Das große Problem mit französischen Komödien – besonders den gesellschaftskritischen – ist, dass sie nicht jedermanns Sache sind. Klar, was gefällt schon jedem? Aber diese Form, der auf Leinwand gebannten Unterhaltung, ist da noch etwas spezieller. Humor, der aus der Situation heraus entsteht und trockene Pointen, die nicht immer und bei allen zünden – gar nicht immer und bei allen zünden können. Und trotzdem … Wer sich erst einmal in diese Form der Unterhaltung verliebt hat...

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Und genau diese Art der Unterhaltung bekommt ihr bei Anthony Marcianos Komödie „Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden“. Dabei ist der deutsche Titel näher an der Wahrheit, als es der Film selbst in über 90 Minuten schafft. In dessen Mittelpunkt steht nämlich ein älterer Mann, der sich selbst – quasi sein Ich – aus den Augen verloren hat, nach und nach Kompromisse einging und jemand wurde, der er nicht sein will. Und nun, da er seine Grenzen durchbricht, sich austobt, den Frust der Jahre abschüttelt und so wieder zu sich selbst findet … wird er vom Film als Mann in seiner Midlifecrisis abgestempelt.

Große Jungs - Nicht jeder will erwachsen werden - Kiffen, vögeln und Party machen?

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Der Film erscheint bei uns am 03.07.2014.
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Auf der Suche nach sich selbst

Doch es ist wie es ist und man kann den Film interpretieren wie man mag. Hat man nun Mitleid mit seiner Frau, die ihren Mann quasi aus heiterem Himmel verliert und mit ansehen muss, wie dieser sich mit anderen Weibern vergnügt und sein Leben zur Party werden lässt? Oder versteht man sich mit Gilbert (Alain Chabat), der seiner Herzensdame eigentlich viele Warnsignale geschickt hat und nun keinen anderen Ausweg mehr sah?

Und das ist das Schöne an diesem Film. Die eine Sichtweise schließt die andere nicht aus. Wir sind alle nur Menschen. Wir machen Fehler. Und egal wie alt wir sind, wir können immer noch etwas ändern. Schwieriger wird es da schon bei dem eigentlichen Protagonisten des Streifens und seiner Verlobten, der Tochter von Gilbert.

Die beiden Figuren wurden so sehr in eine Charakterisierung gedrängt, dass die Situationskomik mit beiden zwar wunderbar funktioniert, aber alle Handlungen, die nicht mit ihrer Persönlichkeit Hand in Hand koexistieren können, aufgedrängt und unnatürlich wirken. Es fällt schwer, die Entscheidungen und Reaktionen der beiden zu verstehen und nachzuvollziehen.

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Thomas (Max Boublil) und seine neue Verlobte Lola (Mélanie Bernier).
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Gerade weil der Film darauf verzichtet, alles bis ins kleinste Detail zu erklären, dem Zuschauer Luft zum Selberdenken lässt und lange Zeitabschnitte einfach überspringt, wirkt er teilweise zerrissen und führt zu dem eben beschriebenen Dilemma. Es ist schön, dass man sich während des Film gucken einfach zurückfallen lassen und genießen kann, aber auch schade, dass so viel unverständlich bleibt.

Ein wunderbarer Film für einen gemütlichen Abend zu zweit. Aber auch nicht mehr.Fazit lesen

So ist die Reise eines Mannes, der sich selbst wiederzufinden versucht und dabei gar nicht bedenkt, dass er andere – in dem Fall seinen zukünftigen Schwiegersohn Thomas (Max Boublil) – mit in seinen Strudel aus Selbstzweifeln und Depression zieht, zwar überaus unterhaltend und mit feiner Situationskomik gespickt, aber auch ein wenig anstrengend, da man verzweifelt versucht, sich mit Figuren zu identifizieren, die so sprung- und launenhaft sind, wie das Leben selbst.

Was haben wir gelacht

Das Schöne an „ Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden“ ist, dass seine Figuren trotz aller Kontrapunkte trotzdem sehr real wirken. Auch wenn wir ihre Handlungen und Reaktionen oftmals nicht verstehen, so sind ihre Taten und Worte doch die von echten Menschen. Es geht nicht drunter und drüber wie in manch einer Komödie, wo man sich fragt: „Was sind das für beknackte Leute?“. Niemand hier ist völlig verrückt oder bringt sich selbst in Situationen, die so unwirklich sind, dass man keinerlei Beziehungspunkte zu den Handlungsträgern knüpfen kann.

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Gilbert (Alain Chabat) ist schon lange nicht mehr glücklich gewesen.
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Nein, Menschen die einen solchen Humor haben wie Thomas und Gilbert, existieren und es sind viele von ihnen da draußen. Und wenn sich zwei von ihnen treffen, werden Ausflüge und abendliche Kneipenbesuche schon ziemlich lustig. Während Unbeteiligte ratlos daneben stehen und die betroffenen Personen als Idioten abstempeln.

Wer jedoch dabei ist und die beiden Figuren so gut kennenlernt, wie wir das im Laufe des Film tun, kann herzhaft lachen und die Situation genießen.

Dabei folgt der Film natürlich den klaren Richtlinien, die eine jede Komödie haben muss. Sie baut sich über 75% der Zeit auf, führt dann zum unweigerlichen dramatischen Höhepunkt, in dem sich Figuren entzweien und alles zusammenzustürzen droht, nur um im herzerwärmenden Finale dann wieder Freude und Glück zu kotzen. Ehrlich … Das wäre gar nicht mal so schlimm. Wären die Reaktionen, die Handlungen der betroffenen Figuren hier nicht erneut so schwer nachzuvollziehen.