Dämonen, nehmt euch in Acht, denn ein neuer Rächer ist erwacht! „I, Frankenstein“ verfolgt euch auf Schritt und Tritt und nimmt euch alle ins Verderben mit. Wer über diese Comic-Verfilmung meckert, legt sich an mit Aaron Eckhart. Der spielt den Narbenboy par excellence und nutzt dabei gekonnt die Chance, schon einen zusammengeflickten Kerl mit zwei Gesichtern gespielt zu haben - und an diesem Meisterwerk dürfen wir uns nun alle laben.

I, Frankenstein - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Nichts kann ihn aufhalten!

Der letzte Satz ist genauso wenig ernst gemeint, wie der lyrische Vorspann dieser Kritik. Er macht nämlich ebenso wenig Sinn, wie Stuart Beatties neuster Beitrag zu Hollywoods Trash-Tonne „I, Frankenstein“. Beattie hat als Co-Autor auch schon die „Underworld“-Saga zu verantworten und hat nun weitere arme Zuschauerseelen auf dem Gewissen.

I, Frankenstein - Von den Machern von Underworld: Ich Frankenstein, du Jane

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 7/121/12
Hey! Das ist doch der Typ aus... Oder? Ja. Ja, das ist er.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Rezept für seinen neusten Streich ist sehr simpel: Man nehme „Underworld“, „Van Helsing“, „Chroniken der Unterwelt“ und „Abraham Lincoln: Vampirjäger“, gebe alles in einen alten, klapprigen Mixer und schütte ein bisschen Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski und faule Eier hinzu. Das Ganze füllt man nun in eine schlechte Requisite mit ganz viel übel produziertem CGI-Bimbam und erwärme es 92 Minuten lang auf niedrigster Niveaustufe, damit am Ende eine lauwarme Grütze dabei rauskommt.

Der Film besticht durch treffsichere One-Linern wie „Das endet heute Nacht!“, „Nichts kann mich aufhalten!“ oder „Ich bin gekommen, um dich zu vernichten!“ und herausragende, noch nie dagewesene und schier oscarverdächtige Dialoge: „Ich bin ein Monster!“ – „Du bist nur ein Monster, wenn du dich wie eines verhältst!“ Mensch, da glüht doch das Herz vor Empathie, da sprudeln die Gefühle und vor allem leidet auch der Verstand gleich mit.

Das endet heute Nacht!

Aber bevor ich mich hier gleich zu Beginn schon zu sehr hineinsteigere, erst einmal alles auf Anfang: Wir schreiben das Jahr… ach ist doch egal. Frankensteins Monster wurde „geboren“, vom Pöbel verstoßen, brennende Fackeln, Mistgabeln – die Geschichte kennen wir.

I, Frankenstein - Von den Machern von Underworld: Ich Frankenstein, du Jane

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 7/121/12
Hey, wenigstens was fürs Auge.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Frankenstein will sein Monster vernichten, Monster ist unzerstörbar und möchte sich nun an seinem Schöpfer rächen. All das wird ebenso fix und lieblos eingeführt, wie in meinem Absatz hier. Doch Frankensteins Monster ist gar nicht mal so dumm: Anstatt seinen Meister selbst zu töten, nimmt es ihm seinen Augenstern: Es ermordet Frankensteins Frau. - „Nicht es! Er!“ - Halt die Klappe, Terra!

Stuart Beattie nahm das Thema wohl zu ernst: Ein Film, der ebenso hirnlos ist wie Frankensteins Monster.Fazit lesen

Irgendwann stirbt dann auch sein Meister und das Monster, das bislang stets auf der Flucht vor ihm war, hat seinen Lebenssinn verloren. Doch plötzlich gerät es in einen Kampf zwischen Gargoyles und Dämonen, schlägt dabei ein paar Dämonen kaputt und bekommt daraufhin das Angebot von der Gargoyle-Königin, die ihm den Namen „Adam“ verpasst, Dämonen für die gute Sache zu erledigen.

Diesen neuen Lebenssinn findet Adam zwar attraktiv, aber er sei ein Einzelgänger. Und so macht sich der Unsterbliche alleine auf den weg, um Dämonen zur Strecke zu bringen. „Adam Frankenstein – Demonhunter“ kämpft sich so all die Jahre bis in die Gegenwart vor, denn er altert genauso wenig wie die Dämonen und die Gargoyles.

