Ein altes Haus, eine nicht mehr vollständige Familie und dann, wenn es ganz still wird, „things that go bump in the night“. Der erste Satz der „The Babadook“-Kritik gilt auch bei „Housebound“, einem weiteren „haunted house“-Horrorfilm, der diesmal allerdings auf humorvollen Wurzeln fußt. Und diese durchaus anspruchsvolle Konstellation so spannend meistert, dass als Lohn der „Fresh Blood“-Preis auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest (in Berlin) verliehen wurde.

Housebound - Trailer (deutsch)Ein weiteres Video

Mische für Geister

So viele Horrorkomödien scheitern daran, dass sie ihre Figuren und ihr Setting nicht ernst nehmen oder einfach miserable Witzchen absondern. Dass „Housebound“ in eine andere Richtung steuert, merkt man bereits ganz am Anfang , als die Protagonistin des Films, Kylie (Morgana O'Reilly), auftritt und die ganze Welt als Gegner begreift. Statt einer blonden Scream Queen, die automatisch in dunklen Kellern Zuflucht sucht, wandelt hier ein schwarzhaariges Problemkind über knarzende Fußböden. „Was machst du, wenn es ein feindseliger Geist ist?“ „Ich poliere ihm die Fresse.

Housebound - Es gibt einen Grund, warum das Haus so billig war

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Hausarrest mit Geistern – und Mama ( Rima Te Wiata) und Tochter ( Morgana O'Reilly).
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Kylie ist so etwas wie eine anti-Scream Queen, aber auch weit entfernt von einem toughen Klischee. Ausgehend von einem missglückten Geldautomaten-Bruch muss sie acht Monate mit einer Fußfessel in ihrem Elternhaus verbringen und gerät dort schon bald auf die gerade Bahn. Sie ist tough, keine Frage, doch trotzdem lässt sie sich von ihrer schusseligen Mutter (Rima Te Wiata) zuplappern, formt eine drollige Freundschaft mit ihrem Aufpasser (Glen-Paul Waru) und hat richtig Schiss, als ihr ein Geist auf die Pelle rückt.

Zu dumm nur, dass Kylie Hausarrest hat und damit tatsächlich einen plausiblen Grund vorweisen kann, warum sie ihr Spukhaus nicht schnellstmöglich verlässt. Oft kranken ja „haunted house“-Filme an völlig unplausibler „home sweet home“-Verbundenheit, selbst nach den ersten Stürzen übers Treppengeländer, doch hier ist die Situation einfach gegeben – und erzeugt eine absurde Schräge, die unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht ruft. Okay, das Haus war früher eine Art Kinderpsychiatrie und ein Mord ist da ebenfalls passiert, aber hey, dafür war es auch echt billig!

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Das was da bei Mama im Gesicht klebt, war vorher woanders.
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Haken und Falltüren

Kylies Mutter hat sich fast schon mit dem nächtlichen Gerumpel abgefunden und ihr Schwiegervater (Ross Harper) steht meistens nur stumm herum. Sobald Kylie jedoch auftaucht, intensivieren sich die Attacken, so dass ein Kampf unausweichlich wird. Unerwartete Hilfe hierbei kommt in Gestalt des Aufpassers, der sich als Hobby-Geisterjäger entpuppt und schon bald mit Lampen und Kassettenrekorder anrückt. Alles deutet daraufhin, dass das in dem Haus ermordete Mädchen über Kylie Erlösung sucht.

Oder eben auch nicht. Oder nicht nur. Oder... einfach immer neue Haken und Falltüren, die das anfangs relativ klare „haunted house“-Setting wiederholt neu sortieren und handfeste Überraschungen servieren. Überraschungen, die sich absolut organisch ins Gesamtbild fügen und so weit plausibel bleiben, dass man nicht aus dem Film gerissen wird. Allzu viel darf hier gar nicht verraten werden, aber dieser Twist relativ am Anfang, als der Aufpasser auf einmal paranormale Aktivitäten an den Tag legt, zimmert schon ziemlich genau die folgende Marschroute.

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Aus dem Horror-Einmaleins - bei solch einer Lichtquelle bleibt verdammt viel Schwarz.
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Lachende Schauer

Alle Figuren in „Housebound“ sind großartig angelegt, ihre Macken und Eigenarten machen sie greifbar und interessant. Regisseur und Drehbuchautor Gerard Johnstone beweist hier eine wunderbare Feinfühligkeit und auch Schärfe, die sich stets der Geschichte unterordnet und nicht einfach nur Gags absondert.

Der Film ist zunächst einmal ein Horrorfilm und erst nachgeordnet eine Komödie, was die Stimmung nie entgleisen lässt und immer wieder großartige Schocks möglich macht. Eine der besten Szenen ist ein Stromausfall, dessen wieder aufflackerndes Licht an eine gewisse Szene aus „The Descent“ erinnert, und das mit Kylies quietschender Abstellkammertür ist ein Paradebeispiel für einen lachenden Schauer.

Und es geht eben doch: eine gelungene Horrorkomödie.Fazit lesen

Patent wie sie nunmal ist, entfernt Kylie nämlich kurzerhand jene Tür, die sich wie von Geisterhand öffnet. Sie setzt sich wieder auf ihren Stuhl, atmet durch... und darf dann zusehen, wie eine winzige Tür an der Wand der Kammer aufgeht. Eine absolut geniale Szene, von Johnstone auf den Punkt inszeniert. „Housebound“ ist keine Vollgas-Angelegenheit, wie zum Beispiel „Dead Snow 2“, doch diese beinahe ruhige Entwicklung der Geschichte, gepaart mit einer exzellenten Produktion und den hinterrücks einfahrenden Schocks, kommt ebenfalls an der Gurgel an.

Irgendwas muss in Neuseeland im Tee sein, denn die Gabe eines ganz eigenen Humors, die zum Beispiel auch ein Reibeisen eine bereits stark gerötete Backe abschmirgeln lässt, ist schon lange nicht mehr nur mit dem Namen Peter Jackson verbunden. Mal kommt man sich hier vor wie in einem abgehangenen Familiendrama, mal wie in „Conjuring“ und mal wie in einem drallen Splatter-Kabarett.

Eigentlich kann so etwas gar nicht funktionieren, und schon gar nicht unter dem bösen Deckmantel einer Horrorkomödie, doch bei „Housebound“ klappt es einfach. Am besten gar nicht groß hinterfragen, alles weitere klärt dann der Stromausfall und das Reibeisen!