Es gibt Filme, für die muss man Fan sein. Fan des Genre, Fan des Produktionslands und vor allem Fan dessen, was diesen Film vom Mainstream unterscheidet. Im Fall von „Hide and Seek“ ist es der Konflikt zweier Kulturen, die völlig unterschiedliche Auffassungen von Gesellschaft, Floskeln und dessen haben, was als „normal“ gilt. Und genau dieser Umstand bricht hier einem recht anständigen Film das Genick.

Hide and Seek - Kein Entkommen - Koreanischer Trailer mit Untertiteln

Die Geschichte ist eigentlich recht flott auf den Punkt gebracht. Ein Mann wird darüber informiert, dass sein Bruder – zu dem er seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hat - verschwunden ist. Er beginnt damit, sich seiner Vergangenheit zu stellen und untersucht das Verschwinden. Anfangs glaubt er, dass sein Leben zum Horror wird, da er die schreckliche Tat seiner Kindheitstage nicht vergessen kann und befürchten muss, dass sein Bruder einen großen Groll gegen ihn hegt.

Hide and Seek - Kein Entkommen - Mörder, Psychos und ein großes Fragezeichen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 37/401/40
Der Film erscheint bei uns am 26.09.2014 auf Blu-ray und DVD.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch schnell wird ihm klar dass es noch viel schlimmer wird, als er befürchtet hat. Denn sein Bruder ist nicht nur vom Erdboden verschwunden, er scheint auch noch ein perverses Spiel mit seinem kleinen Bruder zu spielen. Überall im Leben des Protagonisten taucht eine vermummte Gestalt auf. Gerüchte über Morde machen die Runde. Menschen verschwinden. Und merkwürdige Zeichnungen an den Türen der Bewohner künden eine makabere Zeit an. Und plötzlich scheint seine Familie in Gefahr...

Das Spiel mit der Psyche

Der Film versucht die gesamte Zeit über ein beklemmendes Gefühl aufzubauen. Menschen verschwinden. Andere benehmen sich mehr als merkwürdig. Man hat Angst. Ist verwirrt. Scheinbar macht eine vermummte Gestalt jagt auf die Bewohner eines Häuserblocks. Und immer wieder stellt sich die Frage: wer jagt hier eigentlich wen?

Doch so sehr sich der Film die Mühe macht, dieses beklemmende Szenario so rüberzubringen, dass man die Angst und die Gefühle der Figuren versteht, sogar nachvollziehen kann, so sehr scheitert er dabei an zwei grundlegenden Punkten: die Schauspieler sind allesamt nicht gut genug, um die Gefühlswelt des Zuschauers ins wanken zu bringen. Und zum anderen wirken die Dialoge fremdartig und mehr als merkwürdig.

Hide and Seek - Kein Entkommen - Mörder, Psychos und ein großes Fragezeichen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 37/401/40
Wird Seong-soo (Hyeon-ju Son) seine Familie beschützen können?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Hier prallt das Verständnis was „normal“ angeht auf eine völlig andere Sichtweise. Kulturen versuchen sich zu verständigen, haben aber grundsätzlich unterschiedliche Prägungen. Was in Korea vielleicht einer völlig normalen Konversation gleichkommt, wirkt hier in Deutschland teilweise sehr ungewöhnlich. Ob man den Film nun mit Untertiteln oder in deutscher Sprache guckt: es bleibt oft ein dickes Fragezeichen zurück.

Der Gedanke hinter der Story ist nicht schlecht. Die Umsetzung oftmals leider schon.Fazit lesen

Spannend?

So hat der Film eigentlich eine recht spannende Geschichte zu erzählen und durchaus interessante Figuren zu bieten, scheitert aber vorne und hinten an seiner Glaubwürdigkeit, weil es fast völlig unmöglich ist, sich in Menschen reinzuversetzen, die scheinbar so unlogisch, so wirr reagieren, reden und handeln.

Zusätzlich mangelt es dem Film am richtigen Gefühl, welche Szenen wie lange gezeigt werden sollten. Wichtige Schlüsselpunkte der Geschichte werden oft nur kurz angerissen und andere Einstellungen, deren Daseinsberechtigung schlichtweg darin liegt, Gefühl für die Szenerie und Spannung aufzubauen, sorgen dafür, dass sich die Minuten wie Teer in die Länge ziehen.

Hide and Seek - Kein Entkommen - Mörder, Psychos und ein großes Fragezeichen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 37/401/40
Wer ist die geheimnisvolle Gestalt mit dem Motorradhelm?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Film hätte um einiges kürzer sein müssen und seine Figuren ein klein bisschen „normaler“. So fällt es nicht nur schwer, sich in irgendeiner Form auch nur mit einem der Charaktere zu identifizieren, nein, die Geduld und das Sitzfleisch werden zusätzlich auf eine harte Probe gestellt.

Dafür gelingt „Hide and Seek“ aber auch etwas, an dem selbst die ganz großen Hollywood-Produktionen oft und öfter scheitern. Er bringt ungefähr zur Hälfte eine Wendung ins Spiel, die die ganze Story noch einmal kräftig wach-, den Zuschauer durch- und das Verständnis für den Film völlig durcheinanderschüttelt.

Bilderstrecke starten
(52 Bilder)

Dieser Kniff in der Geschichte ist äußerst gut gelungen und fügt sich in die Handlung perfekt ein. So etwas bekommt man nur selten zu sehen und dadurch scheint der Streifen noch einmal frische Luft zu atmen, sich zu konzentrieren und alle Kräfte zu mobilisieren. Das hält einen bei der Stange und weckt neu entfachtes Interesse am Fortgang der Ereignisse.

Diese Szene ist nicht nur äußerst wichtig, sie ist auch ungewöhnlich, weil sie in sich stimmig und gut durchdacht scheint. Etwas, mit dem der Film bis zu diesem Zeitpunkt und auch danach nicht angeben kann. Zu oft werden hier Wendungen und neue Hinweise und Einzelheiten an den Tag gelegt, die entweder überhaupt keinen Sinn machen oder einer Erklärung bedürfen – die natürlich nie folgt.