Der Überraschungserfolg von „Ziemlich beste Freunde“ hat es jüngst bestätigt: Nichts funktioniert besser als eine herzerwärmende Geschichte, scheinbar aus dem Leben gegriffen, in der sich mit einem lachenden und auch weinenden Auge mal so richtig wohlgefühlt werden darf. Nun singt die belgische Tragikomödie „Hasta La Vista“ ein Hohelied auf Freundschaft und die natürlich auch nur ganz normalen Bedürfnisse behinderter Menschen.
Typischer Crowdpleaser für Fans von „Ziemlich beste Freunde“ und Co. – herzerwärmend und formelhaft, bis der Arzt kommt.FazitZum Beispiel Geschlechtsverkehr. In der BBC-Dokumentation „For One Night Only“ plädierte der US-Amerikaner Asta Philpot für einen unverkrampften Umgang mit dem Thema, seither engagiert er sich für das Recht von körperlich und geistig Behinderten auf Sex. Ein Fernsehteam begleitete den seit seiner Geburt an Gelenksteife leidenden Philpot in ein spanisches Bordell, das ganz auf die Einschränkungen behinderter Menschen ausgerichtet ist.
„Hasta La Vista“ greift die Geschichte auf und passt sie entsprechend der Dramaturgie des Feel-Good-Movies an: Die drei Freunde Philip, Lars und Jozef wollen nicht länger die alltäglichen Hindernisse hinnehmen, die ihnen ihre Behinderung auferlegt. Gemeinsam beschließen sie, ohne Eltern, Familie oder Pflegepersonal zu verreisen und dabei auch endlich ihre Unschuld zu verlieren.
Als bei dem auf einen Rollstuhl angewiesenen Lars kurz vor der Abreise eine Verschlimmerung seines Tumors diagnostiziert wird, rückt das Vorhaben kurzzeitig in weite Ferne. Gegen die Widerstände ihrer Familien machen sich die drei dennoch nach Spanien auf, begleitet einzig von der mürrischen Fahrerin Claude, die nicht einmal ihre Sprache zu verstehen scheint. Bald wird klar: Der Weg ist das Ziel ihrer Reise.
Spaß wollen und werden sie haben - auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht.Ähnlich wie „Ziemlich beste Freunde“ war auch „Hasta La Vista“ in seinem Heimatland bereits ein Publikumshit, bevor er nun in unsere Kinos kommt. Die Ähnlichkeiten zum französischen Pendant, dessen Erfolg hierzulande dieses Jahr nicht mehr zu übertreffen sein wird (mehr als 8 Millionen Zuschauer sahen „Ziemlich beste Freunde“ in Deutschland), scheinen jedoch zufällig – beide Filme entstanden etwa zeitgleich.
Die Geschichte erinnert hingegen eher an „Knockin’ on Heaven’s Door“, in dem Til Schweiger und Jan Josef Liefers einst zwei krebskranke Freunde spielten, die die letzten Tage ihres Lebens auszukosten versuchten und dafür ebenfalls ans große Meer reisten. Auch zur seit „Hangover“ wieder besonders populären Männerkomödie ließe sich selbstredend eine Verbindung ziehen, so denn Regisseur Geoffrey Enthoven seinen Film wie folgt zusammenfasst: „Letztlich handelt er von drei Männern, die im Urlaub Frauen aufreißen wollen.“
Auf Derbheiten verzichtet „Hasta La Vista“ allerdings weitgehend, ganz seiner etwas ernsteren Thematik verpflichtet. Stattdessen drückt er die gebräuchlichen Wohlfühlknöpfe, über denen sich sanfte Komik und rührige Taschentuch-Melodramatik vereinen. Dem Film gelingen einige sympathische Momente, doch seine schematische und stets vorhersehbare, auf billige Affekte und Crowdpleaser-Gewogenheiten ausgerichtete Geschichte geht einem dann doch irgendwann ganz schön auf die Nerven.
Regie: Geoffrey EnthovenGenre: TragikomödieFilmstart:
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Ohne übertriebene Aufgeregtheit gelingt es diesem Film, Behinderte als liebenswürdige und lebenswürdige Mitmenschen der Gesellschaft darzustellen. Mit all ihren Ecken und Kanten wie bei JEDERMANN. Die Reise raus aus dem Knast der Vollkontrolle der Angehörigen, die einem als Schwerbehinderten nichts zutrauen, ist ein durchaus reales Alltagsproblem. Bitte kein Mitleid sondern Teilhabe ist der Wunsch der Protagonisten.
Da es kein Action-Thriller ist, kann ich damit leben, dass der Plot so inszeniert ist, dass vieles vorhersehbar ist. Gut so. Mein höchsten Respekt für die charmante Umsetzung des Films. Dass zum Finale einer der Freunde auf der Expetition des Lebens stirbt, ist traurig und klassische Tragödie. Wenn es am schönsten ist, soll man abtreten.
Einer meinen besten Freunde sitzt im Rollstuhl, meine Mutter ist genauso blind wie einer der Darsteller. Na und?
Es geht um Freude am Leben, egal wie hart es ist, es gibt immer kostbare Momente. Jeden Tag.
Manchmal muss ein Film für mich nicht raffiniert und kompliziert sein, um seinen Zweck zu erfüllen. Einfach gut.