Aus dem hohen Norden kommen heutzutage die Krimis und Thriller, die nicht nur im Fernsehen immer präsenter werden, sondern auch nach und nach die Kinosäle dieser Welt erobern. Nach der „Millennium“-Trilogie und „Easy Money“ ist es nun „Headhunters“, der auf ein Publikum schielt, das einerseits den kalten Look des Nordens, andererseits die komplex erdachten Geschichten mag. Dass der Film dazu noch auf einem Erfolgsroman von Jo Nesbø basiert, kann da nur förderlich sein.
Von der Grundidee interessant, in der Ausführung rasant, aber leider stolpert die Geschichte über ihren eigenen Anspruch.FazitRoger Brown (Aksel Hennie) ist ein erfolgreicher Headhunter, der für das Unternehmen Pathfinder nach einem neuen CEO sucht. Seine Komplexe, weil er nur 1,68 Meter groß ist, hat er längst kompensiert: mit einem lukrativen Job, seiner wunderschönen Frau Diana (Synnøve Macody Lund) und einer sehr teuren Villa. Doch um das alles zu finanzieren, reicht das Headhunter-Gewerbe nicht aus. Darum nutzt er seinen Job auch anderweitig.
Er bringt in beiläufigen Gesprächen in Erfahrung, welche kostbaren Gemälde die hoffnungsvollen Job-Aspiranten besitzen und wann ihre Häuser und Wohnungen leer sein werden. Dann steigt er in die Wohnung ein, tauscht das Gemälde durch eine Replik aus und lässt seinen Kumpel Ove, der für das führende Alarmanlagen-Unternehmen des Landes arbeitet und seine Spuren einfach verwischt, das gute Stück zu Geld machen.
Nun trifft sich Roger mit dem niederländischen Geschäftsmann Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau), der einerseits der perfekte Kandidat für Pathfinder ist, andererseits einen echten Rubens in seinen Besitz haben soll. Roger ist klar, dass dies der Coup seines Lebens ist, müsste er nach dem Verkauf des Rubens doch gar nicht mehr arbeiten.
Leben mit Knarre ist schwer, mit Schnäuzer noch viel schwerer.Doch er ahnt nicht, auf welch gefährliches Spiel er sich diesmal einlässt. Nicht nur beginnt Greve eine Affäre mit Diana, nein, er ist auch noch ehemaliger Soldat einer Spezialeinheit, deren Spezialität es war, Menschen aufzuspüren und zu eliminieren. Plötzlich steht Roger ihm im Weg – und ganz schnell wird aus dem Headhunter der Gejagte.
So schön es ist, wenn man einen Film hat, der versucht, eine Geschichte zu erzählen, die nicht zu simpel gestrickt ist, so problematisch ist es, wenn sich das Werk dann in Fallstricken verheddert. Das passiert leider auch „Headhunters“, der zu viel auf einmal sein will. So wirkt er ganz plötzlich wie eine Melange hinreichend bekannter Filme, und das nicht nur in Hinblick auf die skandinavische Herkunft.
Natürlich muss es Twists geben. So ist kaum etwas das, was es zu sein scheint, während man als Zuschauer mit Roger auf der Flucht ist und entdeckt, dass manche ihn hintergehen, er sich in anderen getäuscht hat, und er clever genug ist, es mit einem Mann aufzunehmen, der ein Leben lang nichts anderes getan hat, als Menschen zur Strecke zu bringen.
Betrachtet man sich die Struktur der Geschichte, so kann man durchaus anerkennen, dass man sich Mühe gegeben hat. Es passiert viel, man jongliert mit verschiedenen Figuren und im Finale kommt dann der große Schlagabtausch zwischen beiden Protagonisten.
Oberflächlich betrachtet entgleist der Film hier. Genauer betrachtet passiert dies schon eine ganze Weile zuvor. Ohne zu sehr ins Spoiler-Territorium einzudringen, sei nur gesagt, dass nach Rogers Verhaftung – die Polizei hält ihn für jemand anderen, auf jeden Fall aber für einen Mörder – doch eigentlich die Wohnung des Täters zwecks Spurensuche und Beweissicherung unter die Lupe genommen werden würde. So und nicht anders würde jede Polizei überall auf der Welt vorgehen. Hier jedoch macht man das nicht. Muss einfach so sein, denn das Skript benötigt eine unberührte Wohnung, damit das Finale funktioniert.
Headhunters ist ein nett erzählter Film, aber irgendwas fehlt.So leidet „Headhunters“ darunter, dass die innere Logik nicht schlüssig ist. Zwar ist das alles recht rasant und spannend erzählt, aber es ist wie bei einem Big Mac. Während man ihn isst, ist man zufrieden und gesättigt, danach beginnt das leere Gefühl und der Hunger kehrt zurück. Im Äquivalent heißt dies bei „Headhunters“, dass man den Film (übrigens ähnlich wie in jüngster Zeit bei dem Thriller „Unknown Identity“) durchaus anschauen und sich unterhalten kann, nur darf man im Nachhinein nicht weiter über die Schlüssigkeit der Geschichte nachdenken.
Die cleverste Idee der Geschichte ist sicherlich, zwei Jäger gegeneinander antreten zu lassen. Interessant wird das, weil beide auf sehr unterschiedliche Art und Weise Menschen jagen. Im Grunde sind sie aber – da hat Greve in seinem Dialog mit Roger schon recht – beide vom selben Schlag, auch wenn der Headhunter das nicht wahrhaben will. Gerade, wenn man aber beachtet, mit welch krimineller Energie er seine Spuren zu verwischen und auch der Polizei zu entgehen versteht, wird klar, dass beide Männer einander ähneln.
Schade ist nur, dass aus dieser Idee nicht noch etwas mehr herausgeholt wurde. Denn während Greve all seine Fertigkeiten einsetzt, ist Roger nur derjenige, der davonläuft. Um die Ähnlichkeit beider herauszustreichen, wäre es hier förderlich gewesen, wenn er seine Fertigkeiten in einer Form hätte einsetzen können, die wiederum seinen Gegner ins Hintertreffen geraten lassen.

Karl13.04.2012 10:48
Thalandor20.03.2012 12:30
Polaros18.03.2012 03:43
Daala16.03.2012 11:28
Regie: Morten TyldumGenre:ThrillerFilmstart: Darsteller:Juli Olgaard, Aksel Hennie, Nikolaj Coster-Waldau
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