Das Wolfsrudel ist zurück. Nach einer durchzechten Partynacht in Las Vegas und einem ebenso ereignisreichen Trip in Bangkok kehren die drei Pechvögel mit dem spektakulärsten Filmriss der Kinogeschichte zurück auf die Leinwand. Diesmal jedoch ohne Hangover als Auslöser, dafür aber mit ganz viel Katerstimmung in der Produktion.

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Obwohl sich „Hangover 2“ nach einem Déjà-vu aus vergangenen und besseren Zeiten anfühlte, schlug auch diese Fortsetzung ein wie eine Bombe – sodass man natürlich noch einen dritten Teil nachlegen musste. „Der epische Abschluss der Hangover-Trilogie“ schimpft er sich, als sei Hangover von Anfang an darauf ausgelegt gewesen, als dreiteilige Abhandlung produziert zu werden.

Die Figuren sind die gleichen, auch den kompletten Cast konnte man erneut für den dritten Teil gewinnen. Und doch fühlt sich „Hangover 3“ so ganz anders an als seine Vorgänger. Es ist natürlich schön, dass die Produzenten nicht noch einmal dieselbe Nummer fahren und wieder allen Protagonisten einen gehörigen Filmriss verpassen, den sie dann die kommenden Tage verarbeiten müssen. Doch Hangover ohne wirklichen Hangover?

Hangover 3 - Der Kater am Morgen danach

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Das Trio Infernale ist zurück.
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Schwarzer Humor an der Grenze zum Geschmacklosen

Im realen Leben wie im Film sind zwei Jahre seit den Ereignissen in Bangkok vergangen. Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und Doug (Justin Bartha) gehen ihrem ganz gewöhnlichen Alltag nach. Nur einer ist nach wie vor rastlos: Alan (Zach Galifianakis).

Der verwöhnte Sohn reicher Eltern scheucht sein Dienstmädchen hin und her und lässt sich von Mama bekochen, nur um Zeit für all den Blödsinn zu haben, den er aus Langeweile anstellt. So kauft er sich zum Beispiel eine Giraffe und nimmt sie mit auf eine Spazierfahrt über die Autobahn – mit niedrigen Brückenabschnitten.

Packshot zu Hangover 3Hangover 3

In diesen ersten Minuten darf laut und viel gelacht werden. Manchmal bleibt einem das Lachen aber im Halse stecken, da es von sehr makaberen Momenten gebremst wird – was nicht wirklich schlecht, aber eben knallhart ist.

Hangover 3 - Der Kater am Morgen danach

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Viele Gags zünden nicht mehr wie noch im ersten Teil und wirken aufgesetzt.
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Man kann es sich denken: Die Giraffe bleibt nicht lange am Leben – und ihr Ableben wird sehr detailliert dargestellt. Als Alan dann von seinem Vater eine Standpauke zu seinem lottrigen Lebensstil zu hören bekommt, schaltet dieser auf Durchzug, verhüllt seine Ohren mit Musik und verpasst den Moment, als sein Vater durch den Stress direkt hinter ihm einen Herzinfarkt erleidet.

Ein bitterböser Auftakt also für den dritten Teil. Man weiß nicht genau, ob man lachen oder die vor Schock geweiteten Augen besser verschließen soll. Witzig geht es auch erst einmal weiter, denn Alan steckt in einer Midlife-Crisis – oder schafft es als 42-Jähriger eben nicht, erwachsen zu werden. Seine Freunde wollen ihm helfen und ihn deswegen in eine Kurklinik bringen, damit Alan sein Leben auf die Reihe bekommt.

Auf der Jagd nach Mr. Chow

Phil, Stu und Doug erklären sich dazu bereit, ihn dorthin zu begleiten. Aber im „New Horizons“ kommen sie natürlich nie an. Auf dem Weg dorthin werden die vier von der Straße gedrängt, zusammengeschlagen und Doug wird entführt. (Dem armen Doug wurde auch im dritten Teil keine größere Rolle zugedacht. Ein Running-Gag also.)

Der Hangover nach Hangover. Absolute Katerstimmung und höchstens ein Film zum Ausnüchtern nach einer wilden Party.Fazit lesen

Damit wird im weitesten Sinne der Grundstein für einen weiteren verrückten Trip gelegt, der das Hangover-Trio diesmal nach Tijuana und zurück nach Las Vegas an vertraute Orte führt.

Schwunghafter Start, langsam ausgerollt

Leider wirkt die neue Reise filmisch sehr ziellos und ausgelutscht. Die Motoren, die die ganze Handlung ins Rollen bringen, sind diesmal Alan und Chow, deren Rolle noch größer ausfällt als schon in den Vorgängerfilmen. Während sie im ersten Teil noch die verrückten Sidekicks waren (in Alans Fall etwas mehr als nur ein Sidekick, also der verrückte Dritte im Bunde – aber sicher nicht der Protagonist), kehrt sich dies im dritten Teil nun um.

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Freund und Helfer? Wohl eher nicht.
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Gefühlt mehr Alan, gefühlt mehr Chow – und das ist leider zu viel des Guten. Die portionierten Verrücktheiten der beiden waren der Knaller im ersten Teil. Wenn Alan nun aber einen Spruch nach dem anderen reißt, wird man dessen schnell überdrüssig.

Anfangs hat der Film tatsächlich noch Schwung. Dieser verliert sich aber leider schnell im Handlungsverlauf. Man hat die ganze Zeit über das Gefühl, dass nicht wirklich viel passiert – obwohl die drei an keinem Ort zu lange festhängen. Nachdem die anderen beiden Filme mit aberwitzigen Begebenheiten zugestopft waren und ein großes Ereignis auf das nächste folgte, müssen die Zuschauer ihre Erwartungen beim dritten Teil jäh zurückschrauben.

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An irrwitzigen Situationen mangelt es auch dem dritten und letzten Teil des Klamauks nicht.
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Es wirkt eben durchweg so, als hätte man zwanghaft noch einen dritten Film produzieren wollen, um die Kuh bis auf den letzten Tropfen zu melken. Doch wirklich tolle Ideen hatten die Drehbuchautoren anscheinend nicht mehr parat, sodass der „epische Abschluss der Trilogie“ sehr zäh und ideenlos daherkommt. Man drückt und drängt dem Wolfsrudel ein weiteres, unnötiges Ende auf und versucht die Zuschauer mit Auftritten von Figuren aus den beiden Vorgängern bei der Stange zu halten. So darf man sich über ein Wiedersehen mit der Stripperin Jade (Heather Graham) und ihrem Sohn Carlos… ähm… Tyler sowie dem „falschen Doug“ freuen.

Natürlich gibt es auch wieder einiges zu lachen und ein paar bissige und coole Sprüche, diese verlieren sich aber zu schnell in der Oberflächlichkeit des Ganzen. Die Macher waren einfach nicht mehr voller Überzeugung und mit Herzblut bei der Sache. Die Dollarzeichen in den Augen waren wohl größer als der Blick fürs Geschichtenerzählen.