I, Frankenstein - Von den Machern von Underworld: Ich Frankenstein, du Jane

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 7/121/12
Diesen Film hätte Stuart Beattie sich wohl sparen können.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das ruft nun allerdings den Dämonenprinzen Naberius (Bill Nighy) auf den Plan: Ein unbesiegbarer Untoter dezimiert seine Dämonenschar. Doch dadurch kommt ihm auch die Idee: Er beauftragt zwei Wissenschaftler, das Werk von Dr. Frankenstein zu wiederholen, um ihm damit eine Armee von unsterblichen, seelenlosen und unbesiegbaren Kriegern zu erschaffen, in deren Körper sich Dämonenseelen einnisten können, was sie zu der perfekten Waffe um die Weltherrschaft macht.

Dazu benötigen sie allerdings Frankensteins Aufzeichnungen und sein Monster mit der tiefen Stimme. Das hat sich Aaron Eckhart, der scheinbar auf Rollen mit entstellten Gesichtern steht, sicherlich von seinem Filmkollegen Christian Bale abgeguckt: Tiefe, kratzige Bässe in der Stimme scheinen seit dem dunklen Ritter ein Ausdruck von mysteriöser Stärke zu sein. Deswegen spricht vermutlich auch die ganze Dämonenbande so.

Reiz-Reaktions-Schema

Es muss einfach einen tieferen Sinn haben, der für die gewöhnlichen Zuschauer nur zu hoch ist, sonst wäre das ja albern. Aber dafür erscheint der restliche Film ziemlich einfach gestrickt: „Wenn es diesen Frankenstein wirklich gab, dann muss es auch irgendwelche Aufzeichnungen zu seinen Experimenten geben. Jeder Wissenschaftler fertigt Aufzeichnungen an!“ – Nächste Szene - Und schwupp, da sind auch schon die Aufzeichnungen!

I, Frankenstein - Von den Machern von Underworld: Ich Frankenstein, du Jane

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Mit Underworld hat der Film auch herzlich wenig zu tun.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Anderes Beispiel: Adam ist aus dem Dämonenlabor getürmt, in dem er soeben unsere schöne blonde Wissenschaftlerin Terra kennengelernt hat. Dämonen unterhalten sich: „Er wird zurückkommen!“ – „Warum?“ – Schwupp, Blondine betritt den Raum.

Und für die letzten Zweifler unter euch ein letztes Beispiel, das beweist, dass dieses Reiz-Reaktions-Schema, das sich durch den gesamten Film zieht, kein Zufall sein kann: Blondine in dunkler, verlassener Fabrikhalle zu Frankenstein: „Ich glaube nicht an Gargoyles und Dämonen!“ – Und schwupp, Dämon betritt, nach Vergeltung schreiend, die Szene.

Ich vermute ja, dass hinter dem Skript ein Pawlow‘scher Hund steckte, der schon zu sabbern begann, während er das Drehbuch schrieb. Ich rate hier jedoch zur instrumentellen und operanten Konditionierung mit Negativverstärkung: Ein Elektroschock an den Autor für jeden unnötigen One-Liner, für jeden dämlichen Monolog und für jede zu einfach gehaltene Abfolge von Ereignissen. Das könnte ihm vermutlich das Hirn rösten, aber kaputt geht da eh nix mehr.

I, Frankenstein - Von den Machern von Underworld: Ich Frankenstein, du Jane

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 7/121/12
I, Frankenstein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber wo bleiben meine Manieren? Da verreiße ich ellenlang die meisterliche Arbeit des Drehbuchautors, ohne einmal auf die ebenso glanzvolle Leistung der Spezialeffekte einzugehen! Figuren wie die Gargoyles oder die Dämonen sind nämlich gar nicht mal so gut animiert.

Dieser Film ist einfach reinster Trash, aber eben nicht diese Art von Trash, die ich nun mit „feinstem Trash“ betiteln würde, der mitunter ziemlichen Spaß bringen kann, sondern diese Art von „Fremdschäm-Trash“, die einem mehrfach resignierend die Hand vor den Kopf schlagen lässt, sodass man mit rotem Abdruck auf der Stirn den Kinosaal verlässt. Immerhin hatte Frankensteins Monster in diesem Punkt recht: „Ich bin gekommen, um dich zu vernichten!“ Ein paar meiner Gehirnzellen haben dabei mit Sicherheit das Zeitliche gesegnet…