Science Fiction muss nicht immer nur aus riesigen Robotern, Weltraumschlachten und Laserpistolen bestehen. Besonders in der Literatur ist sie weit mehr als das. Da ist sie ein Gedankenkonstrukt, das nicht auf Spektakel, sondern auf das Innere des Menschen abzielt. Filme dieser Art gibt es selten, hin und wieder aber schon.

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Mike Cahill hat mit „Another Earth“ schon einen solchen Film abgeliefert. Ein Drama, das von seiner menschlichen Dimension lebt, aber das SF-Korsett benötigt, um funktionieren zu können. Mit „I Origins“ hat er nun einen ähnlich gelagerten Film abgeliefert, dessen größter Unterschied jedoch ist, dass er in seiner Dimension weit größer aufgezogen ist.

I Origins - Im Auge des Ursprungs - Die Augen sind das Tor zur Seele – und noch weit mehr als das!

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Der Film läuft bei uns am 25.09.2014 in den Kinos an.
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Dr. Ian Gray (Michael Pitt) ist ein Molekularbiologe, der ganz besonders von Augen fasziniert ist. Er erforscht die Evolution des Auges, die zwar per se bekannt ist, aber wissenschaftlich nie belegt worden ist. Gray hat jedoch einen neuen Ansatz. Er sucht den Ursprung, eine Tierart, der es genetisch möglich ist, Augen zu haben, die aber einfach keine hat. Während seine Assistentin Karen (Brit Marling) noch nach dieser Tierart sucht, lernt Graydie junge, ungewöhnliche Sofi (Astrid Berges-Frisbey) kennen, die das krasse Gegenteil zu ihm darstellt.

Wo es für ihn nur kühle Logik gibt und Wissenschaft über allem steht, ist sie eine spirituelle Frau, die fest daran glaubt, dass der Mensch mehr sein kann, als er ist. So sehr ihre Glaubenssysteme auch aufeinanderprallen, so sehr lieben sie sich doch. Aber über dem gemeinsamen Glück hängt eine tiefdüstere Regenwolke – und Jahre später macht Gray eine Entdeckung, die alles auf den Kopf stellt, woran er bisher geglaubt hat.

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Dr. Ian Gray (Michael Pitt).
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Nicht alles wird enthüllt

Eines gleich vorweg, den Trailer sollte man sich nicht ansehen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes die Miniversion des Films, sogar bis hin zum Schluss. Seine Strahlkraft und Wirkung entfaltet der Film viel mehr, je weniger man weiß. Denn er lebt auch davon, dass er den Zuschauer überrascht. Er bringt eine Wende in seine Geschichte ein – sowohl auf kleiner, intimer, als auch großer, globaler Ebene – die atemberaubend ist. Aber man sollte sich diese Erkenntnis erschließen, indem man es wie die Hauptfigur Ian Gray macht und Punkt für Punkt zur Zielgeraden gelangt.

Vorwissen kann hierbei eine gewaltige Hürde sein. Es macht es natürlich auch schwer, dem Film gerecht zu werden, denn Schlüsselmomente kann man nicht diskutieren, ohne dass man das große Ganze weggeben würde.

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Die ganz große Entdeckung?
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Vom kleinen Drama zum SF-Konzept

Das Interessante an „I Origins“ ist auch, dass es im Grunde zwei Filme in einem sind. In der ersten Hälfte hat man ein Independent-Drama um zwei Liebende, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Film funktioniert dabei streng nach den Regeln eines kleinen unabhängigen Films, obwohl er natürlich mit den Ressourcen einer großen Firma gefertigt wurde.

Aber das ist nur der eine Teil der Gleichung, der zweite ist ein gänzlich anderer. Ein Zeitsprung geschieht, auch eine beziehungsdynamische Veränderung setzt ein. Es erinnert an „Vertigo“, nicht inhaltlich, wohl aber von der Wirkungsweise. Mit der zweiten Hälfte beginnt so etwas wie ein neuer Film, ein SF-Drama, das mit den ganz großen Ideen jongliert und Fragen aufwirft, die direkt im Gehirn des Zuschauers explodieren. Man fragt sich unwillkürlich: Was ist, wenn es so wäre?

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Wissenschaft vs. Spiritualität

Der Film liegt im Clinch mit sich selbst, aber auch mit zwei Konzepten, die einander auszuschließen scheinen. Wissenschaft contra Spiritualität, ein Thema, das hier miteinander ringt, das aber nicht antagonistisch sein, sondern einander auch bedingen kann. Das eine benötigt das andere, nur so ergibt sich ein ganzheitlicher Ansatz, der mehr als die Summe seiner Teile ist.