trauer über das, was er ihr nicht sagen kann, und was er immer wieder durchleiden muss. Er ist des Erklärens leid, es hat ihn ausgehöhlt. Er ist nur noch die Hülle des Mannes, der er einmal war.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. - Unwissenheit ist kein Segen – Nicole Kidman auf den Spuren ihres Lebens

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Christine Lucas (Nicole Kidman) verliert jeden Tag aufs Neue ihr Gedächtnis.
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In diesem Film gibt es aber auch noch eine dritte Rolle, die des Arztes, gespielt von Mark Strong. Er hat weniger Screentime und ist weniger relevant, aber er ist vonnöten. Einerseits, um auch beim Zuschauer Zweifel zu säen, andererseits, um die Handlung voranzutreiben. So wie Christine ist man auch als Zuschauer hin und her gerissen, weil man nie weiß, wem man nun vertrauen soll.

Spannend, exzellent gespielt, überraschend, und so gut, dass auch ein kleinerer Makel im Finale den Gesamteindruck nicht schmälert.Fazit lesen

Der Film erzeugt eine Atmosphäre der Paranoia, die langsam, aber stetig ansteigt. „Ich. Darf. Nicht. Schlafen“ ist kein flott erzählter Film, er lässt sich Zeit. Gerade deswegen treffen die Enthüllungen, die bei einer Geschichte wie dieser unweigerlich kommen müssen, um so direkter ins Ziel.

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Die Logik des Vergessens

Das Ende soll den Zuschauer von den Füßen fegen, es soll alles auf den Kopf stellen, und tut es auch. Man müsste nun ins Detail gehen, das würde aber den Spaß des Films deutlich mildern. Nur so viel: Gänzlich logisch ist es nicht, hätte die gesamte Handlung doch ausgehebelt werden können, wenn eine Figur sich frühzeitig entschlossen hätte, einen gangbareren Weg zu gehen.

Das ist die Crux eines Thrillers, der derart stark auf eine komplexe, in den Details sehr wichtige Geschichte setzt. Wenn etwas schief läuft, dann kann der Zuschauer das Gefühl bekommen, dass es mit der Logik nicht gar so weit her ist. Das ist ein Manko des Films, allerdings nur ein kleines, da diese Auflösung funktioniert. Darüber hinaus gestaltet sich Joffes Thriller als spannendes Mysterium, das die Aufmerksamkeit über die gesamte Laufzeit zu fesseln imstande ist.