Vier Filme, 2,8 Milliarden Dollar Einspielergebnis. Die „Ice Age“-Reihe ist ein weltweiter Erfolg, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis mit „Kollision voraus!“ der fünfte Teil in die Kinos geschickt wird. So ganz mag man gar nicht glauben, dass danach wirklich Schluss sein soll, wie es vielerorts heißt, denn dafür sind die Figuren einfach zu liebenswert und die Gelddruckmaschine muss doch auch was zu tun bekommen. Das einzige, was „Ice Age“ wirklich den Garaus machen könnte, sind lieblos zusammengeschusterte Nummernrevuen, die statt „echtem“ Humor vorwiegend Dauerpanik absondern. Aus diesem Blickwinkel hat „Kollision voraus!“ exzellente Chancen, ähnlich dem Asteroid im Film das ganze Tierrudel hier zu hübsch flachen Hamburgern zu plätten.

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Was war noch nicht, hm? Das Weltall!

Aber was sind schon Blickwinkel, wenn alle Kinder weltweit, die unter einem Meter bleiben, einfach nur Scrat und Manny und Sid wiedersehen wollen. Dieses Publikum, genauso treu wie anspruchslos, wird auch dieses Mal wieder die Kinos bevölkern, während die zwangsweise mitabgestellten Erwachsenen vor Langeweile bald in den Vordermann beißen. „Ice Age: Kollision voraus!“ ist das kreative Ergebnis einer austrudelnden Reihe, die sich diesmal einfach nur einen neuen Schauplatz für Scrat sucht und ansonsten seichte Sitcom-Klischess gepaart mit anstrengender Hyperhektik bemüht. Alle zappeln und schnattern und hüpfen hier wie bekloppt herum. ADHS im Endstadium.

Ice Age 5 - Kollision voraus! - So langsam könnte es mal wärmer werden

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Die Nuss kriegt'n extra Raumanzug. Einer der besseren Gags.
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Und auf wen trifft das besonders zu, hm? Natürlich auf Scrat, der aus Versehen mit einem im Eis eingeschlossenen Raumschiff ins Weltall düst und dort mehr Sendezeit als in allen anderen „Ice Age“-Teilen bekommt. Das Resultat sind in die Länge gezogene Albernheiten, die nie eine wirkliche Bindung zum Rest eingehen – vielleicht auch, weil da ebenso dünne Gagluft herrscht und eine fragmentierte Problemchenkaskade abläuft, die andauernd Sidekicks aus dem inzwischen umfangreichen Personalfundus auflaufen lässt. Manny vergisst den Hochzeitstag, seine Tochter Peaches hat einen hochverliebten Verehrer, Sid sucht eine Freundin und Säbelzahntiger Diego möchte eventuell Papa werden. Die Spannung ist kaum noch zu ertragen. Höchste Zeit also für einen Meteoritenschauer und einen riesigen Asteroiden mit Kurs auf die Erde.

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Eine Petition für Klimaerwärmung

So richtig komplexe Inhalte hatten die „Ice Age“-Filme noch nie, aber das, was „Kollision voraus!“ aufbietet, gleicht einer durchgeschüttelten Resterampe. Ohne klaren dramaturgischen Zug schwebt Scrat neben den anderen Tieren, jeder darf mal ein bisschen Roadrunner spielen und einige Zitate aus älteren Teilen, wie die Naturkatastrophen aus Nummer 2 und 4 oder das Dino-Erbe aus Nummer 3, finden auch noch Eingang. Manchmal erscheint es fast so, als würde die „Kamera“ die Tiere neben dem Set filmen, wo halt ein bisschen abgehangen wird, bevor dann das satte Leben zuschlägt. Hat wirklich jemand darauf gewartet, wie es wohl mit den Problemen zwischen Manny und seiner pubertierenden Tochter weitergeht? „Kollision voraus!“ begnügt sich mit etablierten Charakteren, die ihre bekannten Eigenarten nicht mal kultivieren, sondern einfach nur zeigen dürfen. Irgendwann macht sich tatsächlich Langeweile breit.

Ice Age 5 - Kollision voraus! - So langsam könnte es mal wärmer werden

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Und auf der Erde so? Menschelnder Kleinkram. Mit harmonischem Sendungsbewusstsein.
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Was Regisseur Mike Thurmeier, der bereits die letzten beiden „Ice Age“-Filme mitinszeniert hat, wirklich gut gelingt, sind die aufwändige Animation, die das Auge geschäftig wandern lässt, und ein paar visuelle Gags, gerne auch in Kombination mit der 3D-Brille. Der Geist von Looney Tunes weht immer mal wieder durch die Szenerie, wenn die nächste Panikaktion ansteht und irre Ideen sich in einem zuckersüß blinkenden Wertemäntelchen verlieren. Dass das alles exklusiv für kleinere Kinder gemacht ist, darf gerne anerkannt werden, doch im Umkehrschluss muss dann mindestens die Frage erlaubt sein, warum hier alles wie von der Tarantel gestochen durchs Bild fetzt. Weil das den Kids eigentlich viel zu schnell ist. Und auf inhaltlicher Nährstoffbasis eine gerade Linie zum süßen Popcorneimer zieht, der danach immerhin noch ein befriedigendes Völlegefühl hinterlässt.

So viel Glück hat man mit „Ice Age: Kollision voraus!“ leider nicht. Hier bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass diese Vorfilme vor Animationsfilmen auch immer länger werden.