Unsere staatlich legitimierten Sittenwächter schleifen lechzend die Heckenschere und tunken schon mal den „Beschlagnahmt!“-Stempel tief in den Farbtopf: Die auch in Horrorfankreisen nicht ganz unumstrittene, hyper-kontroverse Rape-and-Revenge-Reihe „I Spit On Your Grave“ geht in die dritte Runde und das Schöne dabei ist: Die Macher verzichten darauf Erwartungshalten zu befriedigen und marschieren überraschenderweise auf einer ganz anderen Route …

Dämonen der Vergangenheit

Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gezogen, doch Jennifer Hills wird immer noch von den grauenhaften Ereignissen aus Teil eins - fünf Männer hatten sie vergewaltigt und versucht zu töten - heimgesucht. Um endlich mit der Vergangenheit abzuschließen zieht sie in eine neue Stadt, nennt sich Angela und besucht eine Selbsthilfegruppe, wo sie die fesche Marla kennenlernt, eine scheinbar starke Persönlichkeit, die ebenso mit der Männerwelt abgeschlossen hat. Die beiden Frauen freunden sich wärmstens an und ärgern erst mal ein paar Schwanzträger.

Jennifer blüht langsam wieder auf, doch die Dämonen der Vergangenheit lassen sie nicht los und das nicht nur in Form von gelegentlichen Gewaltfantasien: Marla wird eines Tages von ihrem Ex-Freund brutal ermordet, was der wieder Erblühenden den Boden unter den Füßen wegzieht. Als der Täter aus Mangel an Beweisen auch noch frei gelassen wird und sich darüber hinaus in ihrer Selbsthilfegruppe die Missbrauchsfällen häufen, gibt es kein Halt mehr: Die Schweine müssen bestraft werden!

I Spit On Your Grave 3 - Nur echt mit Penissplit!

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Das dynamische Duo.
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Keine Kompromisse!

Eins muss man den Machern der „I Spit On Your Grave“-Reihe auf jeden Fall lassen: An Mutlosigkeit mangelt es nicht: Während viele andere Horror-Remakes der letzten Jahre („The Hitcher“, „Last House On The Left“) aus Angst vor der eigenen Courage den Weichspülmodus einlegen und selbst bei einer Huldigung an den einst extrem berüchtigten und umstrittenen Kannibalenfilm nichts weiter als schlichtes, zahmes Kasperl-Kino („The Green Inferno“) herauskommt, kennt die „I Spit“-Reihe keine Gnade und atmet mit ihrer Lust zum Aufruhr noch am tiefsten den Geist der seligen 70er-Jahre - hier erweist sich der Umstand, dass in erster Linie der Heimvideo-Markt angepeilt wird, von echtem Vorteil.

Hardcore bis der Arzt kommt

Die anfängliche Angst vor Verwässerung war jedenfalls unbegründet. Teil eins entpuppte sich als extrem starker Reißer, als Halb-Exploiter, der einerseits tatsächlich die Drastik lieferte, die man von solch einem Film erwarten darf, allerdings nie ins stumpf-voyeuristische abrutschte und auch die feministische Konnotation des Originals gekonnt weiterentwickelte. Lediglich der „Saw“-Einschlag zum Ende hin irritierte etwas. Bei Teil zwei kippten die Macher dann alle tiefer gehenden Absichten über Bord und brachten den Exploitation-Pegel so ungehemmt zum Platzen, dass die viehisch brutale Fortsetzung eines ohnehin schon alles andere als zimperlichen Films zum Teil selbst eingefleischten Horrorfans Magenschmerzen verursachte.

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Gleich gibt´s großes Aua!
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Sicherlich ein fragwürdiges Unterfangen, aber auch ein ungemein effektives, das Niemanden kalt lässt und von der Apathie der Konkurrenz meilenweit entfernt ist. Zu Gute halten muss man beiden Teilen nämlich auch die überdurchschnittliche gute Machart: Steven R. Monroe („Molly Hartley 2 - The Exorcism“) besticht durch eine straffe, einfallsreiche Regie mit nahezu poetischen Bildern und die beiden Hauptdarstellerinnen Sarah Butler (Teil eins) und Jemma Dallender (Teil zwei) erfreuen durch eine darstellerische Kompetenz, die man wohl gerade in dieser Ecke am allerwenigsten erwartet.

