Mit seinem Film „Her“ hat Spike Jonze als Autor und Regisseur eine der wundervollsten und tiefsinnigsten Romanzen der Kinogeschichte erschaffen. Er erzählt von einer Liebe, die frei von jeder Körperlichkeit ist, die im Grunde abstrus erscheinen muss, die aber wahrhaftiger nicht sein könnte. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich – überspitzt ausgedrückt – in seinen Computer verliebt. Der wird im Original immerhin von Scarlett Johansson gesprochen.

Her - Featurette: Behind The Scene2 weitere Videos

Die nahe Zukunft: Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) hat einen ungewöhnlichen Beruf. Er verfasst Briefe für Leute, die nicht die Zeit haben, ihren Liebsten Briefe zu schreiben. Darin ist er gut, er legt Seele und Herz in das was er schreibt. Selbst leidet Theodore jedoch an der Trennung von seiner Frau Catherine (Rooney Mara), die die Scheidung eingereicht hat.

Doch dann verändert sich Theodores Leben schlagartig. Er installiert ein neues Operating System auf seinem Computer, eine künstliche Intelligenz, die sich den Namen Samantha gibt und eine Konversation mit ihm beginnt. Samantha wächst und reift, sie wird mehr als „nur“ eine Stimme im Computer. Theodore verliebt sich in sie, und Samantha verliebt sich in ihn. Aber kann eine solche Beziehung wirklich Früchte tragen und gelingen oder ist sie nicht automatisch zum Scheitern verurteilt?

Her - Eine wunderschöne Ode an die Technologie

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 15/181/18
In der Hauptrolle: Joaquín Phoenix als Theodore.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Liebe über alle Grenzen

Jonze entwickelt eine clevere Zukunft, nicht unähnlich unserer Welt, und vermutlich das, worauf wir zusteuern. Die Technologie ist noch ein bisschen weiter, der neueste Clou ist eine künstliche Intelligenz als Betriebssystem, mit der man reden kann. Was Jonze entwirft, ist im Endeffekt der ultimative Albtraum all derer, die schon jetzt unken, dass der Mensch in der digitalen Welt vereinsamt und anstatt echter sozialer Kontakt über soziale Medien kommuniziert wird.

„Her“ ist die logische Weiterentwicklung dessen, ist aber kein Warnruf eines Ewiggestrigen, sondern die Vision eines Mannes, der in dieser Entwicklung auch etwas Schönes und Tröstliches erkennen kann. Zugleich ist Jonze – erstaunlich genug – ein Traditionalist, der seinen Film mit einer Botschaft beendet, die bodenständiger nicht sein könnte.

Packshot zu HerHer

Ein Film wie „Her“ läuft Gefahr, dass sich die Einsamkeit der Hauptfigur auch auf den Zuschauer überträgt und ihn in ein tiefes Loch zerren könnte. Wie „Gravity“ und „All is Lost“ ist auch „Her“ ein Film, der fast ausschließlich auf seinen Protagonisten zugeschnitten ist, nur dass Phoenix als Theodore eine Stimme hat, die ihn immer begleitet.

Her - Eine wunderschöne Ode an die Technologie

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 15/181/18
Fünf Nominierungen für die Oscars 2014 sprechen wohl für sich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das macht ihn herausfordernd, es funktioniert jedoch, weil Joaquin Phoenix eine exzellente, würdevolle Darstellung abliefert. Er spielt einen einsamen Menschen, aber sowohl das Skript, als auch der Darsteller hüten sich davor, in die üblichen Fallen zu tappen. Vielmehr mühen sie sich – und haben dabei Erfolg –, die Figur Theodore Twombly so real wie möglich zu gestalten.

Wo die Liebe hinfällt

Man lauscht den Gesprächen eines Pärchens, das im Grunde ganz normal wäre, hätten denn beide einen Körper. „Her“ fordert den Zuschauer dabei heraus, sich eine Meinung zu bilden. Ob er Samantha als eine echte Person anerkennt oder nicht. Obwohl nicht Hauptaugenmerk des Films, bietet er auch Stoff zum Diskurs darüber, was einen Menschen ausmacht.

So ungewöhnlich wie betörend schön. Bild und Ton gehen eine die Sinne vernebelnde Symbiose ein. Zugleich clever, aufrichtig emotional und mit einer faszinierenden Prämisse versehen.Fazit lesen

Der Körper ist es nicht, die Seele ist es. Aber wie definiert man Seele? Das ist die Herausforderung des Films, der in bester Science-Fiction-Manier auch große Fragen stellt und – ganz nebenbei – eine noch größere Geschichte erzählt, denn nicht nur erwacht künstliche Intelligenz hier zum Leben, sie entwickelt sich auch weiter, bis zu einem Punkt, an dem es dann keinerlei Zweifel mehr geben kann, wie dieser Film zu interpretieren ist.

Her - Eine wunderschöne Ode an die Technologie

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 15/181/18
Regie in "Her" führte Spike Jonze, der auch das Drehbuch schrieb.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Man fragt sich, wie Jonze seine Geschichte auflösen will und fürchtet fast ein kitschiges Happyend, aber der Regisseur ist davor gefeit. Er findet einen Schlusspunkt für seine Geschichte, der in zweierlei Hinsicht hoffnungsvoll ist und jeder Figur das gibt, was sie am meisten braucht.

Pastellfarbene Zukunft

Spike Jonze hat zusammen mit Hoyte van Hoytemas Kameraarbeit einen wunderschönen Film erschaffen, der mit warmen Farben das Bild einer Welt zeichnet, die im Wandel ist. Die oscarnominierte Musik unterstreicht dies noch. Sie schmeichelt dem Ohr, ist im Grunde das, was Samantha ihrem Theodore schenkt, als sie ihm ihre Version einer Photographie präsentiert – etwas, das man nicht mehr vergisst.

Die Musik erweckt die Emotionalität des Zuschauers. Man sieht, was geschieht, aber „Her“ ist vor allem ein Film zum Hören, und das nicht nur der brillanten Dialoge wegen.