Ein Mann streichelt mit seiner Hand über den Kopf seiner Frau. Er denkt über sie nach, über ihren schönen Kopf und wie gerne er ihn einschlagen würde. Wie gerne er hineinsehen würde, in diesen Kopf, in dieses Gehirn, um zu verstehen, was diese Frau antreibt. Aber er tut es nicht.

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Das ist der einzige, wirklich clevere Moment des Films, auch wenn man das erst mit der letzten Einstellung von „Gone Girl – Ein perfektes Opfer“ wirklich merkt. Bis dahin hat man aber kaum noch Interesse an dieser Geschichte, die zwar die ganz großen Themen anschneiden will, aber im Grunde nur in einem brilliert: den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Aber die Intention des Films war das sicherlich nicht.

An seinem fünften Hochzeitstag kommt Nick Dunne (Ben Affleck) nach Hause. Seine Frau Amy (Rosamund Pike) ist verschwunden, aber im Wohnzimmer finden sich Spuren eines Kampfs. Nick ruft die Polizei, die den Tatort untersucht. In der Küche werden Rückstände von Blut gefunden, das notdürftig weggemacht worden ist.

Gone Girl - Das perfekte Opfer - Das Mädchen ist weg? Gut, weiter!

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Der Film kommt bei uns am 02.10.2014 in die Kinos.
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Die Polizei beginnt, gegen Nick zu ermitteln, die Medien stürzen sich auf ihn, die Vorverurteilung ist in vollem Gang. Jeder fragt sich, ob Nick es wirklich getan hat. Hat er seine Frau getötet? War die Ehe so zerrüttet? Lag es daran, dass sie alles Geld hatte und er wegen eines Ehevertrags bei einer Scheidung nichts bekommen hätte? Oder ist vielleicht nichts so, wie es erscheint.

Die Schlinge um Nicks Hals zieht sich immer mehr zusammen.

Interessanter Roman, durchwachsener Film

Obwohl Gillian Flynn ihren eigenen Roman adaptiert hat, ist bei der Übertragung von der Prosa zum Drehbuch etwas verloren gegangen. Sicherlich ist es leichter, den Leser in eine Geschichte hineinzuziehen, die aus zweierlei Perspektive erzählt wird, aber auch einem Film kann und muss das möglich sein. Es bedarf aber einer anderen Struktur. Die hier verwandte orientiert sich an der Vorlage, hätte aber wagemutiger eigene Wege gehen müssen. Stattdessen läuft alles in solch vorhersehbarem Rahmen ab, dass man den Roman gar nicht kennen muss, um die Pointe meilenweit gegen den Wind riechen zu können.

Packshot zu Gone Girl - Das perfekte OpferGone Girl - Das perfekte Opfer

Das liegt auch an der Besetzung. Rosamund Pike passt wie die Faust aufs Auge, was die Rolle Amys betrifft. Aber das ist das Problem. Sie hat die Ausstrahlung einer Eiskönigin, auch wenn sie das im wahren Leben nicht sein mag. Aber so gestaltet sich ihr filmisches Image, womit nur wenig Überraschungsspielraum bleibt, was Amy betrifft.

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Für einen Fincher-Streifen ist Gone Girl erschreckend schwach.
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Zum Schreien komisch

Das größte Problem ist aber nicht das uninspirierte Casting, sondern vielmehr der unfreiwillige Humor. Die Dialoge sind teilweise unendlich peinlich. Kaum zu glauben, dass die Schauspieler sie rauspressen konnten, ohne in Lachen auszubrechen. Dem Publikum fällt das deutlich schwerer. Bei „Gone Girl“ erlebt man häufiger, dass die Zuschauer lachen. Nicht mit dem Film, sondern über den Film!

Dabei sind es nicht nur die Dialoge, auch die Situationen sind grauenhaft. Fincher scheint teilweise jedwedes Gespür für die Gestaltung einer Szene verloren zu haben. Er präsentiert Momente, die so absurd sind, dass man nur lachen kann. Aber intendiert ist das garantiert nicht.

Interessantes Konzept, das jedoch in einer Welle unfreiwilliger Komik untergeht.Fazit lesen

Unehrlichkeit und Vorurteile

Die Schwächen des Films unterminieren seine Wirkung. Die Geschichte per se ist nicht schlecht, aber die interessanten Themen gehen unter in der unfreiwilligen Komik. Dabei ist die Betrachtung dessen, wie die Medien einen Menschen vorverurteilen, durchaus interessant, auch wenn man hier noch etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können. Ähnlich interessant ist es, mitzuerleben, wie eine Ehe in die Brüche geht, wie Liebe schwindet und durch Abscheu ersetzt wird, wie Unehrlichkeit in jeden Moment von Zweisamkeit eindringt.