Drei Jahre hat es gedauert, aber nun ist „The Human Centipede“ nach Deutschland gekommen. Ungeschoren hat er es aber verständlicherweise nicht auf deutsche Disk gebracht. Zwar wurde bei der FSK eine ungeschnittene Fassung eingereicht, aber ein Freigabesiegel wurde verweigert.

Das gab es erst, nachdem an die fünf Minuten entfernt worden waren. Ein paar Schlüsselszenen fielen damit auch der Schere zum Opfer, aber letzten Endes ist „The Human Centipede“ nicht die Art Film, deren Stimmung man durch Schnitte beikommen könnte.

Denn effekttechnisch ist nicht viel geboten. Vielmehr ist der Streifen von einer kranken Atmosphäre durchdrungen, die auch mit Cuts nicht schwindet. Eine ungekürzte Fassung soll es – wie das heutzutage üblich ist – über kurz oder lang über Österreich geben.

Zwei Touristinnen haben eine Autopanne und suchen beim Haus von Dr. Heiter Hilfe. Er bittet sie herein, ist aber höchst merkwürdig. Das merken auch die zwei Frauen, doch entkommen können sie nicht mehr. Sie haben bereits etwas getrunken und damit Betäubungsmittel zu sich genommen.

Nachdem Heiter einen Japaner entführt hat, erklärt er seinen drei Opfern, was er eigentlich vorhat: Er will einen medizinischen Durchbruch erreichen. Mit der Schaffung des ersten menschlichen Tausendfüßlers. Zu dem Zweck wird er die drei miteinander verbinden – Mund an Hintern.

Ein von seiner kranken Atmosphäre getragener Film, der in der deutschen Fassung jedoch Federn lassen musste.Fazit lesen

Seinen Plan setzt er in die Tat um, womit das Martyrium für seine drei Opfer beginnt. An Flucht ist eigentlich nicht zu denken, doch ein Leben als menschlicher Tausendfüßler ist auch keine Alternative.

Human Centipede - Genial schrecklich oder einfach nur pervers? Der Skandalfilm jetzt auch in Deutschland

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Der Plan eines Wahnsinnigen: Dr. Heiter möchte einen menschlichen Tausendfüßler schaffen.
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Sprachen-Wirrwarr

Im Originalton lebt „The Human Centipede“ auch davon, dass unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. So gibt es recht umfangreiche deutsche Passagen. In der Synchronisation hatte man natürlich ein Problem und hat großzügig darüber hinweg gebügelt.

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Heißt: Es wird nun mehr Deutsch gesprochen und eine Ebene des Films einfach geopfert. Sollte man des Englischen nicht mächtig sein, so empfiehlt sich das Ansehen mit Untertiteln. Die Originalfassung ist hier einfach deutlich interessanter.

Schock und Ekel

Dass ein Film wie „The Human Centipede“ die Gemüter erhitzt, ist nicht weiter überraschend. Dabei überlässt er erstaunlich viel der Vorstellung. Aber wohl gerade deswegen wirkt er umso stärker nach, denn was man sich ausmalt, könnte kaum ein Film jemals ebenso schrecklich verwirklichen.

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Es beginnt wie typischer Backwoods-Horror: Zwei Touristinnen sind gestrandet und bitten um Unterschlupf.
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So gibt es kaum Effekte. Von der Operation ist nur minimal etwas zu sehen. Vielmehr wird nach getaner Tat wieder angesetzt, wobei dann die Momente kommen, die deutlich unangenehmer ausfallen. Denn wie der Doktor seinen menschlichen Tausendfüßler behandelt, wie er seine Bestandteile entmenschlicht und zu einer Art Haustier macht, ist starker Tobak und nichts für zartbesaitete Gemüter.

Dies ist kein Fun-Horror, bei dem man angesichts eines metzelnden Killers Spaß haben könnte, sondern vielmehr der Blick in eine zutiefst kranke Seele, die zur Befriedigung einer abstrusen Idee Experimente mit Menschen anstellt. Dass der Doktor ein Deutscher ist, kommt dabei sicherlich nicht von ungefähr, erinnert Heiter mit seinem wissenschaftlichen Wahn doch an die schlimmste Zeit deutscher Geschichte, in der auch Experimente am Menschen durchgeführt wurden.

Beängstigender Dieter

Für den Part des monströsen Doktors bedurfte es natürlich eines Schauspielers, der in der Lage ist, der abstrusen Handlung ernsthaften Anstrich zu verleihen. Der 1942 in Kiel geborene Dieter Laser ist die perfekte Wahl. Mit seinem eingefallenen Gesicht, den hohen Wangenknochen und den gefärbten Haaren wirkt er selbst wie aus einem Gruselkabinett, verströmt jedoch auch eine Aura der Faszination.

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Sinnbild für Sadismus und Erniedrigung: Der Tausendfüßler in natura.
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Es ist die Darstellung eines Wahnsinnigen, der sich in seinen abnormen Plänen immer weiter steigert, die dafür angetan ist, dem Publikum Schauer über den Rücken zu jagen.

Man kann durchaus attestieren, dass die Idee des Films originell ist, allerdings bedient er sich auch reichlich an Terrorfilmen, in denen Unschuldige zum Opfer von Wahnsinnigen werden – nur dass er praktisch alles Zuvorgekommene in den Schatten stellt. Weil er eine psychosexuelle Komponente einbringt, die schwer zu fassen ist, weil er in seiner kranken Erzählweise widerlich ist, und weil einfach niemand zuvor auf die Idee kam, einen Mund an einen Anus anzunähen und den „Kopf“ aufzufordern, das „Mittelstück“ zu füttern, als er sich erleichtern muss.