Die ersten Rezensionen zu „Hitman: Agent 47“ sind bereits online und zerreißen den Film in kleinere Stücke, als der betrunkene Redakteur seine Rechnungen. Da schreit deutlich das beleidigte Fanherz aus jeder Zeile, der zu Ross erhobene Kritiker rümpft die Nase und reckt sie höher gen Himmel als Benjamin Franklin seinen Drachen steigen lassen konnte. Aber sind diese Laute der Empörung, diese Anfälle wahnhafter Hasstiraden auch berechtigt? Ist der Film wirklich so schlecht, dass er dieses Feuerwerk an Anschuldigungen und Beleidigungen verdient hätte? Die Antwort ist 'ja.' Mit Unterstrich, drei Ausrufezeichen und einem beleidigten Schmollmund.

Hitman: Agent 47 - Deutscher Trailer #34 weitere Videos

Wer sich gar nicht lange mit dem „wieso“, „weshalb“ und „warum“ aufhalten möchte, dem sei im Vorfeld verraten, dass der Film deshalb bei uns einen Tick besser davon kommt, als bei unserer liebgewonnenen Konkurrenz aus aller Welt, da wir uns erdreisten zu behaupten, dass wir einen wirklich miserablen Film á la – hier beliebigen Asylum-Film einfügen – immer noch von einer einfach nur miesen Videospielverfilmung unterscheiden können.

Hitman: Agent 47 - Wie man Hitman nicht spielen sollte...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Der Film kommt bei uns am 27.08.2015 in die Kinos.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Trotz all seiner Schwächen bietet „Hitman: Agent 47“ visuell beschwichtigendes Action-Gedöns, gefällige Szenenpräsentation und durchaus anständige Arbeit der beteiligten Schauspieler (die jedoch an ihren Charakteren verzweifeln. Aber dazu später mehr). Doch im Grunde ist all das nur Bijou-Brigitte-Schmuck vor die Kanalratten werfen, aber der Film ist nun mal nicht unterirdisch im Sinne von „Graben wir ein Loch in den Keller“. Empfehlen kann man ihn deshalb aber noch lange nicht. Höchstens, ihr kennt die Vorlage nicht, habt keinerlei Anspruch an Logik, einer gut erzählten Geschichte, überzeugender Schauspielkunst und/oder so etwas ähnlichem wie Einfallsreichtum und Überraschungen. In dem Fall: schnappt euch das Popcorn und macht euch mal leger.

Rote Krawatte, polierte Glatze

Alle anderen können sich auch einfach mit einer Version von „Hitman: Absolution“ ein paar Stunden auf den Kopf schlagen und kommen letztendlich auf die gleiche Welle an Vergnüglichkeit. Abgesehen vom Kern der Geschichte stimmt hier nämlich nichts. Und wir meinen nicht: „Herr Müller, haben Sie den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als auf Facebook zu klicken?“, sondern eher „Was kommt hinter den Grenzen des uns bekannten Universums?!“. Die Antwort lautet „Nichts“. Und ich muss nicht dahin reisen, um mich davon zu überzeugen, dass mein Gehirn diese Tatsache gar nicht verarbeiten kann.

Hitman: Agent 47 - Wie man Hitman nicht spielen sollte...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Die internationalen Kritiken sind unterirdisch - der Film aber auch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Genausowenig kann ich verstehen, wie man diese gefällige Vorlage, die im Grunde alle Elemente eines spannenden Thrillers/Krimis mit sich bringt, so unfassbar verhunzen kann. Agent 47 sieht nicht aus wie seine Vorlage, sondern wirkt wie ein Bubi, der dass zweifelhafte Glück seiner Ausbildung genossen hat. Die Geschichte dreht sich um Dinge, bei denen einem Hitman-Fan die Eingeweide zu krampfen beginnen (Stichwort: „Agent 70“ und „metallverstärkte Supersoldaten) und der Erzählstil erinnert an den Brief einer Fünfjährigen an ihre Oma: „Liebe Oma. Wie ist das Wetter bei dir? Bei uns ist das Wetter sehr gut. Wie ist die Geschichte von Hitman bei euch? Bei uns ist sie nicht sehr gut. Es gibt einen Mann, der hat gar keine Haare und der beschützt eine Frau, die hat gar keine Ahnung. Und zwar vor einem anderen Mann, der hat gar keine Mimik. Papa sagt, dass liegt an diesem doofen Mister Hollywood, der hat die ganze Story ruiniert. Jetzt wäre alles wie in jedem anderen Actionmist; nur viel Krach und noch mehr Rumms. Ich soll dich von Tommy, Mama, Papa und Nachbarin Hildegard grüßen. In Liebe, deine Susi. PS: ich mag wieder Gammelhai und Apfelkuchen essen.“.

Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass man die Geschichte so verunstaltet, dass sich der Darminhalt auf die Schnelle nach unten verdrückt und der Mageninhalt das Weite oben sucht, so ist es noch verdrießlicher, dass sie so lustlos, so spannungsleer erzählt wird. Und das bei einem Schema, bei dem jeder Professor wehmütig an die gute Zeit der Prügelstrafe zurückdenkt, wenn ihm ein Student diesen Mist abliefert. Der gesamte Film läuft nach einem 1-2-3-Prinzip ab. 1 = Viel Reden, wenig sagen. 2 = Krachbumm-Action, die ein jedes Schleichlevel in den Hitman-Spielen verlacht. Und 3 = Ein cooler Spruch am Ende der Action.

Hitman: Agent 47 - Wie man Hitman nicht spielen sollte...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen. Bitte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Danach geht es wieder bei 1 los. Dieser Ablauf wird nur an zwei Stellen nicht eingehalten: dem Intro, welches sich schon dadurch disqualifiziert, dass es die Hintergrundgeschichte komplett vorwegnimmt, statt sie in den Ablauf der folgenden Ereignisse mit einzuweben – Ganz ehrlich. Wenn der Film nicht „Star Wars“ heißt, ist dieses Vorgehen in 99% der Fälle ein deutliches Zeichen für eine miese Geschichte / einen miesen Erzählstil.

Und noch einmal wird dieser Ablauf vom Ende unterbrochen, welches so verdammt unbefriedigend und trashig ist, dass mir dafür einfach nur die Worte fehlen. Es sei jedoch erwähnt, dass der Schauspieler für Agent 48 die rein optisch bessere Wahl für 47 gewesen wäre...