Erfolg gibt einem nicht unbedingt Recht, aber er sichert auf jeden Fall eine Fortsetzung. Dafür muss der Film weder gut noch sonderlich einfallsreich sein. Er braucht keine Figuren, die mehr Tiefe bieten als ein Esslöffel und keine Handlung, die komplexer ist als eine Runde Moorhuhn. Er muss nur zur richtigen Zeit den richtigen Nerv treffen. Das hat „Hotel Transsilvanien“ offensichtlich getan, denn trotz äußerst durchwachsener Kritiken aus allen Teilen der Welt bekam der Animationsfilm eine Fortsetzung und bald sogar eine eigenständige Serie...

Hotel Transsilvanien 2 - Deutscher Trailer #13 weitere Videos

Verdient? Bekloppt? Sinnentleert oder die logische Konsequenz? Mühsam darüber zu diskutieren und wir wissen ja alle: bei gamona arbeiten keine Überstundler. Also atmen wir hier einfach mal ganz tief durch, schnüren das Alte-Männer-Korsett enger und trinken noch einen Earl Grey, bevor wir uns auf die Stärken und Schwächen des Films konzentrieren, statt uns zu fragen, ob dieser Streifen einfach nur zum richtigen Moment mit Oldschool-Monstern aufwarten konnte und ob Fans von solchen Filmen in der Lage sind, jegliche negative Kritik einfach direkt auszublenden, um so nicht nur an ihrem Zeitvertreibsliebling, als auch an sich selbst, jegliche Kratzer am Ruf abzuwenden...

Hotel Transsilvanien 2 - Was haben wir auch erwartet?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Der Film erscheint in Deutschland am 15.10.2015 in den Kinos.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

- Hier Monsterparty-Witz einfügen -

Die Geschichte setzt dort an, wo der erste Teil sein Ende gefunden hat. Draculas Tochter Mavis heiratet ihren menschlichen Geliebten Johnny und nach einigen schönen Monaten im nun für Menschen geöffneten Hotel, kündigt sich Nachwuchs bei den beiden an. Opa Drac freut sich wie eine Fledermaus in der Bat-Cave und es scheint so, als wäre das Glück aller Beteiligten auf seinem unerschütterlichen Höhepunkt.

Aber der gute Graf wäre nicht er selbst, wenn er nicht doch noch ein bisschen mehr Monster- als Menschenfreund wäre und hofft, dass sich herausstellt, dass sein Enkel kein normaler Fleischsack, sondern ein adeliger Vampir ist. Mutter Mavis ist das egal; was sie interessiert ist, ob ihr Sohn nicht lieber unter den Menschen aufwachsen sollte. Also geht es zu Johnnys Eltern, um einen Hauch Normalität zu atmen und das Beste fürs eigene Kind zu finden.

Hotel Transsilvanien 2 - Was haben wir auch erwartet?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Ha ha ha. Der Wolf benimmt sich wie ein Hund. Klassiker...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Monster vs. Menschen

„Hotel Transsilvanien 2“ hat einen guten Storyansatz. Die Frage, was das Beste für den eigenen Nachwuchs ist, ist in unserer stinknormalen Realität schon eine schwierige Frage und die Diskussion darüber kann dazu führen, dass sich Erwachsene wie kleine Kinder an die Gurgel gehen. Doch hier, wo Monster und Menschen sich zwar annähern, aber dennoch in verschiedenen Welten leben und die alte Generation ganz andere Ansichten im Kindesalter eingeprügelt bekam, können sich Abgründe voller scharfer Zähne auftun.

Leider wird diese Idee in keiner Sekunde wirklich genutzt. Stattdessen dehnt man den Film auf, füllt ihn mit einer sinnlosen Slapstickeinlage nach der anderen und liefert halbgare Gags wie am Laufband. Zusammenhanglos und dermaßen auf cool getrimmt, dass man befürchten darf, wirklich alte Männer hätten sich ein Buch über den Humor und die Szene der jüngeren Generation geholt und versucht – ohne tieferes Verständnis für das Gelesene – die Inhalte in den Film zu kopieren.

Hotel Transsilvanien 2 - Was haben wir auch erwartet?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Alle sind glücklich und wenn es Grund zum Stress gibt, verpufft der schon bald.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was dabei herausgekommen ist, ähnelt enorm dem ersten Teil. Peinliche Fremdschäm-Momente, die anmuten, als wärt ihr wieder 14 Jahre alt, eure Freunde sind das erste Mal zu Besuch und als ihr gerade die Chance seht, dass man euch für einen coolen Typen oder ein taffes Mädel halten könnte, kommt auch schon die Mama ins Zimmer, serviert Plätzchen und Milch und benutzt Ausdrücke wie „swag“ und „Foodgasm“ und bezeichnet den beliebtesten Jungen eurer Schule als „Alpha-Kevin“.

Die richtigen Ansätze sind auch an anderer Stelle da. Wenn es um Mavis' Zwiespalt zwischen das Richtige tun und „das Richtige (!)“ tun geht. Draculas Problem, die Vergangenheit ruhen zu lassen und vor allem – und hier wäre wirklich sehr viel Potenzial gewesen – die rassistischen und vorsintflutlichen Ansätze von Uropa Vlad (im Original gesprochen von dem einzigartigen Mel Brooks).

Der erste Teil hörte auf dem Höhepunkt seiner Lächerlichkeit auf. Dieser hier fängt genau dort wieder an.Fazit lesen

Doch statt das man mit diesen Ideen spielt, sie tiefer wirken und sich entfalten lässt und die Storystränge um die Gags und den – verständlicherweise – vorherrschenden Humor herumspinnt, sie wie Ranken daran hoch kriechen lässt, verpulvert man sie einfach nur. Es bleibt bei den oberflächlichen Ansätzen, die zum Ende hin einfach und völlig unzusammenhängend verpuffen und alles löst sich in schleimiges Wohlgefallen auf.

Hotel Transsilvanien 2 - Was haben wir auch erwartet?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Vor allem bei Uropa Vlad hat man eine Menge Potenzial verschenkt; quasi weggeworfen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was am Ende übrig bleibt ist ein Film, der okayige Lacher bietet, gute Ansätze hat und sonst nicht viel mehr auf die Beine stellen kann, als eine ordentliche Portion Fremdschämen und viele unnötige Szenen und Gags, die den Film wie ein Best-Off einer Nickelodeon-Serie wirken lassen.

Wenigstens kann man sagen, dass das 3D des Films nicht mehr so unfertig und einfach nur mies wirkt wie noch im Vorgänger. Man hat weitgehend auf Szenen verzichtet, die auf dieses Feature ausgelegt sind und hat alles etwas dezenter eingesetzt. Das macht es nicht weniger unnötig, aber durchaus erträglicher. Zusätzlich hat man sich die peinlichen, ins Deutsche übersetzten Musikeinlagen gespart. Danke dafür.