Im Werk von Martin Scorsese sticht „Hugo Cabret“ stark heraus. Es ist kein Film, wie man ihn von Scorsese erwarten würde. Aber in mehr als nur einer Hinsicht ist er genau der Film, den zu machen Scorsese geboren wurde. In keinem anderen seiner Werke ließ er derart tief in sein eigenes Innerstes blicken, kein anderer seiner Filme dürfte ihm derart am Herzen liegen wie „Hugo Cabret“. Denn in seiner Essenz ist „Hugo Cabret“ nicht nur eine märchenhafte Fabel für große und kleine Kinder, sondern eine Zelebration des Mediums Films, seiner Geburt und der Träume, die es in Abermillionen von Menschen befeuerte.
Ein das 3-D-Format herausragend nutzender Film, Martin Scorseses Liebeserklärung an das Kino.FazitIm Paris der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts lebt der kleine Junge Hugo Cabret in einem Bahnhof. Nach dem Tod seines Vaters, einem Uhrenmacher, nahm sein Onkel ihn bei sich auf und unterrichtete ihn darin, ihm beim täglichen Aufziehen der Bahnhofsuhren zu unterstützen. Der Onkel verschwand, aber noch immer zieht Hugo die Uhren auf – um nicht entdeckt zu werden und weiterhin im Geheimen hier leben zu können.
An diesem Ort baut er an einem Automaton, einer Maschine in menschlicher Gestalt, die etwas schreiben kann. Doch sie ist kaputt und das Reparieren eine langwierige Angelegenheit. Weil er immer wieder bei einem Spielzeugmacher stiehlt, gerät Hugo in Schwierigkeiten und lernt dessen Patentochter Isabelle kennen. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Automaton zum Laufen zu bringen, doch die ersehnte Botschaft, die sich Hugo erhofft, als dieser zu schreiben beginnt, bleibt kryptisch.
Er schreibt nicht, er zeichnet. Und zwar das Bild vom Mann im Mond, dem eine Rakete im Auge steckt. Versehen wird das Ganze mit einer Signatur: Georges Méliès. Das, so Isabelle, ist der Name ihres Patenonkels. Sie stellen weitere Nachforschungen an und fragen sich schließlich, wie es kommt, dass Méliès, ein Magier des Kinos, versucht, die eigene Vergangenheit zu vergessen?
Wunderschöne Bilder, der ganze Film ist durchzogen davon.Effektiv hat Scorsese mit „Hugo Cabret“ eine Geschichte gefunden, die das Kind in ihm selbst anspricht. Hugo ist, wenn man so will, ein Alter Ego des Regisseurs, der wie seine Heldenfigur einst auszog, einen Regisseur – Michael Powell – vor dem Vergessen zu bewahren. Mit „Hugo Cabret“ leistet Scorsese nun noch weit mehr. Er fängt seine Liebe zum Film in prächtigen Bildern ein und schafft es, den Zuschauer mit eben diesen zu verzaubern.
Scorsese ist wie Georges Méliès, der als Magier begann und dann das Medium Film nutzte, um eigene Welten zu erschaffen. Eine solche Welt ist nun auch die von „Hugo Cabret“ - Hommage und Reverenz an die Geburtsstunde des Kinos zugleich.
Es ist wie ein Adelsschlag, wenn James Cameron sagt, dass ein Filmemacher es wahrlich verstanden hat, eine filmische 3-D-Welt zu erschaffen. So äußerte er sich über Scorsese und dessen ersten 3-D-Film. Und mehr noch: Cameron erklärte, dass Scorseses Film seine eigenen Arbeiten sogar noch übertrifft.
Recht hat er, wurde 3-D doch niemals schöner und wirkungsvoller als hier eingesetzt, nicht als Gimmick, sondern um eine fabelhafte Welt in ihrer Schönheit noch mehr erstrahlen zu lassen.
Der Kreis des Filmemachens schließt sich dann, als Scorsese einen Ausschnitt aus „Ankunft eines Zuges in La Ciotat“ zeigt, der aus nichts anderem als einem nahenden Zug besteht. Als dieser Film 1896 uraufgeführt wurde, wichen die Menschen in Panik zurück, da sie Angst hatten, vom Zug erfasst zu werden. Nun unterzieht Scorsese diesen Startschuss der Filmgeschichte, erschaffen von den Lumiere-Brüdern, der 3-D-Umwandlung. Und man kann sich nur vorstellen, dass die Lumieres ihre diebische Freude daran gehabt hätten, eine solche Technik schon mehr als 100 Jahre zuvor einzusetzen.
Viele schöne Bilder.„Hugo Cabret“ ist ein sehr reicher Film, mit vorder- und hintergründigen Geschichten, die jede Figur – und sei sie noch so nebensächlich – vertiefen. Der Film selbst besteht im Grunde aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte ist er ein geradezu märchenhaftes Abenteuer zweier Kinder, in der zweiten Hälfte wird er zu einer Liebesbekundung an das Kino.
Mit der Konzentration auf Méliès arbeitet Scorsese aus Clips und Sequenzen aus Dutzenden Stummfilmen ein. Zugleich stellt er nach, wie Méliès in seinem Filmstudio die Filme lebendig werden ließ.
Von der ersten Minute an befindet man sich jedoch in einem fast magischen Land. Es ist atemberaubend, wie Scorsese das Paris der 30er-Jahre und den Bahnhof, in dem große Teile des Films spielen, auferstehen lässt. Nicht minder beeindruckend ist das Ensemble, das er zusammengetrommelt hat. Bis in die kleinsten Rollen edel besetzt – Christopher Lee und Jude Law sind nur kurz dabei – lebt „Hugo Cabret“ vor allem von den beiden Jungdarstellern Asa Butterfield und Chloe Grace Moretz, die weit jenseits klischeehafter Kinder sind, wie man sie in Familienfilmen leider viel zu häufig vorgesetzt bekommt.
Unter Scorseses einfühlsamer Regie und mit dem differenzierten Spiel werden sie zu kleinen, schlauen Abenteurern, die – ebenso wie praktisch alle anderen in diesem Film – das Happyend verdienen und bekommen, von dem Méliès glaubt, dass es dieses nur im Kino gibt.
Regie: Martin ScorseseGenre:FamilienfilmFilmstart: Darsteller:Chloe Moretz, Asa Butterfield, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen
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Werd ich mir wohl mla ansehen o.o
Wieso solltest du der Letzte sein? Als ob wir alle Banausen wären -.-
Wenn man so viel Murks sieht wie ich schätzt man die Perlen noch viel mehr.
Klingt aber gut, ma sehn ob ich den Film noch in den Dezember rein krieg...