Also das gab's noch nie: Eine aufwändige US-Produktion über die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, akzentuiert durch knarzige US-Haudegen, gesichtsloses Nazi-Gelumpe und ultrabrutale Action. Ausgehend von der wegweisenden Kernaussage „Krieg ist die Hölle“ tritt Regisseur David Ayer („Sabotage“, „End of watch“) in die Fußstapfen von zum Beispiel „Steiner – das eiserne Kreuz“ oder „Das dreckige Dutzend“ und lässt die Zuschauer im Kinosessel in Deckung gehen. Der besondere Kniff von „Herz aus Stahl“: extra viel Brutalität. Das erzeugt dann irgendwann auch Intensität.

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„Ideale sind friedlich, Geschichte ist gewalttätig“

Dieses Zitat fällt tatsächlich so in dem Film, ausgesprochen von Wardaddy Brad Pitt, und macht unmissverständlich klar, dass hier kein kompliziertes Psychogramm verpeilter Kriegshelden aufläuft, sondern eine simple A-nach-B-Geschichte, bei der es eigentlich nur darum geht, dass ein Panzer mit fünf Amerikanern durch Deutschland kurvt und alles umnietet, was vors Eisenrohr läuft. Neben Wardaddy sind noch Boyd „Bible“ Swan (Shia LaBeouf), Trini „Gordo“ Garcia (Michael Peña) und Grady „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) mit von der Partie. Der obligatorische Jungspund, der zunächst zaghafte, dann männliche Identitätsanker für das Publikum, ist Kriegsneuling Norman Ellison (Logan Lerman).

Herz aus Stahl - „Inglorious Basterds“ gegen tumbe Nazi-Schweine: „Krieg ist die Hölle“

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Der obligatorische Jungspund (Logan Lerman) trifft auf Wardaddy Pitt.
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Und das war's dann auch schon. Der Film spielt am Ende des Zweiten Weltkriegs und am Ende kommt es zu einem „300“-mäßigen Stand-Off, bei dem die US-Kerle gegen 300 (Tatsache – das ist die genannte Zahl) Deutsche antreten. Wer hier flieht oder gar nachdenkt, ist ein Weichei. Wardaddays „Ideale“-Spruch fußt auf blanker Geradlinigkeit und lässt darauf schließen, dass A-nach-B keine Option, sondern der einzige erkennbare Weg ist.

Man ist hier in Gegenwart von vier abgebrühten bis überheblichen Machos, deren ständige Sprücheklopferei und Flucharien sie nicht unbedingt sympathischer macht. Da, ein paar Deutsche! Höchste Zeit für weitere explodierende Köpfe, abgetrennte Gliedmaßen und großzügig verteilte Hirnreste in der klaustrophobischen Fahrerkabine.

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Die dreckigen Fünf: Brad Pitt, Shia LaBeouf, Michael Peña, Jon Bernthal und Logan Lerman.
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Ganz eng und ganz weit

Die Panzerkabine ist der bevorzugte Aufenthaltsort der Truppe und verstrahlt tatsächlich ein klein wenig „Das Boot“-Atmosphäre. Was Ayer kann, ist das Hochkochen einer intensiven Situation, bei der dann ständig geplappert wird, fahrige Bewegungen irritieren und über am Mann klebende Kamerabilder ein „mitten drin“-Gefühl entsteht.

Wenn „Herz aus Stahl“ mal gut ist, dann in diesen Szenen, die eine eindringliche Vorstellung vom Wahnsinn des Kriegs geben. Man ist nie wirklich sicher, hat nie wirkliche Kontrolle und weiß nie, ob die nächste Sekunde nicht die letzte ist. Als störend darf hier lediglich der aufdringliche Score von Steven Price empfunden werden, dessen pathetische Choräle den gerade noch aufgebauten Realismus nicht gerade unterstützen.

Grimmiger Kriegsfilm, dessen brutale Intensität durch generische Inhalte und schale Figuren abgeschossen wird.Fazit lesen

Höchste Zeit also für großangelegte Feuergefechte mit Deutschen, denn da darf endlich wieder rückhaltloser Splatter regieren, kombiniert mit Leuchtspurmunition (?!) und derselben kruden Dramaturgie, die schon sowohl „End of watch“ als auch „Sabotage“ wundersame Genesungen und komfortable Auflösungen ermöglicht hat.

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Je enger, desto intensiver. Michael Peña steuert Fury.
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Ayer brennt tatsächlich eine drängende Vision unkontrollierbarer Gewalt ab, doch die banale Geschichte und die allesamt flach bleibenden Charaktere schießen sich dazu selber in den Fuß (oder ins Gesicht). Dass der Handlungsverlauf und vor allem der Showdown so nie passiert sind, macht die Sache nicht unbedingt lebendiger. Wie blöd muss man eigentlich sein, um alleine gegen 300 Deutsche nicht sofort die Flucht zu ergreifen?

Ein heroischer Antikriegsfilm

Das mit den „vier abgebrühten bis überheblichen Machos“ lässt bewusst Norman Ellison außen vor, der ja eigentlich dem Publikum seine Augen leihen soll, doch dazu ab der ersten Sekunde knietief im modrigen Uralt-Morast steht. Seine Figur ist lustigerweise die mit Abstand differenzierteste, was aber nichts anderes heißt als eine besonders breite Ausspielung der Klischees zum Thema „junger Novize, dessen Unbedarftheit von der rauen Kriegsrealität in manische Tötungsgeilheit verwandelt wird.“

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Der Film erscheint bei uns am 01.01.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Oh Hilfe. Vor 30 Jahren hätte so etwas vielleicht noch gezogen, doch 2014 wirkt es einfach nur altbacken und spannungslos. Wir wissen inzwischen ganz genau, dass Krieg furchtbar ist, da ist eine weitere plakative Versinnbildlichung durch einen unschuldigen Gegenpol keinesfalls mehr nötig.

Die Figur des Norman Ellison steht für einen Antikriegsfilm, der Rest, der immer wieder den Anschein macht, hier eine echt geile Zeit zu verleben, könnte auch bei Michael Bay unterkommen – selbst wenn natürlich die Hurra-Energie zu einem guten Teil auf fortgeschrittenem Irrsinn basiert. „Herz aus Stahl“ ist so etwas wie ein heroischer Antikriegsfilm, der jenseits seiner spürbaren Intensität keinen rechten Plan hat und grobschnitzig Platitüden, schale Charaktere und wahnsinnig viel Blut aneinanderklebt.

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Was hier auch thematisiert wird, eigentlich zu Recht, ist die Langeweile zwischen den Gefechten, die dann schockartig in Überlebenskampf umschlagen kann. Das Problem dabei ist nur, dass diese Langeweile auch irgendwann auf die drängenden Schlachtenszenen überspringt. Ja zu was ist so ein Krieg dann eigentlich noch nütze?