Nachdem Schneewittchen als Fantasy-Heldin eine Armee anführte und Abraham Lincoln sich als Vampirjäger versuchte, ist es irgendwie ganz passend, dass sich nun Hänsel und Gretel als Hexenjäger verdingen. Das Projekt ist „High Concept“, eine Geschichte, die man mit einem einzigen Satz pitchen kann: „Hänsel und Gretel als actionreiche Monsterjäger“. Genau das wurde dann auch vom Norweger Tommy Wirkola („Dead Snow“) umgesetzt – inklusive Splattereinlagen und anachronistischer Einfälle.

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Hänsel und Gretel werden von ihrem Vater im Wald ausgesetzt, laufen herum und finden ein Lebkuchenhaus, in dem eine Hexe haust. Sie will die beiden Kinder fressen, doch es gelingt ihnen, die Hexe zu töten. Als sie aus dem Wald heraus finden, werden sie von den Dorfbewohnern gefeiert. Der Grundstein ihrer Karriere als Hexenjäger ist gelegt.

Über die Jahre töten Hänsel und Gretel zahlreiche Hexen. Nun hat sie der Bürgermeister von Augsburg zu sich gerufen, da seit kurzer Zeit einige Kinder verschwunden sind. Eine Hexe soll die Übeltäterin sein. Während der Sheriff eine Unschuldige verbrennen will, ist Hänsel und Gretel bewusst, dass die Frau der Missetäter nicht sein kann. Sie retten sie und ziehen den Groll des Sheriffs auf sich.

Davon unbeirrt gehen sie ihrer Mission nach: Sie suchen nach den Kindern und finden dabei heraus, dass eine große alte Hexe etwas Unfassbares plant, das ihrer Art die Vorherrschaft über die Menschheit auf ewig sichern wird.

In einer unbestimmten Zeit

Ähnlich „Van Helsing“, aber dafür nicht unfreiwillig komisch, wird bei „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ gezeigt, wie die Märchenfiguren bösen Hexenweibern einheizen. Erfrischend ist, dass der Film sich sehr anachronistisch gibt und Elemente beinhaltet, die sich zeitlich nicht in die Geschichte einordnen lassen: Insulin gegen Zuckerkrankheit, ein Elektroschocker und eine hölzerne Langspielplatte sind nur ein paar der hier ins Auge stechenden Dinge.

Hänsel und Gretel: Hexenjäger - Knusper, knusper, knäuschen, wer schlachtet die Hexe in ihrem Häuschen?

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Gegen Hexen helfen nur Armbrüste und anderes schweres Gerät.
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Das könnte irritierend sein, funktioniert aber im Kontext des Films. Insbesondere, da Hänsel und Gretel von Jeremy Renner und Gemma Arterton sehr modern gespielt werden, was sich nicht nur in der Figurenzeichnung, sondern auch in den Sprachmustern der beiden niederschlägt. So befindet man sich eher in einem Märchenreich, in dem alles möglich ist, als in einem Deutschland längst vergangener Zeit.

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Viel Kurzweil

Erstaunlich, wie kurz der Film ausgefallen ist. Das ist man von großen Hollywood-Produktionen gar nicht mehr gewöhnt. Nach gut 80 Minuten ist Schluss mit lustig. Bis dahin hat man sich aber gut unterhalten, wenn man darüber hinwegsehen kann, dass die Geschichte sehr mager ausgefallen ist und die Twists fünf Meilen gegen den Wind zu riechen sind.

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Dafür funktioniert die Mischung aus viel Action und wenig Story-Fett aber ganz gut. Es rührt sich eigentlich immer was, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. Für Splatterfans gibt es auch ein paar Kleinigkeiten, auch wenn der Film natürlich nicht mit „Dead Snow“ zu vergleichen ist. Dennoch: Als Troll Edward (!) ein paar Leuten den Garaus macht, werden schon Köpfe zerdrückt und zermatscht. Das wird vor allem mit Kunstblut, weniger mit Nahaufnahmen brechender Knochen gezeigt, ist aber für einen Mainstream-Film, der auf einem Märchen basiert, recht kühn.

Märchen mit Twist: Zwar vorhersehbarer, aber unterhaltsamer Action-Film, der auch mit seinen kleinen Splatter-Einlagen sympathisch ist.Fazit lesen

Eine lahme Hexe

Wirklich schwächelnd ist der Film nur bei seiner Schurkin. Famke Janssen spielt die Oberhexe, das aber so lustlos, dass es fast wehtut. So überrascht es nicht, wenn Janssen in Interviews erzählt, dass sie die Rolle nur angenommen hat, weil sie eine Hypothek zu bezahlen hatte. Spiellust und -freude sehen anders aus.

Dafür harmonieren Arterton und Renner ganz gut, wobei die vorhandene Chemie auch den realen Altersunterschied negiert. Peter Stormare als Sheriff ist zwar gut, allerdings ähnelt er zu sehr seiner Rolle aus „Brothers Grimm“.