Schon vor 20 Jahren wollte Jeff Bridges den Roman von Lois Lowry verfilmen. Damals wollte er mit seinem Vater Lloyd zusammenarbeiten, der den Hüter der Erinnerung spielen sollte. Nun ist Jeff Bridges selbst im Alter, um diesen Charakter zu spielen. Als solcher ist er das Gewissen eines Films, der eine ungewöhnliche Form der Dystopie zeigt: eine Welt ohne Hunger, ohne Krieg, ohne Hass. Eigentlich eine perfekte Welt.

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Die Welt ist eine andere. Der Untergang hat sie verändert. Die Menschen leben in einer abgeschiedenen Gesellschaft. Emotionen werden durch tägliche Injektionen unterdrückt, nur oberflächliche Gefühle bleiben. Es gibt keinen Hass, keinen Neid, keine Missgunst, alle sind gleich. Niemand sucht sich seine Aufgabe im Leben aus, sie wird einem zugewiesen, so wie Familien einander zugewiesen werden. Diese Gesellschaft ist, wie sie ist, weil sie die Fehler der Vergangenheit vermeiden will. Nicht noch einmal soll das Negative im Menschen zu seinem Untergang führen.

Hüter der Erinnerung - The Giver - Wer die Vergangenheit vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen

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Der Film erscheint bei uns am 02.10.2014 im Kino.
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Doch niemand erinnert sich daran, wie es früher war. Nur einer weiß dies: Der Hüter der Erinnerung (Jeff Bridges). Er trägt alles Wissen über die Welt, wie sie einmal war, über das Gute, aber auch das Böse in sich. Und nun soll er dieses Wissen an den Jungen Jonas (Brendan Thwaites) weitergeben, der ihn als Hüter der Erinnerung beerben soll. Aber als Jonas erkennt, was die Menschen verloren haben, wie falsch ihr Leben in dieser Form ist, beschließt er, dass er mehr sein muss, als seine Bestimmung ihm zuspricht.

Technischer Kniff

„Hüter der Erinnerung – The Giver“ fängt schwarzweiß an. Er bleibt es auch eine ganze Weile, bis Jonas erstmals eine Farbe sieht, nur kurz, nur unscheinbar, aber doch präsent. Die Haare seiner Freundin Fiona. Das erinnert ein bisschen an „Pleasantville“, ist die Gemeinde, in der Jonas lebt, doch im Grunde auch ein idealisierter Ort, an dem nur das Gute vorherrscht.

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Das Buch von Lois Lowry zu verfilmen, ist ein großer Traum von Jeff Bridges gewesen.
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Je mehr Jonas lernt, desto mehr wird ihm klar, dass die Menschen dieser Gemeinschaft das verloren haben, was Menschsein eigentlich ausmacht. Das ist technisch interessant umgesetzt, denn Jonas‘ Welt wird immer bunter, sie geht von Schwarzweiß über Sepia hin zu echter Farbe. Es ist ein unfassbar einfaches Mittel, dessen sich Regisseur Philip Noyce bedient, um die Tristesse dieses Lebens darzustellen.

Es ist ein Leben, das augenscheinlich glücklich, aber frei von jedwedem echten Glück ist. Wo in „THX 1138“ Emotionen verboten waren und in „1984“ ein Überwachungsapparat die Freiheit der Gedanken beschnitten hat, ist es bei „Hüter der Erinnerung – The Giver“ weit subtiler. Die Menschen sind unfrei – und merken es nicht einmal.

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Was kann an einer Welt ohne Leid und Schmerz schon falsch sein?
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Botschaft für junges Publikum

Der Roman zielte auf ein junges Publikum ab und war auch sehr erfolgreich. Dass er gerade jetzt verfilmt wurde, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass andere Science-Fiction-Stoffe für junge Erwachsene gerade voll im Trend liegen. Aber „Hüter der Erinnerung – The Giver“ unterscheidet sich von „Hunger Games“ oder „Die Bestimmung“ in einer Beziehung.

Das Hauptaugenmerk wird weniger auf die Romanze gelegt. Zwar gibt es die, aber sie befindet sich in einer Art embryonalen Stadium, da es nur Jonas ist, der seine Gefühlswelt zurückerhält. Die Botschaft des Films ist natürlich simpel: Letzten Endes ist Liebe das einzige, das zählt.

Hüter der Erinnerung - The Giver - Neue Bilder zur Verfilmung von Lois Lowrys Roman

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Aber der Film geht darüber hinaus, er befasst sich – und das macht ihn dann auch für ein älteres Publikum durchaus interessant – mit der Frage nach dem, was Menschen auszeichnet. Das Gute gibt es nicht ohne das Schlechte, aber nur wer das eine kennt, kann das andere wirklich schätzen.

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Love is all you need

In der Theorie ist eine Welt wie die in diesem Film eine schöne. Wer möchte nicht frei von negativen Gedanken, von Leid und Schmerz, von Hass, Wut, Angst sein? Aber auch sie machen uns zu dem, was wir sind. Nimmt man uns das weg, bleibt nur eine leere Hülle. Es ist die Kunst, all das zu balancieren, das Gute mit dem Schlechten zu nehmen und dennoch nicht zu verzagen. Leben bedeutet auch leiden, aber eben nicht nur. All das Gute, Freunde, Familie, Liebe, Glückseligkeit, Gemeinsamkeit und so viel mehr ist jeden Schmerz wert.