Chris Pratt gehört zu der besonderen Gruppe Schauspieler, die bereits ihre Rolle gefunden haben, die sie perfekt ausfüllten und darstellten: Bjarne Mädel verwandelte sich etwa zu Strombergs Ernie, Jack Gleeson zur perfekten Besetzung des King Joffrey, Clint Eastwood prägte sogar einen vollständigen Stereotypen und Chris Pratt schließlich fand mit der Rolle des Andy Dwyer bis dato gaubwürdigste Projektionsfläche für seine Schauspielerei. In Guardians of the Galaxy geht es zwar um Kriege, Superhelden und Bösewichte, aber die wichtigste Frage wartet hinter den Kulissen: Erleben wir einen wandelbaren, glaubhaften Chris Pratt? Oder nur Andy Dwyer im Latexanzug?

Der Film startet für Neulinge im Marvel-Universum, die nicht die Comicvorlagen kennen, unerwartet: Statt wie bei einer Sci-Fi-Opera erwartet den Film irgendwo im Weltraum beginnen zu lassen, lernen wir den jungen Peter Quill im Jahre 1988 kennen, der den Tod seiner Mutter mitansehen muss und kurz darauf von Weltraumpiraten unter der Führung eines gewissen Yondu (Michael Rooker, bekannt aus der Serie The Walking Dead) entführt wird.

Guardians Of The Galaxy - Marvel lässt es wieder krachen: Actionwahnsinn im Weltall

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Aufsteiger und Bösewicht Ronan: Eindrucksvoll, aber nicht vielschichtig.
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26 Jahre später werden wir Zeuge der Ereignisse und Verstrickungen, die Peter Quill nach und nach auf die einzelnen Mitglieder der zukünftigen Guardians of the Galaxy stoßen lassen, die versuchen, ein mächtiges Artefakt vor dem Aufsteigerbösewichten Ronan zu beschützen. Ein Wettlauf um die Zeit entfaltet sich über verschiedene Stationen bis zum finalen Showdown, bevor der Film mit einem kleinem Twist am Ende die Credits über die Leinwand schickt.

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Obwohl über hundert Comics die Geschichte der Guardians of the Galaxy bereits erzählten und für Fans ein festes Bild der Charaktere zeichneten, sah sich der Regisseur James Gunn vor eine große Herausforderung gestellt: Während der Kampfbaum Groot und der genmanipulierte Waschbär Rocket durch den Segen modernster CGI-Technik vor einer möglichen Fehlbesetzung bereits im Vorfeld verschont blieben, mussten die passenden Schauspieler für die wichtigen Rollen des Star-Lords Peter Quill, die grünhäutige Attentäterin Gamora und den grobschlächtigen Schläger Drax gefunden werden, die ebenfalls Teil der Guardians of the Galaxy sind.

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Dave Batista ist prädestiniert für die Rolle des Zerstörers.
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Während Dave Batista, der als Profi-Wrestler regelmäßig in den Ring steigt, die physisch anspruchsvolle, dafür verbal eher weniger fordernde Rolle hervorragend und glaubwürdig stumpf ausfüllt, überrascht Zoe Saldana in der Rolle als verbissene Kampfmaschine, die nach und nach Empathie und so etwas wie eine emotionale Bandbreite entwickelt: Wo Chris Pratt die aufwändige Filmproduktion überraschend mangelhaft stemmt, entwickelt sich Zoe Saldana Szene um Szene zum interessantesten und vielschichtigsten Charakter der Superheldenbande, vielleicht sogar des ganzen Films.

“Moment, Chris Pratt enttäuscht?” Ja, aber lasst es mich erklären.

Chris Pratt schwächelt leider, aber der Film macht Spaß.Fazit lesen

In einem Interview verriet der Regisseur, dass Lee Pace, der im Film den Antagonisten Ronan verkörpert, ursprünglich für die Rolle des Peter Quill vorsprach, allerdings nicht zu der Vision passte, die James Gunn im Kopf hatte - und dies wahr sicherlich keine falsche Entscheidung.

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Chris Pratt macht definitiv Spaß - kann den Film aber nicht tragen.
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Lee Pace, der in The Fall (2006) zeigte, wie gut er tiefgründige, schwermütige, wuchtige Charaktere darstellen kann, füllt die Rolle des dunkelgeschminkten Bösewichts imposant und überzeugend aus und hätte dem Wesen des Peter Quill wohl eine zu dunkle Note verpasst.

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Vor allem in der ersten Hälfte des Film gelingt der Mix aus Ernsthaftigkeit und Humor sehr gut.
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Chris Pratt, bekannt aus seiner trottelig-chaotischen Rolle des Andy Dwyer (Parks and Recreation), empfand die Rolle des Star-Lords als eine Mischung aus Han Solo und Marty McFly, wie er in einem Interview erklärte. Diese Mischung aus Willensstärke, Zielstrebigkeit aber auch Verspieltheit gelingt dem amerikanischen Schauspieler über weite Strecken sehr gut und zaubert uns immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht, wenn er durch futuristische Ruinen tanzt oder versucht, seinen Charme bei Frauen spielen zu lassen.

Apropos Frauen: Karen Gillan, die fast nicht erkennbar als Nebula mehrere kleine Auftritte im Film hat, verdient an dieser Stelle auch eine Erwähnung. Durch Computertechnik optisch stark verändert, schauspielert sie die böse Schwester der Gamora sehr überzeugend und sorgt bei Doctor Who - Fans bei jedem ihrer Auftritte für ein breites Grinsen.

Trotz allem bleibt die Rolle des Peter Quill in der Verfilmung ein wenig schwach und farblos: Aus seiner Vergangenheit (Kind aus den ‘80ern wird zum Raumpiraten in einer fernen Zukunft) hätte man noch deutlich mehr spinnen können, als nur die pointierten Szenen zu Beginn und am Ende des Films.

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Während Pratt für sich genommen also durchaus seine schwachen Momente hat, funktioniert die Synergie der gesamten Superhelden-Gruppe sehr gut. Bis etwa zur Mitte des Film entwickelt Guardians of the Galaxy ein angenehmes Tempo und findet einen vorübergehenden Höhepunkt, der selbst vom finalen Showdown nicht mehr erreicht werden kann. Je näher der Zuschauer sich den Credits am Ende des Films nähert, desto mehr zerfasert die Dynamik der Gruppe, die nur noch durch einzelne, witzige Momente hochgehalten wird, schließlich aber durch einen etwas schwachen, vorhersehbaren Endkampf erlöst wird.