Eli Roth hat mit „Hostel 3“ nichts mehr zu tun. An seine Stelle trat Genre-Urgestein Scott Spiegel, ein Mann aus dem Sam-Raimi-Dunstkreis, der mit „Intruder“ einen der abgefahrensten Slasher-Filme der 80er-Jahre abgeliefert hat. Von Spiegel kann man zumindest eines immer erwarten: eine routinierte Umsetzung.

Mehr ist es leider nicht. Daran ändert auch nichts, dass der Ort der Handlung diesmal nicht mehr im osteuropäischen Niemandsland, sondern in den USA gelegen ist.

Ein paar Freunde beschließen, dass die Junggesellenparty ihres Kumpels Scott in Las Vegas stattfinden soll. Zusammen mit Mike, Justin und Carter erlebt er einen ausgelassenen Abend mit viel Alkohol und willigen Frauen. Dabei treffen sie auch auf Nikki und Angela, die sie zu einer sehr exklusiven Party am Rande von Las Vegas einladen.

Tags darauf wachen sie in ihrem Hotel auf und merken, dass Mike verschwunden ist. Zuerst machen sie sich keine Sorgen, dann fangen sie jedoch an, nach ihm zu suchen. Diese Suche führt zu Angela, deren Freundin Nikki ebenfalls verschwunden ist.

Es wäre denkbar, dass man in einem real existierenden Folterclub diesen Film vorgesetzt bekäme, bis die Augen zu bluten beginnen.Fazit lesen

Wenig später werden sie alle entführt und in eine in der Wüste gelegene Fabrik gebracht. Dies ist ein Etablissement des Elite-Hunting-Clubs. Die Zukunft sieht nicht rosig aus, mit Ausnahme von einem von ihnen, denn er ist ein Mitglied des Clubs. Schlecht für seine Kumpels, dass er von vornherein geplant hat, Scott auf drastische Art und Weise aus dem Leben zu befördern.

Hostel 3 - Hangover mit Gore

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In Las Vegas wollen sie so richtig die Sau rauslassen.
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Ein interessanter Auftakt

Die erste Sequenz von „Hostel 3“ lässt hoffen, einen guten Film zu bekommen. In einer schäbigen Absteige in Las Vegas wird ein typischer Nerd von einem zwielichtigen Mann und seiner Frau in ihrem Hotelzimmer auf einen Drink eingeladen. Man ist sich sicher, dass der Nerd sich schon bald in der Folterstube wiederfinden wird, doch weit gefehlt. Die Erwartungshaltung wird ins Gegenteil verkehrt. Es ist der Nerd, der für den Elite-Hunting-Club tätig ist.

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Ein starker Auftakt, der hoffen lässt, der Film könnte auch im weiteren Verlauf Konventionen aufbrechen und ein bisschen überraschen. Dem ist leider nicht so, was fortan passiert, ist Torture Porn üblichen Zuschnitts. Nur: Die Effekte sind mau.

Dass ein Direkt-auf-DVD-Film ein deutlich geringeres Budget hat, ist klar. Dass sich das in halbgaren CGI-Kills äußern muss, hätte jedoch nicht unbedingt sein müssen. Ein besonders übles Negativbeispiel ist der Mord mit den Kakerlaken, die mithilfe eines Lockmittels in den Mund des Opfers bugsiert werden und sich dann in den Körper hineinfressen. Die erste Assoziation, die man hat, als die Kakerlaken auf die Frau fallen, ist Dschungelcamp. Das trägt nicht unbedingt zur Schaffung von Horror-Atmosphäre bei.

Showbusiness in der Stadt der Sünde

Anders als bei den beiden Vorgängern läuft das Geschäftsmodell hier anders ab. Die Kunden bezahlen nicht, um in Ruhe und allein jemanden um die Ecke zu bringen. Es gibt Shows, in denen Zuschauer gegen Bares entscheiden können, mit welchem Werkzeug ein Opfer malträtiert werden soll. Auf die Weise lässt sich wohl der Profit maximieren. Zumindest wenn man Thomas Kretschmann als Filialleiter glaubt, der aber wenig überzeugend daherkommt. Stattdessen hat man bei seinem Anblick ständig das Gefühl, dass er eigentlich weiß, in welchem Tiefflieger er hier mitspielen muss.

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Aber zum Schluss gibt es kein Entrinnen.
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Die übrige Besetzung schlägt sich auch nicht besser. Kip Pardue zeigte vor langer Zeit mit „Die Regeln des Spiels“, dass er Potenzial besitzt. Das wurde im weiteren Verlauf seiner Karriere nicht mehr angekratzt. Für John Hensley ist dieser Film nach Jahren bei „Nip/Tuck“ der erste Schritt ins Karriere-Aus. Aber immerhin: Er hatte mal eine. Die übrigen No-Names des Ensembles dürften etwas, das auch nur ansatzweise einer Karriere gleicht, kaum erleben.

Dümmliche Elite Hunter

Wo man bei den ersten beiden Teilen noch die Plausibilität annähernd nachvollziehen konnte, so fehlt dies bei „Hostel 3“ völlig. Es ist nun mal etwas anderes, amerikanische Touristen in Vegas verschwinden zu lassen, ohne dass Angehörige und Polizei da auf der Bildfläche erscheinen würden.

Aber nicht nur die Situation ist dümmlich, die Figuren auf beiden Seiten – Täter wie Opfer – sind es ebenso. Beständig ergeben sich Momente, in denen ein normaler Mensch gänzlich anders handeln würde. Aber die Figuren sind den Notwendigkeiten des Drehbuchs verpflichtet.

Und das bis zum bitteren Ende, das eine der Hauptfiguren kaum überleben dürfte. Aber muss ja, damit der hanebüchene Epilog mit der poetischen Gerechtigkeit (inklusive derbster, allerdings im Off stattfindender Folter durch einen Ottonormalverbraucher) auch durchführbar ist.