Über kurz oder lang musste es natürlich auch mal dazu kommen: Jennifer Lawrence spielt in einem richtig üblen Film mit. Man kann eben nicht immer nur in Streifen wie „Winter’s Bone“ oder „Silver Linings Playbook“ agieren. Manchmal wird ein Projekt, das vielleicht in der Theorie interessant war, in der Umsetzung zu einem klischeegeladenen, vorhersehbaren Thriller, der weitestgehend ohne jedwedes thrillende Element auskommt.

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Sarah und ihr Tochter Elissa ziehen in eine neue Stadt und ein neues Haus. Das Anwesen haben sie günstig bekommen, denn in seiner Nachbarschaft steht ein Mörderhaus. Dort hat das Mädchen Carrie Anne vor vier Jahren ihre Eltern ermordet. Nun lebt ihr Bruder Ryan alleine in dem Haus. In der Stadt gilt er als Sonderling. Niemand will sich mit ihm abgeben.

Aber als Elissa ihn kennen lernt, findet sie ihn sympathisch - süß, aber auch traurig und einsam. Sarah möchte nicht, dass Elissa mit Ryan befreundet ist, aber natürlich setzt sich die Tochter über ihre Wünsche hinweg. Doch Elissa kann nicht ahnen, welch schreckliches Geheimnis Ryan im Keller seines Hauses hütet: Dort haust die geistig behinderte Carrie Anne, die von den Stadtbewohnern für tot gehalten wird …

Der Film, wie er ist – und wie er hätte sein können

Im ersten Drittel gestaltet sich „House at the End of the Street“ eigentlich ganz gut. Hier geht es noch darum, dass ein Opfer von einer Gemeinde ausgegrenzt wird und selbst ein Neuankömmling wie Sarah dieselben Vorbehalte gegen den jungen Mann hat – obwohl er nichts für das Unglück kann, das seine Familie befiel.

House at the End of the Street - Wir töten, was wir lieben

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Ein Mörderhaus in der Nachbarschaft - dabei beginnt alles so ruhig.
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Hätte man in dieser Richtung weitergemacht, hätte sogar ein richtig guter Film rauskommen können. Aber stattdessen entschied man sich, tief in den Sumpf der Klischees hinabzusteigen und nur ja keinen originellen Moment aufkommen zu lassen. Es dauert nicht lange und man ist dem Film immer ein paar Nasenlängen voraus. Nichts gestaltet sich noch in irgendeiner Weise überraschend. Vielmehr nervt das Ganze durch das monotone Abspulen tausendmal wiedergekäuter Handlungsabläufe.

Was man sieht und was man hört

Spätestens in dem Moment, in dem Ryan Elissa erzählt, wie es zum Unfall von Carrie Anne kommt, weiß man, wie der Hase läuft. Denn was wir hören, ist eines, was wir sehen, etwas gänzlich anderes. Die Bilder geben Aufschluss, dass Ryans Geschichte so nicht gewesen ist, dass das Familienidyll nichts weiter als ein Konstrukt seiner Imagination ist. Von da an ist es nicht mehr weit, den Film als Mixtur aus Teenie-Variante von „Psycho“ und Slasher-Mini-Klassiker „Sleepaway Camp“ zu sehen. Nur dass dort tatsächlich am Ende Überraschendes passierte.

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Wo man anfangs durchaus hoffen konnte, dass „House at the End of the Street“ abseits ausgetretener Pfade eine eigenständige Geschichte erzählt, entscheidet sich der Film irgendwann, dass er einfach nur ein weiterer 08/15-Thriller sein will, den auch an sich gute Schauspieler nicht retten können.

House at the End of the Street - Wir töten, was wir lieben

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Pistolen gibt's auch. Und schwitzende Frauen.
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Wenn der Twist die Logik killt

Der Film versucht, dem Zuschauer vorzugaukeln, etwas zu sein, das er nicht ist. Das hat mit Carrie Anne zu tun, die immer wieder ihrem Gefängnis zu entkommen sucht. Um erneut zu morden, so suggeriert es der Film. Doch eigentlich nur, um ihrem durchgeknallten Gefängniswärter zu entfliehen.

Ein Thriller, der kein Klischee auslässt. Nach gutem Anfang stürzt der Film ganz gewaltig ab.Fazit lesen

Darin liegt jedoch die Crux. In einer minderspannenden Sequenz, in der die junge Frau flieht, läuft sie schnurstracks auf das Nachbarshaus zu, in dem Elissa ist. Die Kamerabewegung legt nahe, dass sie um das Haus schleicht, wo sie doch eigentlich geradewegs an die Fenster schlagen und um Hilfe rufen müsste, wie später ein für alle Mal klargestellt wird.

So zerfällt die Logik des Films, weil eine Szene mit dem später kommenden Twist nicht in Einklang gebracht werden kann. Aber vermutlich erwarten die Filmemacher, dass man bei Schund wie diesem gar nicht allzu viel nachdenkt.