Eine der schönsten und hinterhältigsten Fortsetzungen seit Jahren!Fazit lesen

„I Spit“ goes „Death Wish“

Genauso wenig erwartet haben dürften wohl die wenigsten die Neuausrichtung von Teil drei: Der knüpft inhaltlich an Film Nummer eins an, dreht aber den Fans mit fast schon sadistischen Vergnügen einen lange Nase. Denn anstatt der traditionellen Überbietungslogik zu folgen, nimmt man den Fuß gehörig vom Gaspedal, auf exzessive Vergewaltigungsszenarien wird dieses Mal komplett verzichtet, der „Rape“ ist gestrichen worden, die „Revenge“ steht im Mittelpunkt - Jennifer Hills wandelt nun auf den Spuren von Paul Kersey („Death Wish“).

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Jennifer wird langsam aber sicher sauer.
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„I Spit 3“ stellt sein Thema in einen wesentlich größeren Kontext als die Vorgänger: Er lotet das Für- und Wieder eines Rechtssystems aus, dass sicherlich seine unbestreitbaren Vorteile hat, aber auch die Schwachen (gemeint sind hier Frauen) oftmals im Stich lässt, was - da liegt der Film tatsächlich auch nicht so ganz falsch - zum Teil auch auf den immer noch zutiefst patriarchalischen Kern unserer Gesellschaft zurückzuführen ist.

Und so sind fast alle Männer in „Die Rache ist mein“ komplett degenerierte Schweine, die Jennifers blutige Abrechnung wohlverdient haben. Interessanterweise stellen sich die Macher aber dennoch nicht komplett auf die Seite ihrer Heldin, sondern hinterfragen sie gelegentlich und lassen sie zum Schluss endgültig in den Wahnsinn abrutschen, die etwas rumpelige Hinwendung zum Quasi-Serienkiller ist aber wohl auch ein wenig dem Zwang geschuldet die Jennifer-Hills-Figur zukunftsfähig zu halten.

Frauenpower!

„I Spit On Your Grave III“ ist vom zuvor bei der berüchtigten Trash-Schmiede Asylum beschäftigten R.D. Braunstein nicht ganz so kunstfertig inszeniert worden wie die Vorgänger und leidet teilweise etwas unter seinem flachen TV-Look, was schade ist.

Die Darstellerinnen holen die Kastanien allerdings aus dem Feuer: Sarah Butler fährt einmal mehr eine beeindruckende Palette Gefühlregungen verschiedenster Art auf und füllt ihre Jennifer Hills bis zur Haarspitze mit Leben - besonders dieses langsame Aufblühen, dieses erneute Finden von Lebensfreunde dank ihrer neuen Freundin Marla (ebenfalls mit Leib und Seele dabei: Die kurioserweise zuvor eigentlich nur aus Seifenopern wie „Jung und Leidenschaftlich“ bekannte Jennifer Landon) geht einem dank dem tollen Schauspiel zu Herzen. Wenn die bestens miteinander harmonierenden Frauen in der ersten Hälfte ihre derben Scherze mit allerhand fiesen Männergesocks treiben, ist der Film mit spürbarer Sympathie bei seinen Ladies, man wähnt sich fast schon in einer Origin-Story von Marvel.

I Spit On Your Grave 3 - Nur echt mit Penissplit!

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Kein Bock auf Diskussion.
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Fast. Natürlich ist das immer noch ein Teil einer Reihe, die ihren Ruf irgendwie ja gerecht werden muss und auch wenn hier deutlich mehr Wert auf Plot gelegt wurde, gibt es immer noch zwei Szenen, die dafür sorgen, dass man für die ungeschnittenen Fassung unsere moralisch standfesteren Nachbarn aus Österreich zu Rate ziehen muss: Besonders die recht eigenwillige Variante eines Bananensplits dürfte bei männlichen Zuschauern für kollektive Gänsehaut im Schritt sorgen.

Aber irgendwie macht genau das an der Reihe so Spaß: Dieses furchtlose Hin- und Herwanken zwischen Hintersinn und Exploitation, zwischen Kunst und Trash. Dazu kommt jetzt auch noch der bewundernswerte Mut Erwartungshaltungen aufs Gründlichste zu unterlaufen. Toll. Es darf weiterhin gerne gespuckt werden!